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Ypsomed prüft, 50 bis 100 Stellen nach Solothurn zu verschieben

Bern sei mit dem Steuerentscheid vom Sonntag für Investitionen nicht mehr attraktiv, findet Ypsomed-Chef Simon Michel.

Ypsomed-Chef Simon Michel spart nicht mit Kritik.
Ypsomed-Chef Simon Michel spart nicht mit Kritik.
Valérie Chételat

Das Burgdorfer Unternehmen Ypsomed prüfe die Verschiebung der ersten 50 bis 100 Arbeitsplätze vom Kanton Bern in den Kanton Solothurn. Das kündigte Geschäftsführer Simon Michel gestern an, als klar wurde, dass im Kanton Bern die Unternehmenssteuern nicht sinken werden.

Es sei logisch, dass er dort investiere, dort ausbaue, wo die Kosten niedriger seien, sagte Michel dem «Bund». Und ein wesentlicher Kostenfaktor seien die Steuern. Wenn Ypsomed an den Standorten in Solothurn ausbaue statt in Bern, spare das Unternehmen einen einstelligen Millionenbetrag – vorausgesetzt, die nationale Steuervorlage 17 werde angenommen. Geld dazu, in Forschungs- und Entwicklungsstellen zu investieren.

Jürg Bucher, Verwaltungsratspräsident der Valiant und Kenner der Schweizer Wirtschaft, bedauert, dass genau das an der Urne offenbar vergessen ging. Dass nämlich Unternehmen nicht primär über ihre Steuern zum Wohlstand beitragen, sondern über die Arbeitsplätze, die sie schaffen. Für ihn hat der Entscheid gefährlichen Symbolcharakter. «Bern hat ein schlechtes Signal an die Wirtschaft und an die Schweiz gesendet. Wir sagen damit: Bern ist nicht interessiert an Unternehmen, die prosperieren und Arbeitsplätze schaffen.»

«Kurzsichtiger Entscheid»

Welche Bereiche Ypsomed nach Solothurn verschieben könnte, sagte Michel gestern nicht. Vor einem Jahr meinte er gegenüber dem «Bund», es sei möglich, Funktionen wie globale IT, Logistik und Einkauf in Büroräume in Solothurn zu verschieben.

Michel sparte gestern nicht mit Kritik. Einerseits Richtung links: Die SP und die Grünen machten es den Arbeitgebern im Kanton nicht leicht. Mit ihrer «destruktiven Politik» würden sie Investitionen im Kanton verunmöglichen. Andererseits Richtung Regierungsrat: Ihm missfalle die Salamitaktik der Verantwortlichen, so Michel: zuerst eine kantonale Steuergesetzrevision, dann die nationale Steuervorlage 17, und das alles nach der schlecht kommunizierten Unternehmenssteuerreform III.

So konkret wie Ypsomed legte sonst kein Unternehmen offen, wie es nun reagieren wird. Für Bucher ist das nachvollziehbar: «Kein Unternehmen bestimmt kurzfristig, wo es seine Standorte hat. Das sind immer mittelfristige Entscheide.» In ein, zwei Jahren würden die heutigen Sieger frohlocken, es sei ja keine Abwanderung von Unternehmen festzustellen. Und wahrscheinlich hätten sie damit sogar recht. Doch erstens würden sie jene Unternehmen vergessen, die bei einem Ja möglicherweise in den Kanton Bern gezogen wären. Und zweitens müsse man für ein Fazit zu Abwanderungen länger zuwarten. Bucher hält den Entscheid für sehr kurzsichtig.

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