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Wer heute noch auf Öl setzt, «schafft keinen Quantensprung – darum aber geht es»

Bei Altbauten den Minergie-P-Standard vorzuschreiben, sei kontraproduktiv, sagt der Gebäudetechnik-Experte Urs Rieder. Effizienter sei es, lediglich Ziele vorzugeben.

Die Tanks einer Ölheizung werden befüllt. (Symbolbild)
Die Tanks einer Ölheizung werden befüllt. (Symbolbild)
Gaetan Bally, Keystone

Der technologische Fortschritt bei Heizsystemen und bei der Dämmung von Gebäudehüllen lässt sich in beeindruckende Zahlen fassen. Als Faustformel gilt: Ein nicht saniertes Haus, das vor 1980 gebaut wurde, benötigt für Heizung und Warmwasser eine Energiemenge von 20 Litern Öl pro Quadratmeter Wohnfläche.

Ein Haus, das nach den heute geltenden gesetzlichen Bestimmungen erstellt wird, kommt dagegen mit vier Litern Öl aus; hat das Haus Minergie-Standard, reichen drei Liter, und entspricht es gar dem Minergie-P-Standard, sind es nur noch zwei Liter Öl. Die gesetzlichen Anforderungen hätten sich dem Minergie-Standard bereits stark angenähert, sagt Professor Urs Rieder. Er leitet an der Hochschule für Technik und Architektur in Luzern die Abteilung Gebäudetechnik. Die Entwicklung schreite weiter. Auch die gesetzlichen Vorgaben zielten Richtung Nullenergiehaus.

Optimum der Dämmtechnik fast erreicht

Der Fortschritt sei zum grössten Teil auf Verbesserungen an den Gebäudehüllen zurückzuführen. «Bei der Dämmtechnik sind wir heute nahe am Optimum», sagt Rieder. Alleine mit Dämmen sei das Nullenergiehaus aber nicht zu erreichen. Wer weitere Einsparungen erzielen wolle, müsse bei Beleuchtung und elektrischen Geräten ansetzen. Und schliesslich stelle sich die Frage nach eigener Energieproduktion mit Warmwasserkollektoren und Solarpanels.

Das Ziel sei, sagt Rieder, dass der Energiebedarf einer Familie über das Gebäude gedeckt werden könne – und zwar vollumfänglich, also nicht nur jener für Heizung und Warmwasser. Hier weist der Gebäudetechnikexperte auf ein Problem hin. Gerade weil moderne LED-Lampen so wenig Strom verbrauchten, würden sie gerne für aufwendige Lichtgestaltungen verwendet, was den Spareffekt wieder schmälere.

«Ambitiöse Ziele sind erreichbar»

Eines stellt Rieder klar: Bei Altbauten sei Minergie-P oftmals kontraproduktiv. Die Anforderungen an die Gebäudehüllen seien bei diesem Standard «wesentlich strenger» zu erfüllen – was einen «eklatanten Mehraufwand» zur Folge habe. Sinnvoll sei, die Hüllen nur bis zu einer «gewissen Grenze» zu sanieren. Man müsse es dann den Planern überlassen, die beste Lösung zu finden.

Auf diese Weise seien «ambitiöse Ziele» ebenfalls erreichbar: «Mit Gebäudetechnik lässt sich heute extrem viel herausholen.» Jede Gesamt- oder Teilsanierung ist laut Rieder erst dann vorzunehmen, wenn sie nötig ist. Sonst schlägt jene Energie negativ zu Buche, die für die Herstellung der Bauteile aufgewendet werden muss – die sogenannte graue Energie. Besonders wichtig sei, dass für jedes Gebäude eine Strategie erarbeitet werde, «die Richtung Nullenergiehaus weist», sagt er. Schlimmstenfalls blockiere jemand mit einem falschen Sanierungsentscheid «den zukunftsgerichteten Weg» für zwanzig Jahre.

Wer heute noch eine Ölheizung einbauen lasse, könne zwar ebenfalls Spareffekte erzielen, «schafft aber keinen Quantensprung – darum aber geht es: um richtig grosse Sprünge». Ein solcher Sprung sei bei einer Haussanierung aber nur möglich, wenn beispielsweise eine Wärmepumpe installiert und diese mit erneuerbarem Strom betrieben werde. Der CO2 verringere sich dabei um 95 Prozent. Selbst bei der modernsten Ölheizung bleibe das CO2-Problem dagegen bestehen.

Öl sollte nicht verheizt werden

Überhaupt sei es schade, Öl für die Beheizung von Gebäuden zu verbrennen, sagt Urs Rieder. Denn Öl sei als Energieträger «unglaublich praktisch», und es gebe dafür viel bessere Verwendungsmöglichkeiten – «zum Beispiel für den Betrieb von Baggern, wo mit Sonnenenergie nichts auszurichten ist». Die Zukunft gehört laut Rieder vernetzten Systemen, in die das einzelne Gebäude als Verbraucher und als Produzent von Energie eingebunden ist. Die Schwierigkeit bestehe darin, die Netze klug zu bewirtschaften, sagt er.

Weitere wesentliche Spareffekte verspricht sich Rieder von Ideen, die schon fast futuristisch anmuten: In einem Gebäude müsse keineswegs überall das gleiche Raumklima herrschen, sagt er. Ein Beispiel: Im Sommer könnte in einem Bürohaus viel Energie eingespart werden, indem nur um die Arbeitsplätze herum ein angenehmes «Mikroklima» geschaffen wird.

An jenen Orten dagegen, wo sich nicht dauernd Personen aufhalten, dürfte die Temperatur durchaus höher liegen. Und mit einem Trick liesse sich ein noch grösserer Effekt aus dem System herauskitzeln: Weil die Temperatur in einem Luftzug als niedriger wahrgenommen wird, als sie tatsächlich ist, würde an den Arbeitsplätzen die Luft leicht in Bewegung versetzt. Statt sie auf 26 Grad Celsius kühlen zu müssen, reichten 28 Grad aus, sagt Rieder. So weit kann Energiesparen gehen.

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