Kreuzzug gegen eine Sommerbar

Die IG Egelsee bekämpft die Bar au Lac weiter – doch die Kritik an den Gegnern wächst.

Das Café Egelsee kommt nicht zur Ruhe. Anwohner bekämpfen es weiter.

Das Café Egelsee kommt nicht zur Ruhe. Anwohner bekämpfen es weiter.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Die Bar au Lac am Egelsee im Berner Schosshaldenquartier sorgt seit rund vier Jahren für Schlagzeilen: Damals berichtete die Quartierzeitung «Quavier» von den Plänen der hippen Sattler-Bar in der Länggasse, am Egelsee eine Dépendence einzurichten. Die Stadt zeigte sich interessiert, und 2017 bewilligte Regierungsstatthalter Christoph Lerch eine dreimonatige Zwischennutzung in einer Werkstatt des inzwischen geschlossenen ehemaligen Entsorgungshofs. Die Kaffeebar bewilligte er offiziell als «Festwirtschaft».

Während viele Anwohner dem Projekt von Beginn weg freundlich gesinnt waren, regte sich auch Opposition: Nachbarn, die Licht und Lärmimmissionen befürchteten und die Naturidylle am Egelsee bedroht sehen, klagten und erhielten vom Kanton recht. Für den Betrieb eines solchen Lokals müsse ein reguläres Baubewilligungsverfahren durchlaufen werden. Dies taten die Betreiber in der Folge auch. Gegen das Gesuch ging aber von Anwohnern erneut eine Einsprache ein. Der Jahrhundertsommer 2018 ging in der Folge ohne Bar au Lac über die Bühne.

Kritik an Fait accompli

Seit gestern ist klar, dass dieses Szenario auch im Sommer 2019 Wirklichkeit werden könnte: Zwar hat Regierungsstatthalter Lerch im Februar eine Ausnahmebewilligung mit strengen Auflagen erteilt und den Betrieb einer Kaffeebar mit Aussenbewirtschaftungsplätzen für fünf Jahre bewilligt. Der Widerstand der in der IG Egelsee organisierten Anwohner ist indessen ungebrochen: Gestern kündigte die IG an, Lerchs Entscheid erneut anzufechten. Sie stellt die Zonenkonformität eines kommerziellen Gastgewerbebetriebes infrage und kritisiert, der Entscheid des Statthalters fusse auf einer geplanten Zonenplanänderung, über die das Volk erst im Jahr 2020 abstimmen werde. Mit dem Gesamtbauentscheid würden die Stimmberechtigten vor vollendete Tatsachen gestellt.

Mit der Beschwerde der IG ist offen, ob die Bar au Lac heuer ihre Türen noch öffnen wird. Wenn sie alle Rechtsmittel ausschöpft, könnte die IG die Eröffnung zumindest empfindlich verzögern. Ihre hartnäckige Opposition gegen die Bar sorgt bei einem Teil der Bevölkerung im Quartier inzwischen für Unwillen: Darauf schliessen lassen wiederholte Leserzuschriften an den «Bund» in den letzten Monaten, aber auch das Urteil von Vanessa Kaeser vom Verein am See: Dieser war 2015 von der Stadt im Rahmen eines Partizipationsverfahrens mit der Zwischennutzung des Entsorgungshofs beauftragt worden.

Zur Zwischennutzung gehören neben der durch juristisches Sperrfeuer verhinderten Bar auch Anlässe wie Lesungen, Konzerte und Nachbarschafts- oder Umwelttage. Diese Veranstaltungen seien im Quartier sehr beliebt, sagt Kaeser. Der «juristische und mediale Aktivismus» der «sogenannten IG Egelsee» erwecke demgegenüber «den Anschein, dass ein grosser Teil der Anwohner die Bar au Lac verhindern will». Dabei handle es sich bei der IG «im Wesentlichen um zwei Anwohnerinnen», die ihre persönlichen Interessen verträten.

Auf der Website der IG Egelsee gibt es keine Hinweise zu ihrer Mitgliederzahl. Anwohnerin Ulla Steiner, die als Kontaktperson aufgeführt ist, sagt auf Anfrage, die IG habe «mehrere Mitglieder». Weiter wollte sie keine Stellung nehmen.

Das Rechtsamt der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) wird voraussichtlich als Nächstes über einen Antrag der Stadt Bern entscheiden, den kommerziellen Gastgewerbebetrieb im Sinne einer vorsorglichen Massnahme zu gestatten und einer allfälligen Beschwerde gegen diese vorsorgliche Massnahme die aufschiebende Wirkung zu entziehen. Einen Entzug der aufschiebenden Wirkung könnte die IG Egelsee allerdings ans Verwaltungsgericht weiterziehen. Offen ist, wann mit einem materiellen Entscheid der BVE über die Beschwerden zu rechnen ist.

Stadt will Take-away

Entscheiden wird die BVE nicht nur über die Beschwerde der IG, sondern auch über eine solche der Stadt Bern. Stadtgrün Bern als Gesuchstellerin für die Umnutzung ist nämlich mit Lerchs Entscheid nicht zufrieden. Laut der Beschwerde, deren Inhalt dem «Bund» vorliegt, will die Behörde erreichen, dass der Gastgewerbebetrieb als zonenkonforme Nutzung beurteilt und die Bewilligung nicht auf fünf Jahre beschränkt wird. Zudem fordert die städtische Behörde, dass die Auflage des Regierungsstatthalteramts, welche der Bar au Lac einen Take-Away-Betrieb verbietet, gestrichen wird.

Bei der Sattler-Bar gibt man sich derweil gelassen: «Wir haben ja inzwischen Erfahrungen, was Beschwerden anbetrifft», sagt Co-Geschäftsleiterin Silvia Peter auf Anfrage. Sobald ein rechtskräftiger Entscheid vorliege, sei man «bereit, innert vier bis sechs Wochen mit dem Betrieb zu beginnen». Offen lassen die Sattler-Wirte, ob sie mit der Bar au Lac auch starten würden, wenn es beim Take-away-Verbot bliebe. «Klar ist, dass es das Verbot nicht erleichtert, die Bar zumindest selbsttragend zu betreiben», sagt Peter.

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