«Wir rechnen damit, dass der Bär weiterzieht»

Im Eriz kann man der Präsenz des Bären auch Positives abgewinnen. Im Übrigen hält man die Aufregung um das Grossraubtier für übertrieben.

Das Beweisbild: Der Bär im Gebiet Grünenbergpass, gesichtet am Freitag.

Das Beweisbild: Der Bär im Gebiet Grünenbergpass, gesichtet am Freitag. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Bär sorgt in der Gemeinde Eriz für viel Aufregung. «Das Interesse ist ein bisschen übertrieben», sagt Gemeindepräsident Daniel Jost. Vor wenigen Tagen wurde in der Gemeinde zwischen dem Emmental und dem Berner Oberland ein Bär in der Nähe des Grünenbergpasses gesichtet, wie das Jagdinspektorat am Montag mitteilte. Erstmals seit der Ausrottung des Bären vor 194 Jahren hat damit wieder ein frei lebendes Exemplar der Grossraubtiere den Kanton Bern betreten. Vielleicht sei dies so speziell, weil der Kanton das Tier im Wappen trage, sagt Jost. Andere Kantone wie Graubünden oder Uri haben bereits mehr Erfahrung mit dem Bären.

Unverhoffte Werbung fürs Tal

Einen gewissen Stolz darüber, dass der Bär in ihrer Gemeinde aufgetaucht ist, können die Erizerinnen und Erizer aber nicht verbergen. «Der Bär weiss eben, welches die schönste Gemeinde ist», sagt Katharina Mian, Präsidentin von Eriztal Tourismus. Durchaus Positives kann auch Jost dem grossen Interesse abgewinnen. «Den Namen Eriz hat man nun schweizweit gehört», sagt er. Bestimmt würden viele Leute nachschauen, wo dieser Ort liege, und vielleicht sogar die nächste Wanderung dort planen.

Was ist, wenn der Bär bleibt?

Doch wie würde man sich im Eriz mit dem Bär arrangieren, sollte er sich längere Zeit in der Gegend aufhalten? Das wäre schwieriger, sagt Jost. «Wir unterscheiden uns diesbezüglich nicht von anderen Orten.» In der Landwirtschaft werde man nicht sehr erfreut über den Bären sein, wobei er das Unbehagen verstehen könne. «Es ist aber nicht nötig, gleich politische Vorstösse in dieser Sache einzureichen», sagt Jost. Der Bär sei geschützt und es gebe ein Konzept des Bundes zum Umgang mit dem Tier. Daran werde man sich orientieren. Im Bereich Landwirtschaft nennt das Konzept Bär Misthaufen, Bienenstöcke, Obstgärten oder Kleintierställe, die es als mögliche Nahrungsquellen zu schützen gelte. Zudem sind Herdenschutzmassnahmen vorgesehen.

Auch im Tourismus wären allenfalls Anpassungen notwendig. Bei Bedarf würde man die Leute über das richtige Verhalten informieren, sagt Tourismuspräsidentin Mian. Die Zahl der Abfallkübel bei Brätlistellen etwa sei aber überschaubar. «Wenn ein Bär darin herumwühlen würde, würden wir uns sicher Gedanken machen», sagt sie. Sie kann sich aber kaum vorstellen, dass Wanderer nun an jeder Ecke einen Bären antreffen werden. Ideale Lebensgebiete wie die Karrenfelder auf den Sieben Hengsten seien nicht mit öffentlichen Wanderwegen erschlossen, sagt Mian.

Jagdinspektor wartet ab

Beim Kanton sieht man zurzeit keinen Anlass, spezielle Präventionsmassnahmen zu ergreifen. «Fürs Erste geht es darum, allfällige weitere Sichtungen oder Spuren des Bären abzuwarten», sagt Jagdinspektor Niklaus Blatter. Er geht nicht davon aus, dass das männliche Jungtier länger im Gebiet Eriz bleiben wird. «Aufgrund des bisherigen Verhaltens rechnen wir damit, dass der Bär weiterzieht.» Er sei diesbezüglich mit den Jagdinspektoraten der Nachbarkantone in engem Kontakt. Den Vorstoss von Grossrat Samuel Krähenbühl (SVP/Unterlangenegg) mit kritischen Fragen zur Präsenz des Bären hat Blatter noch nicht zur Kenntnis genommen. «Ich kann allfällige Bedenken aber nachvollziehen und nehme sie ernst», sagt Blatter.

Diese zurückhaltende Strategie wurde zuletzt auch im Kanton Uri gewählt. Bei Bürglen und im Urserental wurde letztes Jahr ein Jungtier gesichtet, das mit dem Bären vom Eriz identisch sein könnte. Auch der Urner Bär war jedenfalls unauffällig und menschenscheu, wie der Urner Jagdverwalter Josef Winkler jüngst in der «Südostschweiz» sagte. Daher habe man auf Präventionsmassnahmen verzichtet.

Als schweizweit vorbildlich gilt das Bärenmanagement im bündnerischen Val Müstair, wo der Bär vor zwölf Jahren erstmals wieder in der Schweiz aufgetaucht ist. Das Tal im äussersten Südosten der Schweiz wird regelmässig von Bären aus der Population im benachbarten Trentino besucht. Nach dem Abschuss des «Risikobären» JJ3 im Jahr 2008 wurde im Auftrag des Bundes ein Teilprojekt Grossraubtiere ausgearbeitet. Dabei haben Forscher 2300 potenzielle Nahrungsquellen in Menschennähe identifiziert und entsprechende Massnahmen abgeleitet, sagt Yves Schwyzer, Projektleiter bei Biosfera Val Müstair, auf Anfrage. So wurden Herdenschutzhunde beschafft, die Bevölkerung informiert, Bienenhäuser mit Strom gesichert, Abfallhäuschen und Kompoststellen unzugänglich gemacht sowie bärensichere Mülleimer installiert. «Die Massnahmen haben sich gut bewährt», sagt Schwyzer. (Der Bund)

Erstellt: 31.05.2017, 06:51 Uhr

Artikel zum Thema

Das Wappentier auf Visite im Bernbiet

Im Eriz im Kanton Bern ist ein Bär nachgewiesen worden – zum ersten Mal seit über 190 Jahren. Mehr...

Kurz frottiert: Der Bär im Wolfspelz

Kaum war der Berner Bär entdeckt, da reichte Grossrat Samuel Krähenbühl schon einen Vorstoss zum Thema ein. Nur: Leider verwechselte er dabei das Tier. Mehr...

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

KulturStattBern #BernNotBrooklyn

Zum Runden Leder Caption-Competition: Der Sieger

Werbung

Auswärts essen? Die Gastrokolumne.

Per Mausklick zur Gastrokritik: Wo es der Redaktion am besten mundet, kommen vielleicht auch Sie auf den Geschmack.

Die Welt in Bildern

Dürre: Ein Teich in der Nähe der texanischen Ortschaft Commerce ist vollständig ausgetrocknet. Für die nächsten zehn Tage werden in der Region Temperaturen von mehr als 37.7 Grad erwartet. (16.Juli 2018)
(Bild: Larry W.Smith/EPA) Mehr...