Wohin, wenn der Herbst ins Freie lockt?

Das Wetter ist in den nächsten Tagen prächtig. Für Wandernde ist diese Ausgangslage nicht ohne Risiko: An manchen Orten droht Dichtestress. Es gibt aber immer Alternativen.


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nenn mir, ohne zu überlegen, ein Werkzeug und eine Blume. Oder ein Ausflugsziel im Berner Oberland. Die Antworten sind vorhersehbar: Ein grosser Teil der Befragten wird mit Hammer und Rose antworten – und mit Niesen, Stockhorn, Schilthorn oder Oeschinensee.

Das Problem liegt auf der Hand – gerade bei so schönem Wetter, wie es derzeit herrscht: Wer ein bekanntes Ausflugsziel ansteuert, läuft Gefahr, enttäuscht zu werden – weil allzu viele Leute auf die gleiche Idee kommen.

Doch das muss nicht sein. Manchmal lohnt es sich, vom ersten Gedanken Abstand zu nehmen. Angesichts der bevorstehenden Schönwetterperiode will der «Bund» seinen Leserinnen und Lesern hier mit gutem Rat zur Seite stehen – mithilfe einer Handvoll Grossratsmitglieder aus den verschiedenen Ecken des Kantons. Die Frage, die wir stellten, war einfach: Welchen Ausflug empfehlen Sie als mögliche Alternative zu den Topzielen in Ihrer Region?

Berner Jura: Auf weiten Weiden

Was also gibt es anstelle des Chasseral oder des Mont Soleil? Für gemütliche Spaziergänge, die Genuss versprechen und wenig Anstrengung kosten, empfiehlt Francis Daetwyler aus Saint-Imier als Ausgangspunkt das Restaurant Petite Douane. Dieses liegt südlich von Courtelary und ist nur mit dem Auto erreichbar.

Wer von dort nach Westen wandert, wird nicht vielen Leuten begegnen. Die Aussicht nach Norden sei wunderbar, sagt Daetwyler. Als Alternative, die mit dem ÖV gut zu bewältigen ist, schlägt er eine Wanderung von Tramelan nach Cortébert vor. Auch hier liegen verschiedene Gasthäuser am Weg – zum Beispiel La Bise de Corgémont.

Thunersee: Blueme und Planeten

Was kommt anstelle des Niederhorns infrage? Madeleine Amstutz aus Schwanden-Sigriswil erwähnt zuerst die Blueme mit dem Aussichtsturm. Diese Erhebung hat eine Höhe von 1392 Meter über Meer und ist von Heiligenschwendi oder von Schwanden aus erreichbar. Entlang der Wanderwege verläuft der Planetenweg.

Dieser hat zwei Ausgangspunkte – Heiligenschwendi oder die Sternwarte Schwanden. Ambitioniertere Wanderer erreichen von Sigriswil aus den Sigriswilergrat, von dem sie ins Justistal hinabsteigen können. Madeleine Amstutz verrät, was immer mehr Leute bereits wissen: Die Hänge oberhalb des Thunersees sind – gerade im Herbst – eine Wucht.

Frutigen, Adelboden: Hoch hinaus

Welche Ausflugsziele können Erholungssuchende anstelle von Niesen und Oeschinensee anstreben? Martin Egger aus Frutigen nennt die Engstligenalp. Sie ist von Adelboden aus mit einer Luftseilbahn erreichbar. Sie sei «eigentlich immer noch ein Geheimtipp», sagt Egger. Von leichten Rundwanderungen auf der weitläufigen Ebene unterhalb des Wildstrubels bis zu anspruchsvollen Wanderungen, die bis an die Lenk hinüber oder zum Gemmipass führen, gebe es alles. Diese Routen dürften zurzeit allerdings teilweise bereits mit Schnee bedeckt sein.

