Wie die Munition wegkommt, ist unklar

Die Explosionsgefahr müsse beseitigt werden, fordert der Gemeindepräsident.

In den Stollen befinden sich noch Tausende Tonnen alter Munition.

In den Stollen befinden sich noch Tausende Tonnen alter Munition.

(Bild: zvg)

Simon Thönen@SimonThoenen

Mitholz Seit dem 28. Juni ist in Mitholz alles anders. Damals informierte Verteidigungsminister Guy Parmelin die Dorfbevölkerung, dass von dem Munitionslager, das bei der Katastrophe von 1947 teilweise explodiert war, immer noch Gefahr ausgehe. Die betroffene Bevölkerung beginnt sich nun zu organisieren. Am vergangenen Donnerstag wurde eine Interessengemeinschaft der Gebäudeeigentümer (IG) im Dorf gegründet.

Die IG, die sich intern erst an einer nächsten Sitzung organisiert, soll als Schnittstelle zu den Gemeindebehörden dienen, wie Roman Lanz auf Anfrage sagt. Lanz ist Präsident der Gemeinde Kandergrund, zu der Mitholz gehört. «Es geht darum, dass die Besitzer ihre Anliegen bündeln und an den Gemeinderat weiterleiten», sagt er. Ein offensichtliches Problem ist, dass die Liegenschaften an Wert zu verlieren drohen. So liegen nun seit Anfang Juli etliche Gebäude, auch solche im Dorfzentrum, neu in der Gefahrenzone.

3500 Tonnen Munition

Die Hauptforderung der Gemeinde hat Lanz längst mit Nachdruck formuliert: «Die Munition muss fort.» Für die Gemeinde gebe es nur diese Lösung, egal was sie koste, sagt Lanz. «Nur so gibt es wieder eine Zukunft in Mitholz.» Wie dies geschehen soll, ist derzeit aber noch völlig unklar. «Da warten wir auf den Schlussbericht der Experten.» Dieser soll im Herbst vorliegen.

In Nachbarländern kommt es nicht selten vor, dass Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt werden. In eingespielter Routine wird dann die Nachbarschaft evakuiert, die Bomben werden unschädlich gemacht und entfernt. Nur handelt es sich – inzwischen – meist um einzelne Bomben. In Mitholz sind es 3500 Tonnen Munition, darunter Tausende Fliegerbomben. Zudem wurden die Bestände bei der Explosion von 1947 verschüttet. Die Räumung dürfte ein komplexes Unternehmen werden.

Offene Frage Evakuierung

Für die Bevölkerung wird wichtig sein, ob, in welchem Ausmass und wie lange sie während einer Räumungsaktion evakuiert werden muss. Offen ist zudem, ob und wie lange die Strasse und die Lötschberg-Bergstrecke der BLS gesperrt werden müssen – dies betrifft auch die Nachbargemeinde, den Tourismusort Kandersteg. Kandersteg und Mitholz wären dann wohl bloss noch von der Walliser Seite erreichbar.

Solange kein Räumungsprojekt besteht, lassen sich diese Fragen nicht beantworten. «Es ist momentan wenig sinnvoll, darüber Vermutungen anzustellen», sagt Lanz. Gewiss sei aber, dass eine Sperrung der Verkehrsverbindungen über längere Zeit «ein unermesslicher wirtschaftlicher Schaden für die betroffene Region wäre». Lanz hofft, dass eine Lösung mit Schutzbauten möglich sei, welche die Explosionsgefahr abschirmen.

Entscheidend für Lanz ist, «dass das Problem auf allen Ebenen rasch angepackt wird». Es sei ein gutes Zeichen, dass das Verteidigungsdepartement noch vor der Sommerpause eine Arbeitsgruppe unter Ex-VBS-Generalsekretärin Brigitte Rindlisbacher eingesetzt hat. Eine Pendenz, die man regional bereits angepackt hat, sind die Evakuierungspläne für den Fall eines erneuten Unglücks. Bis Ende September sollen diese vorliegen.

Der Bund

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