Wer Missstände meldet, ist kein Denunziant

Dass die Behörden die Identität ihrer Informanten preisgeben müssen, darf nicht dazu führen, dass weniger Missstände aufgedeckt werden.

Zweifellos ist es fairer, bei einer Meldung mit dem Namen dazu zu stehen. Das ist aber nicht immer möglich.

Zweifellos ist es fairer, bei einer Meldung mit dem Namen dazu zu stehen. Das ist aber nicht immer möglich.

(Bild: Keystone)

Simon Preisig@simsimst

Wer die Kesb oder den Tierschutz auf Missstände aufmerksam macht, muss damit rechnen, dass die eigene Identität bekannt wird. Zumindest erfährt sie die Person, die man angezeigt hat.

Gerade die Kesb sieht sich seit ihrer Gründung immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, wonach ihr offensives Regime mit Gefährdungsmeldungen das Denunziantentum fördere. Wollten die Richter und Richterinnen dieser angeblichen Problematik einen Riegel schieben? Nein, darum geht es nicht. Laut Kesb sind solch missbräuchliche Meldungen ohnehin die grosse Ausnahme. Der neuste richterliche Entscheid regelt, wer die Identität von Informanten schützen muss. Und er besagt, dass jemand, der garantiert unerkannt bleiben will, den Namen gar nicht erst verraten sollte.

Wenn dies nun dazu führt, dass den Behörden weniger Missstände zugetragen werden, wäre dies nicht gut. Zweifellos ist es fairer, bei einer Meldung mit dem Namen dazu zu stehen. Das ist aber nicht immer möglich. Man stelle sich vor, Grosseltern sähen ihr Enkelkind gefährdet und die Eltern liessen sich partout nicht helfen. Vielleicht ist dann eine anonyme Meldung wirklich die einzige Lösung.

Es ist nicht angenehm, grundlos Besuch von der Kesb oder dem Veterinärdienst zu erhalten. Doch ganz lässt sich nicht verhindern, dass es zu Kontrollen kommt, bei denen sich der Verdacht nicht erhärtet. Wer davon betroffen ist, sollte sich vor Augen führen, was passiert, wenn zu oft geschwiegen wird: Wie viele Kinder mussten leiden, weil niemand reagiert hat? Doch auch die Behörden können dafür sorgen, dass Kontrollen nicht zur Belastung werden: etwa indem sie möglichst unvoreingenommen und fair auftreten. Dann fällt es jenen, welche Meldung erstatten, auch leichter, zu ihrem Namen zu stehen.

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