Zweisimmen: Lauschiges Seeli

Welche Alternativen gibt es zu Rinderberg oder Seebergsee? Grossrätin Anne Speiser-Niess empfiehlt, den Blick nach Westen zu richten, aufs Sparenmoos, das mit dem Bus erreichbar ist. Das sonnige Hochplateau sei Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Eine hebt Speiser hervor: Sie führt rund vier Kilometer weiter nach Westen Richtung Hundsrügg zur Alp Erbetlaub und von dort auf den Grat hinauf; der Anstieg beträgt insgesamt knapp 400 Meter. Dort oben befinde sich ein wunderbares kleines Seelein. Und die Aussicht sei «immer wieder gewaltig», sagt Speiser.

Ausserdem, sagt sie, sei das Sparenmoos ein gutes Pilzgebiet. Es ist ein Zufall: Der Wandertipp der Oberländer Grossrätin führt genau an jenen Ort hin, wo illegal ein Alphüttli erstellt wurde – ein «Alppfleger-Häuschen».

Schwarzenburg: Aufs Hörnli

Wohin kann man seine Schritte lenken, wenn nicht auf den Gurnigel? Sarah Gabi Schönenberger aus Schwarzenburg empfiehlt ein Ausflugsziel, das auch nicht gerade unbekannt ist: das Guggershörnli. Dieses ist von Guggisberg – dorthin gelangt man mit dem Bus – leicht erreichbar.

Die Sicht nach allen Seiten sei fantastisch, sagt die Grossrätin. Aus der Sicht von Familien sei der Spielplatz beim Restaurant Sternen ein Pluspunkt. Die Mutter von drei Kindern hat einen weiteren Tipp auf Lager: die Sense. Anders als im Sommer finde man in dieser Jahreszeit überall schöne Plätzchen. Allerdings komme man nicht umhin, den Sonnenstand zu berücksichtigen. Im Sensegraben unten sitze man sonst relativ bald im Schatten.

Biel: Das Ziel bleibt Twann

Was gibt es anstelle von Magglingen? Wenn er die Sonne geniessen wolle, nehme er trotz allem die Seilbahn hinauf nach Magglingen, sagt Philippe Messerli aus Nidau. Von dort spaziert er dann zum Restaurant Hohmatt. «Meistens reicht dies, um dem Nebel zu entgehen.» Je nach Lust und Laune könne der Spaziergang in eine leichte Wanderung übergehen, die schliesslich über den Twannberg nach Twann führe. Aus seiner Sicht halte sich der Andrang an diesem Ort – gerade im Herbst – in Grenzen, sagt Messerli.

Eine Alternative wäre diese: die Wanderung von Les Prés-d’Orvin (mit Bus erreichbar) auf den Mont Sujet und von dort hinab auf die Ebene von Diesse. Durch die Twannschlucht führt der Weg nach Twann, das gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen ist. Sollte nicht gleich ein Zug fahren, ist das kein Problem. In Twann gebe es Restaurants, in die es sich einzukehren lohne, sagt Philippe Messerli und schwärmt von feinen Fischtellern. (Der Bund)

Erstellt: 12.10.2017, 06:33 Uhr

Artikel zum Thema

Bolligen will einen Wanderweg wegen der Kosten aufheben

In Bolligen ist ein Wanderweg wegen Unwetterschäden gesperrt. Man will den Weg wegen zu hohen Instandsetzungskosten ganz aufheben. Mehr...

Bleibt der Sommer bis im November?

Ganz Bern redet über den Altweibersommer. Dank unseren Erklärungen können Sie im Wetter-Smalltalk brillieren. Mehr...

«So etwas habe ich selten gesehen»

Interview Der Felssturz am Gelmersee auf einen Wanderweg habe sich nicht voraussehen lassen, sagt Ueli Gruner. Der Geologe überwacht das Gebiet im Auftrag der Kraftwerke Oberhasli regelmässig. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Nichts für Tierliebhaber: Fuchspelze werden von einem Arbeiter auf dem chinesischen Chongfu Pelzmarkt verarbeitet (14. Dezember 2017).
(Bild: William Hong) Mehr...