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Was Moutier entscheidet, betrifft den Kanton und die Eidgenossenschaft

Ein Kantonswechsel von Moutier würde die Zweisprachigkeit des Kantons und die Mehrsprachigkeit der Schweiz schwächen, sagt SP-Ständerat Hans Stöckli.

Laut Hans Stöckli würde die Zweisprachigkeit Berns bei einem Kantonswechsel von Moutier leiden.
Laut Hans Stöckli würde die Zweisprachigkeit Berns bei einem Kantonswechsel von Moutier leiden.
Adrian Moser

Hans Stöckli nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er über die Auswirkungen eines Kantonswechsels von Moutier spricht: «Das würde die französischsprachige Minderheit und die Zweisprachigkeit des Kantons Bern deutlich schwächen», sagt der SP-Ständerat und ehemalige Stadtpräsident von Biel.

Der Kanton Bern beteuert im Vorfeld der Abstimmung vom 18. Juni zwar stets, dass er weiterhin zu seinen Romands stehen werde. Für Stöckli ist allerdings klar: «Auch Politik ist letztlich Mathematik.»

Die Rechnung geht in diesem Fall so: Im Kanton Bern leben gut 100'000 Romands, rund die Hälfte davon im Berner Jura. Mit etwas über 7600 Einwohnern ist Moutier die grösste Gemeinde im nördlichsten Kantonsteil. Geht sie zum Kanton Jura über, würde dies die Position des Berner Juras innerhalb des Kantons Bern deutlich schwächen.

Die durch ein Sonderstatut privilegierte Region stellte dann nur noch gut vier Prozent der Kantonsbevölkerung. «Ich werde mich so oder so weiterhin für die Zweisprachigkeit einsetzen», verspricht Stöckli, «der Wille und die Bereitschaft des Kantons, Ressourcen dafür aufzuwenden, schwände nach einem Austritt Moutiers aber sicher.»

Damit nicht genug: Bern ist unter anderem wegen seiner Zweisprachigkeit Hauptstadtkanton geworden und hat sich als Brückenkanton stets für den Zusammenhalt der Sprachregionen eingesetzt. Stöckli befürchtet nun jedoch: «Wenn das diesbezügliche Engagement des Kantons Bern wegen der Abspaltung von Moutier nachlässt, hat das Auswirkungen auf die ganze Schweiz.»

Eigennutz der Mehrheit?

In Moutier selber ist mit solchen Argumenten kein Blumentopf zu gewinnen. Im Abstimmungskampf geht es um Steuern, Gesundheitsversorgung oder Arbeitsplätze. Die Zweisprachigkeit ist kein Thema und auch die Berner Regierung scheut sich, sie in ihrer Abstimmungsbotschaft ins Feld zu führen. Schliesslich will der mehrheitlich deutschsprachige Kanton Bern nicht den Eindruck erwecken, Moutier nur aus Eigennutz behalten zu wollen, damit er seine Position innerhalb des Bundesstaats behalten kann.

In Internet-Videobotschaften betonen verschiedene Regierungsräte dann aber doch noch den Wert der Zweisprachigkeit: Der Grüne Bernhard Pulver spricht von der «Gesellschaftsvision eines offenen, zweisprachigen Brückenkantons». Und Pierre Alain Schnegg (SVP) sagt: «Bern braucht seine Minderheit, um sich entwickeln und seine Rolle auf nationaler Ebene spielen zu können.»

In Biel, der grössten zweisprachigen Stadt der Schweiz, hält man den Ball im Vorfeld der Moutier-Abstimmung betont flach. Auch das hat unter anderem mit Mathematik zu tun. Hier wohnen mehr Menschen als im ganzen Berner Jura zusammen und eine Einflussnahme der Grossen hat im Jura noch nie die gewünschte Wirkung erzielt.

Der Gemeinderat von Biel erinnert deshalb zwar an die gemeinsame Geschichte der beiden Städte als Teile des Fürstbistums Basel und an die bis heute engen Verflechtungen. Er betont zudem, dass der Urnengang «von grosser Bedeutung» für die Zweisprachigkeit sei. Wie in früheren Jura-Abstimmungen zieht er sich jedoch wohlweislich auf eine «aktive Neutralität» zurück. «Die Bevölkerung von Moutier muss selber zwischen zwei möglichen, stimulierenden Wegen in die Zukunft entscheiden.

Sie kann sich einem französischsprachigen Kanton zuwenden, um in einer Sprachgemeinschaft zu leben, oder weiter daran arbeiten, einen grossen zweisprachigen Kanton aufzubauen, der den Brückenschlag zwischen der französisch- und der deutschsprachigen Schweiz schafft», halten der Gemeinderat und der Rat für französischsprachige Angelegenheiten des Amtsbezirks Biel fest.

Kanton will sich verbessern

Der Kanton Bern hat bereits bewusst, und wohl auch taktisch motiviert, ein Zeichen gesetzt, dass er gewillt ist, die Zweisprachigkeit verstärkt zu fördern – egal wie die Abstimmung in Moutier ausgeht. Anfang Mai setzte der Regierungsrat eine Expertenkommission ein, die Verbesserungsmöglichkeiten vorschlagen soll. «Bern könnte mehr zur Förderung der Zweisprachigkeit tun», sagt deren Präsident Hans Stöckli.

Die Unsicherheiten über die Zukunft des Berner Juras hätten aber sicher nicht geholfen, dass es vorwärts gehe. Stöckli hofft nun, dass Moutier bei Bern bleibt und die Zweisprachigkeit nicht nur als Chance beschworen, sondern auch genutzt wird.

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