Langjährige Freiheitsstrafen für Kokainschmuggler

Sieben Drogenhändler aus Afrika wurden zu insgesamt 49 Jahren Haft verurteilt. Die Männer waren Teil einer komplexen kriminellen Organisation.

Die sieben Angeklagten waren Teil eines internationalen Schmugglerrings. Nun wurden sie in Bern verurteilt.

Die sieben Angeklagten waren Teil eines internationalen Schmugglerrings. Nun wurden sie in Bern verurteilt.

(Bild: Karin Widmer)

Markus Dütschler

Insgesamt fast 50 Jahre Gefängnis erhalten sieben Drogenhändler aus Afrika. Nachgewiesen wurde ihnen nach Überzeugung des Regionalgerichts Bern-Mittelland der Handel mit 95 Kilogramm reinem Kokain. Ein grosser Fall also? Gerichtspräsident Jürg Christen, Vorsitzender des fünfköpfigen Gremiums, sagte gestern bei der Urteilseröffnung im mächtigen Assisensaal des Berner Amthauses, von der Drogenmenge her sei dieser Fall nicht derart aussergewöhnlich. Kompliziert war er vor allem wegen seiner Beschaffenheit.

Als die Kantonspolizei Bern im Jahr 2015 in einem Reservereifen eines Autos vier Kilogramm Kokain fand, war dies zuerst noch nicht klar. Im Lauf der Ermittlungen wurde immer deutlicher, dass da keine kleinen Drogenschieber am Werk waren, sondern Mitarbeiter einer weitverzweigten, straff organisierten Bande. Diese bezog die heisse Ware in Holland, verteilte sie in der Schweiz an Stützpunkte und schaffte das erwirtschaftete Geld wieder nach Holland. Mehrere Kantone und Staaten ermittelten. So stiess die Polizei in Köniz auf einen Mann, der 201 Fingerlinge voller Kokain in seinem Körper ins Land geschmuggelt hatte, ein Bodypacker.

Der jüngste der Siebnergruppe ist 34-jährig, der älteste 59. Zwei stammen aus dem Kongo, fünf aus Nigeria. Nach Überzeugung des Gerichts waren sie Teil einer Art Drogenpost, gut organisiert und hoch arbeitsteilig. Auch wenn nicht jeder alle Details kannte, hätten sie doch genau gewusst, was sie täten, so das Gericht. Während des Prozesses hatten einige angegeben, ihnen sei nicht klar gewesen, was sie transportierten, oder aber sie seien sicher, dass es sich um kleine Mengen gehandelt habe.

Viele Handydaten

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, mengenmässig qualifiziert, banden- und gewerbsmässig begangen: So lautete der Hauptvorwurf. Bei den meisten gesellte sich das logische Gegenstück hinzu, die gewerbsmässige Geldwäscherei, denn der illegale Erlös muss wieder in die legale Wirtschaft eingespeist werden.

Bis die Justiz die Konturen erkennen konnte, bedurfte es aufwendiger Telefon- und Wohnsitzüberwachungen. Anruflisten der vielen verwendeten Handys wurden erstellt und mit den mutmasslichen Vorkommnissen verglichen, mit Versandlisten und Empfängercodes. So liess sich erhärten, dass die Ausflüchte des einen Angeschuldigten nicht stichhaltig waren. Dieser hatte weiszumachen versucht, er sei durch Europa gefahren, um Elektronik – ausserhalb der Ladenöffnungszeiten – zu kaufen, doch habe er nicht das Geeignete gefunden. «Weshalb war alles so verschlüsselt, wenn es doch angeblich nur um Elektromotoren ging», fragte der Gerichtspräsident rhetorisch.

Besser kein Weiterzug

Die Verteidiger der Angeschuldigten hatten zum Teil moniert, dass der konkrete Ablauf des Handels in der – immerhin 160 Seiten dicken – Anklageschrift zu wenig präzise herausgearbeitet sei. Dies liege in der Natur der Sache, widersprach der Gerichtspräsident: Der Sachverhalt sei genügend genau umschrieben.

Wird das erstinstanzliche Urteil weitergezogen? Das war gestern noch nicht klar, müssen dies doch sieben Anwälte mit sieben Mandanten entscheiden. Verteidiger, deren Mandanten kürzere Strafen erhalten haben, sagten nach Prozessende, ein Weiterzug stehe nicht im Vordergrund. Einige sitzen bereits im vorzeitigen Vollzug. Führen sie sich dort anständig auf, was offenbar der Fall ist, werden sie nach Verbüssung von zwei Drittel einen Antrag auf Entlassung stellen können. Daraus würde nichts, wenn sie – im Gefängnis – auf das Urteil des Obergerichts warten müssten. Schon jetzt sind Kosten von weit über einer halben Million Franken aufgelaufen.

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