Wileroltigen steht für das Dilemma des Kantons

Obwohl der Ärger der Anwohner nachvollziehbar ist, wäre der Standort Wileroltigen ideal.

In Wileroltigen werden Fähnchen für die Demonstration vorbereitet.

In Wileroltigen werden Fähnchen für die Demonstration vorbereitet. Bild: Franziska Rothenbühler

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Die Diskussion über den Platz für ausländische Fahrende in Wileroltigen droht ausser Kontrolle zu geraten. Es ist zwar legitim, wenn sich die Dorfbevölkerung gegen das Projekt wehrt. Sie kennt die Probleme, die Fahrende verursachen, wenn sie illegal Land in der Nähe besetzen. Diesen Sommer war dies einmal mehr der Fall. Aussergewöhnlich ist jedoch, dass jetzt die Sicherheit an einem Informationsanlass, an dem ein Regierungsrat auftreten soll, infrage gestellt ist.

Die Gegner des Platzes waren naiv: Sie glaubten, ihr Anliegen erhalte mehr Gewicht, wenn sie über die sozialen Medien mobilisieren. Verbündete aus «nah und fern», wie es im Flyer heisst, wurden für den Anlass eingeladen. Dadurch wurden aber auch fremdenfeindliche Kreise angezogen, die nur schwer zu kontrollieren sind. Es ist beschämend, was bei Facebook in den letzten Tagen zum Teil geschrieben wurde. Womöglich muss nun die Polizei mit einem Aufgebot wie an einer Demo in der Stadt Bern den Anlass schützen. Ein solcher Einsatz kostete die kleine Gemeinde viel Geld. Für den Kanton ist das Ganze ein Rückschlag bei seiner Suche nach einem Platz für ausländische Fahrende. Der Fall verdeutlicht das Dilemma: Obwohl der Ärger der Anwohner nachvollziehbar ist, wäre der Standort Wileroltigen ideal. Das Gelände liegt abseits des Dorfes an der Autobahn. Zudem käme der Platz günstiger zu stehen als das Projekt in Meinisberg, das wegen der hohen Kosten vom Grossen Rat zurückgewiesen wurde.

Auch wenn die Plätze überall auf Kritik stossen: Der Kanton Bern kommt nicht darum herum, einen solchen zu bauen. Zu lange schiebt man das Problem schon vor sich her. Fahrende sind eine anerkannte Minderheit mit eigener Lebensweise. Entweder kommt es zu einer Machtdemonstration, indem eine kantonale Überbauungsordnung erlassen wird. Oder es gelingt, die Skeptiker doch noch zu überzeugen. Weil ein dauerhafter Platz mit klaren Regeln immer noch besser und allenfalls sogar günstiger ist als die illegalen Landbesetzungen jeden Sommer. (Der Bund)

Erstellt: 05.08.2017, 08:09 Uhr

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