Wie Trickdiebe in die Falle tappten

500'000 Franken in einem Unterrock, grosse Versprechungen und ein verdeckter Ermittler im Tresorraum der UBS: In Biel wurde ein besonderer Gerichtsfall verhandelt.

Heisse Luft: Das grosse Geschäft mit der Ballonwerbung war erfunden.

Heisse Luft: Das grosse Geschäft mit der Ballonwerbung war erfunden.

(Bild: Symbolbild: EPA)

Reto Wissmann@RetoWissmann

Manchmal schreibt die Realität Geschichten, die selbst in einem Fernsehkrimi beinahe zu fantastisch erscheinen würden. Eine geht so: Im Sommer 2016 erhielt der Geschäftsführer einer Ballonflugfirma ein verlockendes Angebot. Ein reicher Geschäftsmann wolle auf bis zu 14 Heissluftballonen Werbung platzieren und dafür 1,7 Millionen Franken bezahlen, versprach ihm ein Französisch sprechender Mann am Telefon. In weiteren Gesprächen wurde das Geschäft konkretisiert und eine Vermittlerprovision von einer halben Million Franken vereinbart.

Um auf Nummer sicher zu gehen, wollte der Vermittler das Bargeld zuerst sehen, also wurde ein Treffen in der UBS Biel vereinbart. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Geschäftsführer der Ballonflugfirma allerdings längst Verdacht geschöpft. An seiner Stelle ging schliesslich ein verdeckter Ermittler der Staatsanwaltschaft an das Treffen. Im Tresorraum der Bank zeigte er einem Beauftragten des Vermittlers und dessen Begleiterin das Geld.

Diese kontrollierten die Scheine, zählten sie nach und steckten sie schliesslich in ein Kuvert. Dann gab die Frau plötzlich vor, ihr sei schlecht und sie brauche ein Glas Wasser. In einem unbeobachteten Moment tauschte sie das Kuvert aus und liess das Geld in einem speziell angefertigten Versteck in ihrem Unterrock verschwinden. Dem vermeintlichen Geschäftsführer gaben die beiden Gauner ein identisches Kuvert zurück, das allerdings lediglich wertlose Papierschnitzel enthielt.

Die Ermittler hatten jedoch alles beobachtet, nahmen die beiden noch vor dem Verlassen der Bank fest und stellten das Geld sicher. Am Montag nun musste sich der Beauftragte des bis heute unbekannten Vermittlers in Biel vor Gericht wegen Diebstahls verantworten.

Für seine Tat bekam er eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren aufgebrummt. Seine Komplizin war bereits im Frühling zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 27 Monaten verurteilt worden. Von ihrem Auftraggeber hätten sie nach eigenen Aussagen je 3000 Franken Belohnung für ihre «Arbeit» erhalten. Dank der verdeckten Ermittlung sind der Polizei zwei Trickbetrüger ins Netz gegangen. Es sind allerdings nur kleine Fische. Der am Montag verurteilte 43-jährige Rumäne hatte sich zuerst in seiner Heimat mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen und sich später in Frankreich unter anderem mit kleineren Ladendiebstählen über Wasser gehalten.

Seinen Auftraggeber, den eigentlichen Vermittler des Geschäfts, habe er lediglich einmal an einer rumänischen Hochzeit in Paris getroffen. Er kenne weder dessen richtigen Namen noch wisse er, wo er sich aufhalte. Weder das Gericht noch die Staatsanwaltschaft nahmen ihm das jedoch ab. Während der Untersuchung haben sich gar Hinweise ergeben, dass er bereits an ähnlichen Taten beteiligt gewesen sein könnte. Bewiesen werden konnte dies allerdings nicht. Hinter solchen Fällen stünden in der Regel gut organisierte Grossfamilien aus Südosteuropa, sagte Peter Müller, der als Staatsanwalt für besondere Aufgaben sogenannte Rip-Deals untersucht.

Warnung vor Rip-Deals

In Europa schlagen sich die Strafverfolgungsbehörden bereits seit 20 Jahren mit solchen Betrügereien herum. Die Täter bauen mit teils grossem Aufwand ein Vertrauensverhältnis zu den Opfern auf und versprechen ihnen dann lukrative Geschäfte. Bei Treffen, die meist im Ausland stattfinden, werden dann oft echte Geldscheine gegen Falschgeld, leere Geldkoffer oder eben Papierschnitzel ausgetauscht, ohne dass es der Geprellte merkt. «Seien Sie vorsichtig, wenn Unbekannte an sie herantreten und ein Geschäft mit ungewöhnlich hohem Gewinn vorschlagen», warnt das Bundesamt für Polizei auf seiner Internetseite.

Der Geschäftsführer der Ballonfirma war vorsichtig und konnte den Rip-Deal verhindern. Doch warum fallen immer wieder Leute auf solche Geschichten herein? Staatsanwalt Müller hat eine Erklärung: «Oft ist bei ihnen selber unversteuertes Schwarzgeld im Spiel und sie hoffen, es durch ein solches Geschäft waschen zu können.» In solchen Fällen gibt es dann natürlich keine Anzeige. Die «mafiösen Strukturen» zu zerschlagen, ist entsprechend schwierig. Dennoch hat Müller die Hoffnung nicht aufgegeben, auch den Hintermann noch zu schnappen. Ein entsprechendes Verfahren läuft jedenfalls noch.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt