Zum Glück gibt es die Kesb

Dass die Kesb mitunter falsch entscheiden, ist in der Extremzone, in der sich diese Behörden bewegen, nicht verwunderlich. Zu leicht geht aber vergessen, wie es früher mit den Laienbehörden war: Man schaute sehr häufig weg.

Die Kesb nahmen Anfang 2013 ihr Arbeit auf.

Die Kesb nahmen Anfang 2013 ihr Arbeit auf. Bild: Adrian Moser

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Wie gut die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden im Kanton Bern arbeiten, wird bald eine offizieller Bericht zeigen. Bei Eltern, die auf Beschluss der Kesb ihr Kind weggeben mussten, oder bei alten Menschen, die gegen ihren Willen ins Altersheim gebracht wurden, dürfte der voraussichtlich positive Bericht nur neuen Zorn auslösen.

Die Kesb arbeiten in einer Extremzone. Sie greifen in das Private ein, dringen in Wohnungen vor, holen Familiengeheimnisse aus dem Dunkeln. Sie fällen Entscheide, die das Leben von Menschen verändern. Für einige sind diese Entscheide traumatisierend.

Zum Glück tun die Kesb, was sie tun. Zu leicht geht vergessen, wie es früher war, vor dem Wechsel zum offensiven System mit Gefährdungsmeldungen und Profiteams anstelle von Laienbehörden: Man schaute sehr häufig weg. Manchmal so lange, bis sich ein Drama ereignete: ein Unfall, eine Gewalttat, ein Suizid.

Daneben gab es all die stillen Dramen, die auf ihre Weise Leben kaputt machten. Kindern und Jugendlichen, die zu Hause jahrelang Schlimmes erlebt hatten, fehlte später als Erwachsene der Boden unter den Füssen. Heute wird das Kind geschützt. Früher wurde im Zweifelsfall die von den Eltern gepflegte Fassade gestützt. Aus falschem Respekt vor der persönlichen Freiheit.

Selbst vermeintliche Kesb-Opfer sehen es später manchmal anders. Was sie zuerst als Schikane erleben, empfinden sie im Rückblick häufig als Segen. Psychisch Gebeutelte oder Verwahrloste fassen dank aufgezwungener Hilfe wieder Tritt. Alte Menschen leben im verbesserten Umfeld förmlich auf.

Den nächsten schlagenzeilenträchtigen Fall wird es geben. Doch das, was Kesb-Gegner als «Skandal» bezeichnen, ist es häufig nicht. Manchmal haben die Kritiker aber auch recht. Dass die Kesb mitunter falsch entscheiden, ist in der Extremzone, in der sich diese Behörden bewegen, nicht verwunderlich. (Der Bund)

Erstellt: 19.08.2017, 08:45 Uhr

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