Markthalle für die Länggasse

Der Kanton hat die Alte Schreinerei auf dem Berner Von-Roll-Areal verkauft. Das Kollektiv, welches das Gebäude derzeit nutzt, ist nicht zufrieden.

Die Zwischennutzer der alten Schreinerei haben sich vergeblich gegen den Verkauf gewehrt.

Die Zwischennutzer der alten Schreinerei haben sich vergeblich gegen den Verkauf gewehrt.

(Bild: Ruben Wyttenbach)

Christian Zellweger@@chzellweger

Siebzehn Jahre stand sie leer, seit gut eineinhalb Jahren ist sie besetzt – jetzt ist sie verkauft: Die Alte Schreinerei auf dem Von-Roll-Areal in der Berner Länggasse hat neue Besitzer. Der Kanton habe das Gebäude an «zwei Privatpersonen aus Bern» für 50 Jahre im Baurecht verkauft, teilte die kantonale Baudirektion am Donnerstag mit.

Wer die Käufer sind, bleibt vorerst geheim. Noch haben die unterlegenen Interessenten die Möglichkeit, gegen den Entscheid des Kantons Einsprache zu erheben. Erst wenn diese Frist abgelaufen ist, soll bekannt werden, wer den Zuschlag erhalten hat. Es habe insgesamt vier Angebote gegeben, sagt Beat Keller, Leiter der Abteilung Bildung im Amt für Grundstücke und Gebäude (AGG). Allerdings habe nur eines der Dossiers alle Auflagen erfüllen können.

Hohe Anforderungen

Die Vorgaben des Kantons sind hoch. Die neuen Besitzer müssen unter anderem das baufällige Gebäude auf eigene Kosten im Minergie-Standard sanieren. Zudem gelten die Auflagen des Denkmalschutzes. Ebenfalls ein Kriterium bei der Ausschreibung: die Quartierverträglichkeit. Im Gremium, das die Angebote beurteilte, sassen neben dem AGG denn unter anderen auch die Quartierkommission, der Denkmalschutz und Vertreter der Universität und der Pädagogischen Hochschule (PH). Die Auflagen relativieren den symbolischen Kaufpreis von einem Franken.

Was aber wollen die neuen Besitzer mit dem Gebäude? Details sind bisher nur wenige bekannt. Wie der Kanton schreibt, soll das untere Geschoss öffentlich zugänglich bleiben. Hier wollen die neuen Besitzer eine Markthalle, ein Restaurant und einen Mehrzweckraum für das Quartier einrichten. In den Obergeschossen sind offenbar Wohnungen für Studierende sowie Büros für Besucher der Universität und der PH geplant. Baustart soll in etwa einem Jahr sein – bis dahin sollen auch die Besetzer des Kollektivs Fabrikool das Gebäude weiterhin nutzen dürfen. «Wir haben eine gute Lösung gefunden, die auch einen Mehrwert fürs Quartier bringt», zeigt sich Keller überzeugt.

«Weiterer Konsumort»

Die Aktivisten von Fabrikool sind hier anderer Meinung. Sie hatten das Gebäude Anfang 2017 besetzt und – unter anderem nach Vermittlung durch den Alt-Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät – einen Gebrauchsleihvertrag mit dem Kanton abschliessen können.

Sie hätten den Eindruck, dass ein weiterer «Konsumort» entstehen soll, schreiben die Besetzer in einem Statement. «Für uns spielt es jedoch keine Rolle, wer die Besitzer sind, wir machen weiter und lassen uns nicht vertreiben», heisst es weiter. Bereits bei der Ausschreibung im Mai zeigte sich das Kollektiv kritisch. Obwohl der Kanton mit der öffentlichen Ausschreibung für «gleich lange Spiesse» bei allen Interessenten sorgen wolle, sei die Chancengleicheit nicht gegeben, schrieb Fabrikool damals. Die Höhe des Baurechtszinses werde viel zu stark gewertet, «dass ein Projekt wie das Fabrikool nicht mit finanzstarken Gegenparteien mithalten kann, liegt auf der Hand».

Es gab Abbruchpläne

Der Kanton habe stets klar kommuniziert, dass es sich für ihn bei Fabrikool um eine Zwischennutzung handle, die einst ein Ende haben werde, sagt Keller dazu. Man sei immer auf die Bedürfnisse des Kollektives eingegangen und habe ein «transparentes Verhältnis» gepflegt. «Wir erwarten darum weiterhin ein konstruktives Miteinander.» Wäre es nach Regierung und Kantonsparlament gegangen, würde das Gebäude von 1870 längst nicht mehr stehen.

Dass es im Zuge des Baus des Campus Von Roll nicht abgerissen wurde, ist vor allem der städtischen Denkmalpflege zu verdanken. Diese hatte sich 2011 gegen eine Motion aus dem Grossen Rat gewehrt, die einen Abriss verlangte – und musste dafür auch von der Regierung Kritik einstecken.

Allerdings hatten die Stadtberner in einer Abstimmung bereits 1999 eine Überbauungsordnung gutgeheissen, die unter anderem der Alten Schreinerei Schutzwürdigkeit zusprach. Schliesslich entschied sich der Kanton aus pragmatischen Gründen gegen einen Abriss: Er wollte kein Gerichtsverfahren riskieren, das zu Verzögerungen beim Bau des Von-Roll-Campus hätte führen können.

Der Bund

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