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Wegschauen ist keine glaubwürdige Strategie

Für die BKW, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen will, ist die Beteiligung an einem Kohlekraftwerk ein fragwürdiges Vorgehen.

Die BKW kann nicht bekannt geben, woher die Kohle für das Kraftwerk kommt.
Die BKW kann nicht bekannt geben, woher die Kohle für das Kraftwerk kommt.
Keystone

Der Kohleabbau in Kolumbien ist verknüpft mit nicht abreissenden Klagen aus der lokalen Bevölkerung über gravierende Umweltverschmutzungen und Zwangsumsiedlungen. Vor allem existiert in seinem Umfeld ein Klima der Drohungen und der Gewalt gegen Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten, auch wenn sich eine direkte Involvierung der Minenbetreiber nicht nachweisen lässt.

Diese Zustände sind weit weg, gehen aber auch uns etwas an. Im deutschen Kohlekraftwerk Wilhelmshaven, an dem die halbstaatliche BKW zu einem Drittel beteiligt ist, wird auch Kohle aus Kolumbien verfeuert. Auf Anfrage betont die BKW, es sei für sie «sehr wichtig», dass die Kohle für Wilhelmshaven ohne Menschenrechtsverletzungen und Schäden für die lokale Umwelt und Bevölkerung abgebaut werde. Sie stehe deswegen auch im Gespräch mit dem Mehrheitsaktionär von Wilhelmshaven, dem französischen Energiekonzern Engie.

Doch was ist dies wert? Die BKW erklärt auch, dass sie nicht wisse, was ihre Interventionen bei Engie bewirkt haben. Sie kann nicht einmal bekannt geben, woher die Kohle für das Kraftwerk überhaupt stammt. Im Wesentlichen basiert ihre Mitverantwortung darauf, dass sie dem Konzern Engie glaubt, dieser setze seinerseits seine deklarierten Absichten um, die Lage zu verbessern.

Das reicht nicht. Zwar ist die BKW weniger involviert als etwa der Rohstoffkonzern Glencore als Mitbesitzer einer umstrittenen kolumbianischen Kohlemine. Doch für die BKW, die sich als Mitgestalterin der Energiewende positioniert, ist schon die Beteiligung am Kohlekraftwerk ein Makel. Um so mehr müsste sie sich, auch im Interesse der eigenen Glaubwürdigkeit, viel aktiver um die Kohlebeschaffung und deren problematische Auswirkungen kümmern. In einem weiteren Sinn sind auch die grossen Stromverbraucher gefordert, die vom freien Strommarkt profitieren – und oft bewusst den dreckigsten Strom wählen, weil er billig ist. Und wenn der Strommarkt dereinst voll liberalisiert ist, werden auch wir Kleinkonsumenten in der Verantwortung stehen.

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