«Wer in die Natur geht, tut dies auf eigene Verantwortung»

Das schöne Wetter führt zu Waldbrandgefahr in Wäldern, die im Winter von Stürmen beschädigt wurden. Roger Schmidt vom bernischen Amt für Wald, sagt wie es um die kantonalen Wälder steht.

Die Schäden, die Burglind und Co. angerichtet haben, sind grösser als bisher angenommen.

Die Schäden, die Burglind und Co. angerichtet haben, sind grösser als bisher angenommen. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Zurzeit herrscht Waldbrandgefahr. Wie viel Wald wurde durch die Feuer zerstört?
Beim grösseren Feuer in La Neuveville sind gut 5 Hektaren Wald verbrannt. Daneben gab es weitere kleinere Brände, wie oberhalb von Blumenstein, mit deutlich weniger als einer Hektare Brandfläche.

Wo ist die Gefahr am höchsten?
Die Waldbrandgefahr ist im ganzen Kanton Bern erheblich. Besonders kritisch ist sie überall dort, wo die Sonne direkt hin scheint und es viel trockenes Laub vom Vorjahr hat.

Nach den Winterstürmen liegt viel Holz am Boden. Begünstigt das die Waldbrände?
Das im Winter gefallene Holz ist vermutlich noch nicht so trocken, dass ein Feuer ausbrechen könnte. Laub, Nadeln und dürre Äste am Boden sind das grössere Risiko. Wenn aber ein Brand ausbricht, ist das Fallholz ein Brennstoff, der das Feuer verstärkt.

Was bedeutet dies für Spaziergänger?
Für sie besteht keine unmittelbare Gefahr, denn ein Feuer entsteht selten spontan. Man muss aber mit Feuer im Wald und in Waldnähe vorsichtig sein.

Darf man noch eine Zigarette im Wald rauchen?
Ja, aber man darf die Kippe oder das Zündholz nicht einfach wegwerfen. Die Glut im trockenen Laub kann reichen, um einen Brand auszulösen.

Bräteln sollte man aber besser lassen.
Man sollte sehr vorsichtig sein, nur befestigte Feuerstellen verwenden, das Feuer gut überwachen und am Schluss zum Beispiel mit genügend Wasser alles gut löschen. Bei stärkerem Wind sollte ganz auf das Feuern verzichtet werden.

Beeinflusst die Waldbrandgefahr die Aufräumarbeiten nach den Winterstürmen?
Nur wenn dabei Feuer eingesetzt werden soll. Das muss von den Waldabteilungen bewilligt werden, was nur in zwingenden Ausnahmefällen möglich ist.

Und was sind gute Gründe für Ausnahmen?
Wenn Äste und anderes Holz zum Beispiel bei einem Gewitter einen Bach stauen, sprechen wir von Verklausung. Wenn also die Verklausung eines Baches droht und das Holz nicht mit vernünftigem Aufwand abtransportiert werden kann, kann die Waldabteilung das geordnete Verbrennen bewilligen.

Waldarbeiten sind nach Stürmen noch gefährlicher als sonst. Gab es bisher Unfälle?
Mir sind keine tödlichen Unfälle in Zusammenhang mit den Sturmschäden 2018 im Kanton Bern bekannt.

Burglind, Evi und Friederike haben stärker gewütet als angenommen. Warum?
Im Oberland kam ein Föhnsturm dazu. Es windete im Januar sehr viel. Im Moment werden die Schäden mit 470’000 Kubikmetern gefallenem Holz knapp 20 Prozent höher als anfangs geschätzt. Es sind aber weiterhin Schätzungen. In höheren Lagen kann erst jetzt mit den Aufräumarbeiten begonnen werden, weil vielerorts noch Schnee liegt.

Was bedeutet das für die Waldbesitzer?
Sturmschäden sind nie willkommen. Die Besitzer können das gefallene Holz zwar noch verkaufen, das Holzen ist aber aufwendiger. Und wenn die Bäume zum Beispiel gebrochen sind, entsteht auch ein Wertverlust. Die Waldbesitzer haben also mehr Aufwand und weniger Ertrag pro Kubikmeter Holz.

