Keine Kippen, wo Kinder sind

Ein Vorstoss im bernischen Grossen Rat fordert rauchfreie Spielplätze und Schulareale. Nicht alle halten das für eine gute Idee.

Eine Frau hält eine Zigarette auf einem Spielplatz.

Eine Frau hält eine Zigarette auf einem Spielplatz.

(Bild: dpa)

Noah Fend@noahfend

Raucherinnen und Raucher haben im öffentlichen Raum einen zunehmend schweren Stand. Erst der ÖV, dann die Restaurants, nun die Bahnhöfe. Im Kanton Bern könnten bald auch öffentliche Spiel- und Pausenplätze zum Sperrgebiet für Paffende werden. Das fordert zumindest eine überparteiliche Motion, die im bernischen Grossen Rat eingereicht worden ist.

Das Problem, finden die unterzeichnenden Grossrätinnen und Grossräte, sei nicht nur, dass Kinder auf Spiel- und Pausenplätzen dem Passivrauchen ausgesetzt sind. «Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass auf Spielplätzen immer wieder viele Zigarettenstummeln liegen», sagt Sarah Gabi Schönenberger (SP), aus deren Feder die Motion stammt. Kleine Kinder würden diese zum Teil in den Mund nehmen. «Das ist hoch giftig.»

Haas gegen weitere Regeln

Der Vorstoss scheint breit abgestützt. Vertreterinnen und Vertreter aus allen Parteien haben mitunterzeichnet. Trotzdem: Unumstritten ist die Idee, das Rauchverbot auf Spiel- und Pausenplätze auszuweiten, nicht. Adrian Haas, FDP-Fraktionschef im Grossen Rat, etwa findet, das ginge zu weit. «Ich habe noch nie gehört, dass Rauchen auf Spielplätzen überhaupt ein Problem wäre.» Im öffentlichen Raum, so Haas, brauche es keine zusätzlichen Regeln. «Es muss den Leuten selbst überlassen sein, ob sie da rauchen wollen oder nicht.»

Haas befürchtet, eine kantonale Regelung könnte Tür und Tor öffnen für weitere Verbote. «Warum Rauchen auf öffentlichen Spielplätzen im Freien verbieten und zu Hause auf dem Balkon nicht? Da sind auch Kinder», sagt er rhetorisch.

Das Problem, so Gabi, seien jedoch nicht primär rauchende Eltern, sondern Jugendliche und Berufstätige, die die Plätze abends oder über den Mittag nutzen und Zigaretten liegen lassen. Auf Haas’ Kritik sagt sie, es sei «absurd», Raucherplätze zu schützen, aber Kinder nicht. «Kinder sind die Empfindlichsten und Schwächsten in der Gesellschaft.»

Ein weiteres Argument, das Haas ins Feld führt, ist die Umsetzung. Er findet ausserdem: «Es gibt im Kanton Bern Littering-Bussen, die das Wegwerfen von Zigarettenstummeln bereits sanktionieren.»

Die Idee der Motionäre ist es, die neuen rauchfreien Zonen in das bestehende kantonale Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen zu integrieren. An vielen Orten, sagt Gabi, seien etwa Pausenplätze bereits rauchfrei, jedoch ohne gesetzliche Grundlage.

Ob die neue Regelung für die Gemeinden überhaupt bindend wäre, ist unklar. EVP-Grossrat und Präventionsspezialist Ruedi Löffel glaubt aber, dass es trotzdem eine Wirkung entfalten würde: «Absichtserklärungen und Standpunkte des Kantons sind wichtig, um die Gemeinden mit Leitplanken zu unterstützen.»

Allerdings, allzu viel Gewicht will Löffel dem Vorstoss nicht beimessen. Er unterstütze zwar das Anliegen, sagt er, der seit Jahren für Nichtraucher-Gesetze kämpft, doch sei er zurückhaltend geworden mit weiteren Forderungen: «Wir haben schon viel erreicht, heute ist Nichtrauchen die Norm, und darüber darf man sich auch freuen.»

Andernorts gibt es Gesetze

Ein Rauchverbot auf Spielplätzen wäre kein schweizweites Novum. Chur war 2008 die erste Stadt, die Raucherinnen und Raucher von öffentlichen Spielplätzen verbannte. Lugano und Dietikon folgten kurz darauf. Auch im Kanton Baselland gibt es bereits Gemeinden, die auf Spielplätzen das Rauchen verbieten. Im Kanton Aargau ist in der Strategie zur Tabakprävention festgehalten, dass öffentliche Kinderspielplätze in Gemeinden und bei grösseren Überbauungen rauchfrei sein müssen. Bisher ist das zwar erst an sechs Orten auch umgesetzt. Spielplätze rauchfrei zu machen, scheint aber im schweizweiten Trend zu liegen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt