«Wo ein Kran steht, stehen bald 100»

Ein Schwerpunkt des Berner Stadtentwicklungskonzepts ist «dynamisches Wachstum». Für Stadtpräsident Tschäppät hat der Wohnungsbau Priorität.

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(Bild: Franziska Scheidegger (Archiv))

Adrian Müller@mueller_adrian

Herr Tschäppät, in Bern-West sollen in den nächsten 15 Jahren neue Überbauungen auf der grünen Wiese enstehen. Wo genau?
Der Westen Berns hat ein grosses Potenzial, direkt am Siedlungsrand erweitert zu werden. Ich denke hier etwa an Brünnen oder das Areal im Bereich der Rehag AG weiter südlich. Es wird sicher eine spannende politische Diskussion geben, wo genau neue Siedlungen entstehen.

Die Planung der BLS-Werkstätte hat in Bümpliz einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Wie beurteilen Sie die Chancen, in Bern-West bald neue Siedlungen hochzuziehen?
Zuerst gilt es ganz klar festzuhalten: Das neue Stadtentwicklungskonzept sieht vor, zuerst die innere Verdichtung – etwa im Gebiet Weyermannshaus – voranzutrieben. Erst wenn diese Massnahmen nicht genügend Wachstum bringen oder zu lange dauern, packen wir den Wohnungsbau auf der grünen Wiese in Bern-West an. Denn hier ist eine Realisierung bis 2030 möglich. Dies im Gegensatz zum Osten Berns, wo wir auf den Rückbau und Bypass der Autobahn A6 warten müssen.

Die Stadtplaner sehen weiter auf dem Kasernenareal im Breitenrain Entwicklungspotenzial. Wann geht es an dieser Toplage vorwärts?
Hier ist der Kanton als Eigentümer am Zug. Die mögliche Überbauung muss man eng mit der Bevölkerung planen. Denn an dieser Lage geht man in ein intaktes Quartier. Weiter ist das Kasernenareal hoch denkmalgeschützt. Einen anderen Schwerpunkt sehen wir – neben Viererfeld und Gaswerk-Areal – im Gebiet Weyermannshaus, wo mit dem Bau der Fachhochschule eine neue Dynamik entsteht. Es gilt nun, dieses Gebiet rasch mit den Grundeigentümern SBB, Burgergemeinde und Post zu entwickeln. Die Erfahrung zeigt: Wo ein Kran steht, stehen schon bald 100.

Neue Stadtpärke spielen als «Zückerli» bei der inneren Verdichtung eine wichtige Rolle. Wo nimmt man das Land für die Grünflächen her?
Reserveflächen auf Friedhöfen könnten Parks weichen. In Zukunft muss man über die Grösse der Friedhöfe nachdenken. Der Bremgarten- und Schosshaldenfriedhof eignen sich als Naherhohlungsraum. Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Sie haben das Stadtentwicklungskonzept mitgeprägt. Was ist ihr grösstes Anliegen?
Priorität hat ganz klar der Wohnungsbau, der Wohnungsnotstand muss beseitigt werden. In der unteren Altstadt machen mir aber auch Lädelisterben und Kinoschliessungen grosse Sorgen. Hier spielt der Markt – als Stadt können wir hier nur bedingt eingreifen.

Alexander Tschäppät ist Stadtpräsident von Bern.

DerBund.ch/Newsnet

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