Wieder kriselt es in der Strafanstalt Thorberg

Die Zustände auf dem Thorberg seien «mittelfristig nicht mehr tragbar», sagt der Personalverband.

«Wenn ich die letzten zwei Jahre anschaue, ist es bedenklich, wie viel Schlechtes ich gehört habe», sagt Daniel Wyrsch, Geschäftsführer des Bernischen Staatspersonalverbands.

«Wenn ich die letzten zwei Jahre anschaue, ist es bedenklich, wie viel Schlechtes ich gehört habe», sagt Daniel Wyrsch, Geschäftsführer des Bernischen Staatspersonalverbands.

(Bild: Franziska Scheidegger (Archiv))

Simon Wälti

Direktor Thomas Egger war mit dem Auftrag angetreten, den Strafvollzug auf dem Thorberg in Krauchthal zu reorganisieren. Doch die Reform stiess und stösst auf Widerstand. Bereits 2016 wurde öffentlich Kritik am autoritären Führungsstil laut. Jetzt gibt es erneut Fragen zur Personalführung. In die Diskussion schaltete sich auch der BSPV, der Bernische Staatspersonalverband, ein. Deren Geschäftsführer Daniel Wyrsch sagt: «Die Zustände auf dem Thorberg sind mittelfristig nicht mehr tragbar.»

Es fehle vonseiten der Gefängnisleitung die Wertschätzung für die Angestellten. «Das Vertrauen ist weg. Das Personal hat Angst.» Gegenüber «Schweiz Aktuell» des Schweizer Fernsehens SRF sagte Wyrsch, aus keiner anderen Organisationseinheit des Kantons gebe es so viele negative Rückmeldungen des Personals. «Wenn ich die letzten zwei Jahre anschaue, ist es bedenklich, wie viel Schlechtes ich gehört habe», sagt Wyrsch, der für die SP im Grossen Rat sitzt. Der BSPV vertritt die Interessen von rund 6400 Kantonsangestellten.

Führung «in geordneten Bahnen»

Thema waren die problematischen Zustände auch schon bei der Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates GPK. Im Tätigkeitsbericht 2017 heisst es, ehemalige Mitarbeitende hätten sich an die GPK gewandt und «Vorwürfe gegen den Direktor der Vollzugsanstalt Thorberg bekräftigt». Noch in diesem Jahr soll ein Besuch beim Amt für Justizvollzug erfolgen. Der Fokus dürfte dabei auf dem Thorberg liegen. Vor einem Jahr gab der Kanton Bern Auskunft über das Projekt Betriebsanalyse und Reorganisation Thorberg, das Anfang Juli 2017 formell abgeschlossen wurde.

Die Zahl der Abgänge im Jahr 2016 wurde damals mit 18 auf 119,5 Vollzeitstellen angegeben. Im Zeitraum von Januar bis Juni 2017 gab es weitere 7 Abgänge. Wie viele Mitarbeitende seither gegangen sind, beantwortet das Amt für Justizvollzug nicht. Auch auf Fragen zu Freistellungen und Krankheitsfällen geht das Amt nicht ein. Das Amt schreibt aber: «Die Führung bewegt sich in geordneten Bahnen, und die Sicherheitslage gibt zu keinen Bedenken Anlass.» Auf dem Thorberg sitzen rund 180 Häftlinge ein. Direktor Egger war am Freitag nicht erreichbar.

Auch unter den Häftlingen herrscht eine schlechte Stimmung. Nach einem Häftlingsstreik im letzten Herbst haben die Insassen nun einen sechsseitigen Forderungskatalog an die Direktion gerichtet und drohen mit einem erneuten Streik. Am Montag wollen sie ihren Forderungen – sie verlangen unter anderem eine bessere medizinische Versorgung und eine höhere Arbeitsentschädigung – mit einer Protestaktion Nachdruck verleihen.

Wie hoch sind die Mehrkosten?

Wegen der vielen Abgänge hat BSPV-Geschäftsleiter Wyrsch das Thema Thorberg in der Finanzkommission zur Sprache gebracht. «Ein Grundproblem ist auch, dass die Justizvollzugsanstalten im Kanton Bern zu selbstständig agieren.» Das Amt für Justizvollzug müsse das Controlling verbessern. Durch die hohe Fluktuationsrate entstünden auch beträchtliche Mehrkosten. Der Justizvollzug gehört zur Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern. Deren Vorsteher, Regierungsrat Philippe Müller (FDP), ist erst seit Freitag im Amt.

Der Thorberg macht schon seit Jahren negative Schlagzeilen. Eggers Vorgänger Georges Caccivio musste seinen Posten 2014 wegen der Begünstigung von Häftlingen und Sexkontakten im Drogenmilieu räumen. Eine Untersuchung stellte diverse Mängel fest. Im Bericht hiess es auch, man werde bei der Reorganisation auf «emmentalisches Beharrungsvermögen» stossen. Egger sagte damals beim Stellenantritt, als Oberländer verfüge er ebenfalls über viel Beharrungsvermögen, und: «Ich bin nicht sehr harmoniebedürftig.»

Der Bund

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