Kapitalismus auf der Schützenmatte

Eine Ausstellung auf der Schützenmatte setzt sich mit dem System des Kapitalismus auseinander. Vorbild ist das Museum des Kapitalismus in Berlin.

Auf der Schützenmatte zeigt eine Gruppe junger Leute aus dem Umfeld der Reitschule eine Ausstellung zum Thema Kapitalismus.

Auf der Schützenmatte zeigt eine Gruppe junger Leute aus dem Umfeld der Reitschule eine Ausstellung zum Thema Kapitalismus.

(Bild: nj)

Naomi Jones

Der Kapitalismus gehört ins Museum. Das ist die Hauptbotschaft der Ausstellung zum Thema auf der Berner Schützenmatte. Eine praktikable Alternative zum aktuellen System zeigen die Ausstellungsmacher und -macherinnen aber nicht. «Wir haben keine Lösung, wie ein anderes System aussehen müsste», sagt Maria Altwegg. Sie ist eine der neun jungen Frauen und Männer, die die Ausstellung realisiert haben und noch bis am 2. November zeigen.

Die Gruppe aus dem Umfeld der Reitschule tat dies ehrenamtlich. Ganz ohne Geld ging es doch nicht. Um die Ausstellung zu realisieren, sammelte sie per Crowdfunding fast 4500 Franken. Nun ist der Eintritt frei. «Wer will, kann aber etwas in die Kollekte legen», erklärt Maria Altwegg.

Auswirkung auf den Alltag erfahren

Trotz des einseitig kritischen Zugangs zum Thema – «Positive Aspekte des Kapitalismus zeigen wir in der Ausstellung nicht» – ist die Ausstellung sehenswert. Die Themen sind sachlich aufbereitet. Sie zeigen die Probleme des Systems auf, ohne anzuklagen. In sechs Bereichen können sich die Besucher und Besucherinnen interaktiv mit dem Kapitalismus und seiner Auswirkung auf das eigene Leben auseinandersetzen.

Sie erfahren, wie das Vermögen in der Schweiz verteilt ist, machen sich Gedanken darüber, wofür sie ihre Zeit einsetzen und was allen zugänglich sein sollte. An einer Pinwand können sie die Sorgen deponieren, die ihnen das kapitalistische System im Alltag bereitet. Animationsfilme erklären die Theorie einfach und anschaulich. So ist die ganze Ausstellung sehr lebensnah gestaltet.

Auf Bern adaptiert

Die Berner Ausstellung orientiert sich am Museum des Kapitalismus in Berlin. Sie enthält sowohl Exponate als auch Texte aus Berlin. Diese haben die Ausstellungsmacher und -macherinnen jedoch auf die Berner Verhältnisse angepasst. Insbesondere für den Bereich Stadt und Kapitalismus haben sie die lokalen Verhältnisse recherchiert und durch eigene Exponate wie zum Beispiel Interviews mit randständigen Personen ergänzt.

In diesem Bereich zeigt sich allerdings auch die Schwachstelle der Ausstellung. Der Mechanismus der Gentrifizierung wird zwar richtig dargestellt. Doch hätte sich hier etwas Selbstkritik angeboten. Die Zwischennutzung auf der Schützenmatte ist Teil einer Aufwertungsstrategie, die auf längere Sicht vermutlich zur Gentrifizierung des Gebiets um die Schützenmatte führen wird. Das temporäre Berner Museum des Kapitalismus trägt somit selber zur Gentrifizierung bei. Und dieses Dilemma zeigt, wie komplex die Sache ist. Die Ausstellung bleibt eine Antwort schuldig.

Allerdings wollen die Ausstellungsmacherinnen und -macher gar keine Antworten geben, sondern Fragen aufwerfen. «Wir wollen vor allem zum Diskutieren anregen», sagt Altwegg. Und das gelingt ihnen.

Öffnungszeiten und mehr Information: www.mdk-bern.ch

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