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«Wir müssen besser kontrollieren, ob Eingriffe notwendig waren»

So will der bernische Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg (SVP) die Kosten in den Griff bekommen.

Pierre Alain Schnegg: «Wir müssen die Kosten in den Griff bekommen».
Pierre Alain Schnegg: «Wir müssen die Kosten in den Griff bekommen».

Herr Schnegg, die Krankenkassenprämien steigen einmal mehr. Für viele ist das ein Ärgernis. Die Situation ist tatsächlich nicht befriedigend. Denn es ist einmal mehr eine starke Erhöhung. Ich stelle aber fest, dass wir im Kanton Bern mit einer Steigerung von 3,4 Prozent leicht unter dem Landesdurchschnitt (4 Prozent) liegen. Andere Kantone haben einen Kostenzuwachs von über 5 Prozent. Trotzdem braucht es Massnahmen.

Wie sehen diese aus? Der Bundesrat hat die Ärztetarife gesenkt. Auf kantonaler Ebene arbeiten wir an der neuen Spitalliste.

Wie wirkt diese kostendämpfend? Ein Teil der Kosten ist vom Angebot getrieben. Eine verbesserte Lenkung des Spitalangebots dürfte deshalb positive Effekte auf die Kosten haben. Eine andere Massnahme ist die Verlagerung vom stationären in den ambulanten Bereich.

Einige Kantone haben bereits Eingriffe definiert, die zwingend ambulant durchgeführt werden müssen. Ist das auch für Bern eine Option? Wir bevorzugen eine überkantonale Regelung. Eine solche scheint möglich.

Die Kantone haben ein ureigenes Interesse an der Verlagerung. Bei stationären Leistungen müssen sie 55 Prozent selbst bezahlen, im ambulanten Bereich gar nichts. Stationäre Behandlungen kosten teilweise ein Mehrfaches von ambulanten Eingriffen. Durch die Verlagerung spart der Kanton – aber auch die Krankenkassen.

Wird sich der Kanton künftig an den ambulanten Kosten beteiligen? Nur weil man den Kostenteiler ändert, spart man gar nichts. Wichtig ist es, die Kosten in den Griff zu bekommen. Wenn das gelingt, kann man auch über die Kostenteilung diskutieren. Grundsätzlich müssen endlich alle involvierten Parteien verstehen, dass es nichts bringt, immer mehr Kosten zu generieren.

Spitäler müssen aber gleichzeitig auch Rendite erzielen, weil sie im liberalisierten Markt ihre Bauten selber finanzieren müssen. Können die Spitäler diesen Spagat schaffen? Die Spitäler müssen ihr Angebot an die effektiven Bedürfnisse anpassen. Ein gutes Grundangebot muss flächendeckend zur Verfügung stehen. Doch für spezialisierte Eingriffe kann man noch stärker konzentrieren – und so Kosten sparen.

Ein konkretes Beispiel? Muss man Wirbelsäuleneingriffe wirklich überall machen? Eigentlich würden auch drei, vier Kliniken ausreichen. Auch die viszerale Chirurgie würde mit einigen wenigen Standorten gut auskommen.

Im ersten halben Jahr sind die Kosten im stationären Spitalbereich leicht gesunken. Die Einsparungen wurden durch die Kostensteigerung im ambulanten Spitalbereich aber wieder zunichte gemacht. Uns fehlen gewisse Steuerungsinstrumente. Dass wir die stationären Kosten im Griff haben, ist gut. Nun müssen wir das auch bei den ambulanten Kosten schaffen. Nicht unbedingt durch mehr Regulierung, aber durch besser Kontrolle.

Wie könnten diese aussehen? Man kann etwa prüfen, ob ein Eingriff medizinisch notwendig war. Oder ob er nur durchgeführt wurde, um Umsatz zu generieren. Mancherorts werden zu viele Eingriffe gemacht. Hier können aber auch die Patienten mithelfen – indem sie zum Hausarzt gehen statt in den Spitalnotfall. Das ist medizinisch in aller Regel die beste Lösung – und auch die günstigste.

Der Kostenanstieg war aber auch bei den reinen Ärzteleistungen gross. Diese überholen bald die stationären Spitalkosten als grössten Kostenblock. Wie kann man dort sparen? Die Spezialärzte sind teuer. Auch da gilt: Zuerst soll man zum Hausarzt gehen. Dieser weiss am besten, ob teure Abklärungen nötig sind. Die Patienten zahlen viel und erwarten viel. Aber gleichwohl haben auch sie eine Mitverantwortung.

Die Prämien für die Kinder steigen überdurchschnittlich stark an. Gleichzeitig sinken die Prämienverbilligungen. Selbst konservative Gesundheitsexperten sprechen deshalb von einer Zeitbombe. Wenn die Prämien weitere Jahre ähnlich stark steigen und wir für die Familien keine Lösungen finden, bin ich mit dieser Aussage völlig einverstanden.

Was kann man machen? Wir müssen die Kosten in den Griff bekommen. Man sollte aber auch über die Finanzierung nachdenken.

Was meinen Sie damit? Wenn die Kantone durch die Verlagerung in den ambulanten Bereich entlastet werden, könnte man dafür die Prämienverbilligungen erhöhen. Es darf nicht sein, dass Familien die Prämien nicht mehr bezahlen können.

Die Prämienverbilligungen im Kanton Bern sind sehr bescheiden. Sehen Sie aktuell Handlungsbedarf? Persönlich würde ich höhere Prämienverbilligungen begrüssen. Aber man muss realistisch sein. Wir sind nicht in der Lage, rasch Millionen zur Verfügung zu stellen.

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