«Wenn sich Wasserfallen auch bewirbt, ist das gut für die Partei»

Der Stadtberner Philippe Müller will als Nachfolger von Hans-Jürg Käser FDP-Regierungsrat werden. Die Polizeidirektion käme ihm gelegen. Die Reitschule als Kulturbetrieb findet er gut.

Philippe Müller will den Sitz von FDP-Regierungsrat Hans-Jürg Käser erben.

Philippe Müller will den Sitz von FDP-Regierungsrat Hans-Jürg Käser erben. Bild: Adrian Moser

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Herr Müller, Sie melden als Erster Ihre Bewerbung für die Nachfolge von Hans-Jürg Käser bei den Regierungsratswahlen 2018 an. Warum?
Ich bin bereit. In den letzten Tagen habe ich mir das gut überlegt. Nun bin ich zum Schluss gekommen anzutreten. Auch ist ein Unterstützungskomitee bereits im Aufbau. Es umfasst Personen aus dem Oberland bis in den Oberaargau aus dem Berner Jura. Auch Wirtschaftsvertreter stehen hinter mir.

Wird es noch Konkurrenz geben innerhalb der FDP?
Ich will meine Erfahrung einbringen. Ich habe Führungserfahrung in der Wirtschaft und ebenfalls in der Politik wie im Militär. Ob es Konkurrenz gibt, weiss ich nicht. Dies wäre aber gut. So kann die FDP zeigen, dass sie viele gute Köpfe hat.

Sie kommen aus der Stadt Bern, wie auch Nationalrat Christian Wasserfallen, der ebenfalls antreten könnte. Damit richtet sich Ihr Vorpreschen direkt gegen ihn?
Ich habe in den letzten Tagen Gespräche geführt mit Vertrauenspersonen und kam zum Schluss: Ja, ich will. In der Weihnachtszeit mache ich Ferien, bis dann wollte ich meine Karten auf den Tisch legen. Das habe ich jetzt getan und auch Chrigu im Vorfeld informiert. Wenn sich Chrigu auch bewirbt, dann ist das gut für die Partei. Wir sind beide sportlich.

Als Städter haben sie allerdings ein Handicap, um im gesamten Kanton gewählt zu werden.
Ich bin ja auf dem Land aufgewachsen. Ich vertrete daher sowohl Stadt wie auch das Land. Das zeigt auch meine Erstausbildung als Ingenieur Agronom.

Sie gelten als rechter Freisinniger. Ist das so?
Wer die Ratings anschaut, sieht, dass ich sehr liberal bin. Ich habe immer auch mit anderen Parteien zusammengearbeitet, auch mit der SP. Meine Forderung nach einem besseren Schutz der Polizisten vor Gewalt habe ich zusammen mit SP-Grossrat Adrian Wüthrich eingereicht, und das wurde auch von einigen Sozialdemokraten unterstützt. Ebenso habe ich gemeinsam mit anderen Parteien die Steuererleichterung für die Kinder-Betreuungskosten gefordert, damit Frauen, die arbeiten gehen, steuerlich nicht bestraft werden. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich bin ein echter Liberaler.

Andererseits gab es Kritik, als Sie im letzten Jahr als Stadtberner FDP-Präsident ausgerechnet den grünen Alec von Graffenried als neuen Stadtpräsidenten portierten – und nicht Ihren eigenen und nun abgewählten FDP-Gemeinderat Alexandre Schmidt.
Ich habe selbstverständlich Alexandre Schmidt unterstützt und überall für ihn geworben. Die bürgerlichen Kandidaten hatten keine Chance aufs Stadtpräsidium. Wenn von Graffenried nicht angetreten wäre, so wäre jetzt Ursula Wyss Stadtpräsidentin. Bei den Regierungsratswahlen haben wir die SVP unterstützt, weil wir eine bürgerliche Mehrheit wollten, das ist auch in unserem Interesse. Es ist sehr bedauerlich, dass die SVP in der Stadt keine gemeinsame Liste mit der FDP gemacht hat. Ohne Wahlallianz kann eine bürgerliche Partei in der Stadt Bern keinen Gemeinderatssitz machen. Wir müssten zusammenspannen, wie das Rot-Grün auch tut.

Aufgefallen sind Sie mit vielen Forderungen punkto Polizei und Sicherheit. Sie profilieren sich also klar als Nachfolger für die Polizeidirektion?
Ich habe Vorstösse zu verschiedenen Themen wie Kitas, Bildung, schlankere Strukturen und andere eingereicht, meine Vorstossliste ist breit. Natürlich: Sicherheitsfragen interessieren mich. Ich bin ja auch Vizepräsident der Sicherheitskommission des Grossen Rats.

Wie beurteilen Sie Ihre Chancen?
Eine erste Entscheidung liegt bei den kantonalen Delegierten. Bis dann ist es noch ein weiter Weg. Ich bringe einen breiten Rucksack mit, der einem Regierungsratsprofil entspricht. In einer kantonalen Exekutive braucht es Leadership, Erfahrung aus der Privatwirtschaft. Und es braucht Lebenserfahrung. Das bringe ich mit, auch aus dem Militär und als Vater. Ich habe eine 15-jährige Tochter.

Dann geht ihre Tochter wohl bereits in den Ausgang, etwa auf den Vorplatz vor der Reitschule, wo ja dann «Ihre» Polizei durchgreifen soll?
Ich will, dass sie in der Stadt in Sicherheit ist. Ich habe übrigens kein Problem mit der Reitschule als Kulturbetrieb. Viele Leute gehen dort an Veranstaltungen. Sie soll drum nicht geschlossen werden. Ich habe keine der vielen Abschaffungsinitiativen unterstützt. Der Handlungsbedarf ist aber sehr gross, weil es Gewalt gibt vor Ort. Das ist inakzeptabel. Weder Ikur noch der Gemeinderat wollen diese heisse Kartoffel anfassen.

Philippe Müller (53) ist FDP-Grossrat, Präsident der FDP Stadt Bern und Mitglied der Geschäftsleitung des biotherapeutischen Unternehmens CSL Behring AG in Bern. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.12.2016, 13:49 Uhr

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