Lassen sich die Schäden auch in Franken beziffern?
Nein, dazu haben wir keine Studien. Die Kosten für die Aufräumarbeiten sind von den Strategien der Waldbesitzer abhängig, wie sie den Wald nutzen. Dort wo der Schutzwald vor einer Borkenkäfervermehrung geschützt werden muss, kann der Kanton Massnahmen anordnen. In diesen Fällen bezahlt er einen pauschalen Beitrag. Unter gewissen Bedingungen leistet auch der Fondssuisse, der bei Elementarschäden hilft, Beiträge.

Und wie viel haben die Stürme den Kanton Bern gekostet?
Der Regierungsrat hat im Februar einen Kredit von 7,2 Millionen Franken für dringliche Massnahmen bewilligt. Damit sollen das Risiko einer Borkenkäfervermehrung gesenkt und Folgeschäden in wichtigen Schutzwäldern verhindert werden. Die weiteren Kosten werden vom Erfolg dieser Massnahmen und der Witterung im Sommerhalbjahr abhängen.

Wie sicher ist der Wald heute für Spaziergänger?
Wer in die Natur geht, tut dies auf eigene Verantwortung. Kein Waldbesitzer kann absolute Sicherheit garantieren, und es kann auch im Unterland immer noch lose Äste in Kronen geben. Aber wo die Arbeiten abgeschlossen sind, können die Wälder wieder normal begangen werden.

Vor bald 20 Jahren machte uns Lothar zu schaffen. Hat man daraus etwas gelernt?
Ja. Dank den Erfahrungen mit Lothar wissen wir, dass es sich lohnt, die Wälder gezielt aufzuräumen, um Massenvermehrungen des Borkenkäfers vorzubeugen. Dieser macht uns besonders wegen des Fichtenbestandes Sorge. Der Käfer nistet sich in der Rinde von gefallenen oder geschwächten Fichten ein. Vermehrt er sich zu stark, kann er auch gesunde Bäume befallen, sodass sie absterben. Darum müssen geschädigte Fichten entfernt oder zumindest entrindet werden.

Nach Lothar liess man einen Teil des Fallholzes liegen, um die Wälder naturnaher zu gestalten. Hat das etwas gebracht?
Der Bund schaffte damals die Möglichkeit, sogenannte Waldreservate auszuscheiden, sehr kurzfristig. Im Kanton Bern taten wir das bei Flächen, die sehr stark beschädigt waren. Wenn wir den Wald professionell bewirtschaften, brauchen wir keine Stürme, um ihn naturnah zu gestalten.

Und werden wieder Waldreservate gemacht?
Der Kanton sucht aktuell Waldbesitzer, die Waldreservate schaffen wollen. Das können auch vom Sturm betroffene Flächen sein. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.04.2018, 14:29 Uhr

Roger Schmidt ist Vorsteher des bernischen Amtes für Wald (KAWA). (Bild: zvg)

Winterstürme wüteten heftiger als angenommen - Holzmarkt gesättigt

Die Winterstürme Anfang Jahr haben im Berner Wald grössere Schäden angerichtet als angenommen. Insgesamt wurden rund 470'000 Kubikmeter Holz geworfen.

Erste Schätzungen gingen von rund 400'000 Kubikmeter Sturmholz aus, wie die bernische Volkswirtschaftsdirektion am Montag mitteilte. In tieferen Lagen sind die Aufräumarbeiten bereits weit fortgeschritten. Weiter oben liegt zum Teil noch Schnee.
Der Holzmarkt ist bereits recht gesättigt. Der Verband der Berner Waldbesitzer und das kantonale Amt für Wald raten deshalb den Waldbesitzern, alle ordentlichen Holzschläge weiterhin zurückzustellen. Die regionalen Holzvermarktungsorganisationen unterstützen die Waldbesitzer beim Verkauf des gerüsteten Sturmholzes.
Geworfene Bäume, die noch Wurzelkontakt haben, sollten am besten vorläufig im Wald gelassen werden. Die Behörden empfehlen aber, die Wälder gut zu kontrollieren und die Forstschutzmassnahmen in jedem Fall sicherzustellen. Mit allfälligen Fragen können sich Waldbesitzer an den zuständigen Revierförster wenden.

Im Januar fegten gleich mehrere Winterstürme über die Schweiz. Den Auftakt machte Sturm «Burglind», gefolgt von «Evi» und «Friederike». (sda)

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