Weiter Platznot bei jungen Asylsuchenden

Trotz eines neuen Zentrums für junge Asylsuchende in Grindelwald ist der Kanton weiter auf «Zwischen­lösungen» angewiesen.

Die meisten Betten für junge Asylsuchende, wie hier in Bäregg, sind bereits belegt.

Die meisten Betten für junge Asylsuchende, wie hier in Bäregg, sind bereits belegt.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Die meisten im Dorf hätten sie als «Bereicherung» empfunden, sagt Gemeindepräsident Kurt Wenger (SVP) über die Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan und Eritrea. 17 unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) waren sechs Wochen in einem privaten Massenlager in Wahlendorf in der Gemeinde Meikirch untergebracht – und konnten tagsüber im Wohnheim Casa Rössli duschen, essen und Deutsch lernen.

Mit der Verabschiedung durch den Gemeindepräsidenten fand diese Episode gestern ihr Ende: Die UMA aus Wahlendorf bezogen stattdessen die neu eröffnete Unterkunft in Grindelwald. Das leer stehende Ferienheim in Grindelwald ergänzt die bestehenden, vollbelegten UMA-Zentren in Bärau und Belp. Mit Grindelwald erhöht sich die Kapazität der UMA-Wohnheime im Kanton Bern von 90 auf 150 Plätze.

Über 300 Jugendliche zu betreuen

Der tatsächliche Bedarf für jugendliche Asylsuchende, die ohne Eltern in den Kanton Bern kommen, ist ungleich höher: «Zurzeit sind wir für über 300 Kinder und Jugendliche zuständig», sagt Katrin Pfrunder, Sprecherin des Zentrums Bäregg, das alle drei Heime im Kanton Bern betreut. Die aktuell in Säriswil in der Gemeinde Wohlen untergebrachten UMA aus Eritrea ziehen diese Woche ebenfalls nach Grindelwald um. Dann wird die neue Unterkunft schon fast voll belegt sein. Rund die Hälfte der UMA wohnt ohnehin nicht in den Heimen des Bäregg-Zentrums: Rund 70 Jugendliche sind in betreuten Wohnformen untergebracht, rund 30 bei Verwandten, ein Dutzend bei Pflegefamilien – und 50 UMA belegen derzeit die «Zwischenlösungen» in Säriswil und Ins.

Auch wenn die Provisorien schrittweise in langfristige Unterbringungen übergeführt werden, sei man in nächster Zeit wohl weiterhin auf «Zwischenlösungen» angewiesen, so Bäregg-Sprecherin Pfrunder. Das Pfadiheim in Säriswil werde mindestens bis Ende Jahr als «Backup» für Neuankömmlinge bereitgehalten. Wegen der Unvorhersehbarkeit der Flüchtlingsströme sei die Unterbringung ohnehin schwierig zu planen. «Alles ändert sich sehr schnell», sagt sie. Weiterhin sei man auf Hilfsbereitschaft in den Gemeinden angewiesen.

Wohlen zur erneuten Hilfe bereit

Von den beiden Gemeinden, welche die UMA vorübergehend beherbergt haben, zeigt sich Wohlen für den Fall einer erneuten Anfrage aufgeschlossen: «Wir wären in jedem Fall gesprächsbereit», sagt der Wohlener Gemeindepräsident Bänz Müller (SP). Die Jugendlichen aus Eritrea waren in den Sommerferien im Jugendtreff am Wohlensee untergebracht – bevor sie im August nach Säriswil zogen. Anstatt negativer Reaktionen habe er aus der Bevölkerung unzählige Hilfsangebote erhalten, so Müller. Zum Beispiel spielte der Trainer des SC Wohlensee mit den jungen Eitreern jeden Tag Fussball.

In Meikirch spricht Gemeindepräsident Wenger ebenfalls von «guten Erfahrungen», die gemacht wurden. Er sei «sehr dankbar» für die Toleranz, die er bei der Dorfbevölkerung erlebt habe. Wenger gibt sich aber zurückhaltender als Müller: «Eine Anfrage würden wir prüfen», sagt er. Wenger sagt aber auch, dass er zuerst mit den Eigentümern möglicher Standorte verhandeln müsste. Ohnehin sei das unbeheizte Massenlager in Wahlendorf nicht wintertauglich. Und da mögliche Standorte in Meikirch mitten im Dorf lägen, müsse die ganze Dorfbevölkerung dahinter stehen.

Der Bund

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