Zum Hauptinhalt springen

Können Siege eigentlich gestohlen werden?

Ist es möglich, jemandem den Sieg zu ergaunern? Die Ask-Force forscht nach.

Vielen ist dies nicht bekannt, doch die Regeln für internationale Fussballspiele sind in einem Dokument definiert, das satte 132 Seiten zählt. Trotz dieses Vorschriftenfaibles ist der heutige Fragesteller S.W. auf eine Angelegenheit gestossen, die sich mit dem üppigen Regelwerk in keinster Weise beantworten lässt. Es ist Anfang Oktober, und die Schweiz unterliegt Dänemark mit 0:1. SRF-Kommentator Sascha Ruefer kommt dabei zum Fazit, dass die Dänen den Sieg nicht gestohlen haben. Nun stellt S.W. die Frage in den Raum, ob es denn überhaupt möglich sei, einen Sieg zu stehlen – und falls diese Möglichkeit bestehe, wo dieser aufbewahrt werde.

Das ist eine sehr berechtigte Frage. Denn um sich etwas unrechtmässig aneignen zu können, muss dieses in physischer Form fassbar sein. Diese allgemeine Voraussetzung des Stehlens ist in diesem Fall jedoch nicht erfüllt. Denn der Sieg an sich ist bloss ein beschreibendes Wort für einen abgeschlossenen Erfolg. Jedoch ist ein Sieg gerade im Sport oft mit einer dinglichen Belohnung verknüpft. Deswegen kann es für Gauner durchaus einträglich sein, ihren Fokus auf Sieger zu richten. Denn Dinge wie Preisgelder, Medaillen oder Pokale können durchaus geraubt werden.

Dabei sei jedoch angefügt, dass der Wert von Symbolen des Sieges sehr unterschiedlich sein kann. Wem es beispielsweise gelingt, die Wimbledon-Trophäe zu erbeuten, wird damit durch zwielichtige Distributionswege gutes Geld verdienen können. Wer sich hingegen eine Siegermedaille des traditionellen Faustball-Turniers in der Turnhalle der Sekundarschule Rüeggisberg ergattern kann, wird dafür wohl kaum eine dringliche Nachfrage finden können.

Etwas anders verhält es sich in der Politik. Auch da kann gesiegt werden. Zum Beispiel bei Wahlen. Jedoch ist es äusserst unüblich, dass Wahlsieger mit Pokalen oder Medaillen ausgezeichnet werden. Als Anerkennung für den erreichten Erfolg werden ihnen Ämter anvertraut. Diese zu stehlen, ist eine ebenso schwierige wie heikle Angelegenheit. Denn wer Ämter von staatstragender Funktion illegal übernimmt, könnte in Verdacht geraten, ein Putschist zu sein.

Und dann gibt es noch den Sieg, den auch die talentiertesten Meisterdiebe nicht zu stehlen wissen: nämlich den moralischen Sieg.

Diebesgut und weitere Fragen sind erbeten an: askforce@derbund.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch