«Wir sind oft nicht mehrheitsfähig»

Der 45-jährige Nationalrat Jürg Grossen wird für die Grünliberale Partei für den Ständerat kandidieren. 
Erst vor drei Jahren wurde er in den Nationalrat gewählt.

Jürg Grossen möchte künftig im Stöckli politisieren.

Jürg Grossen möchte künftig im Stöckli politisieren.

(Bild: Adrian Moser)

Basil Weingartner@bwg_bern

Jürg Grossen, bis 2010 waren Sie ein einfaches Mitglied einer Frutiger Gemeindekommission. Drei Jahre nach der überraschenden Wahl in den Nationalrat sind Sie nun bereits Ständerats­kandidat der Berner GLP. Eine Blitzkarriere. Das kann man so sehen. Ich brachte aber bereits Erfahrung aus meiner Tätigkeit als Unternehmer mit. In den drei Jahren in Bundesbern habe ich zudem sehr viel ­gelernt. Ich fühle mich fähig, weiterhin in Bern zu politisieren. In welcher Kammer, das soll das Volk entscheiden.

Da die beiden bisherigen Ständeräte Hans Stöckli (SP) und Werner Luginbühl (BDP) wieder antreten, müssen Sie dies wohl im Nationalrat tun. Es ist ein hohes Ziel, das wir uns mit der Ständeratskandidatur gesteckt haben. Ich rechne mir als einziger Unternehmer unter den Kandidaten aber gute Chancen aus. Als ich für den Nationalrat kandidierte, hatten mir auch nur ganz wenige den Erfolg zugetraut.

Ständeratskandidaturen sorgen stets für mediales Interesse. Letztlich geht es der GLP doch in erster Linie darum, die beiden Berner Sitze im Nationalrat zu verteidigen. Wir wollen einen Sitz dazugewinnen.

Auch dies ist ein ehrgeiziges Ziel. Dem Kanton Bern steht künftig ein Nationalratssitz weniger zu; Ihr eigener Sitz beruht auf einem Restmandat Ihrer Listenverbindung. Ich erachte einen Sitzgewinn gleichwohl als realistisch. Dies auch, da wir neu mit der Unternehmer- und der Jungliste unser Wählerpotenzial besser ausschöpfen werden.

Mitte der Legislatur schrieb der «Bund», manch ein Politologe frage sich, was Sie im Nationalrat überhaupt gemacht hätten. Obwohl Sie im vergangenen Jahr vermehrt öffentlich aufgetreten sind, gelten Sie noch immer als stiller Schaffer. Als Quereinsteiger brauchte ich eine gewisse Einarbeitungszeit. In den vergangenen zwei Jahren habe ich mich aber sowohl im Rat wie auch in den Kommissionen stark eingebracht. Zudem habe ich im Hintergrund hart gearbeitet und dadurch viel erreicht.

Ein konkretes Beispiel? Im Rahmen der Energiedebatte ist es mir gelungen, Einzelanträge für den einfacheren Eigengebrauch von Fotovoltaikstrom und effizienten Stromnetzen durchzu­bringen.

Sie melden sich vor allem bei 
Umweltthemen zu Wort. In der grün­liberalen Fraktion scheint dagegen das «Liberale» tendenziell mehr Gewicht zu haben als das «Grüne». Mir sind grüne Themen sowohl in der Verkehrs- wie auch in der Energiepolitik sehr wichtig. In vielen Bereichen hat die GLP aber eine liberale Haltung. Ich finde, es ist uns gelungen, dabei das Gleichgewicht zu halten.

Ihre Nationalratskollegin Kathrin Bertschy sagt, die GLP befinde sich sowohl bei gesellschafts- wie auch bei wirtschaftspolitischen Geschäften häufig auf der Verliererseite. Sind die Argumente der GLP zu wenig überzeugend? Wir sind tatsächlich oft nicht mehrheitsfähig.

Woran liegt das? An der Konstellation im Parlament. Aber auch an der Tatsache, dass wir als kleine Partei noch zu wenig Ressourcen haben, um überparteiliche Netzwerke zu spannen. Diese sind eine Voraussetzung, um Mehrheiten zu beschaffen.

Am 8. März kommt die Energiesteuerinitiative der GLP vors Volk. Die Vorlage wird einen sehr schweren Stand haben. Die Initiative fordert grosse Veränderungen. Deshalb waren wir stets bereit, einem konstruktiven Gegenvorschlag zuzustimmen. Dieser kam aber leider nicht zustande. Deshalb haben wir entschieden, die Initiative nicht zurückzuziehen.

Ein schlechtes Abstimmungsresultat wäre kein guter Start ins Wahljahr. Wir erhoffen uns ein gutes Resultat. Die Zustimmung wird sicher grösser sein als unser Wählerpotenzial.

Der Bund

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