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Wadenbeisser schnappen sich Erich Hess

Der Grosse Rat will den Diensthunde-Bestand nicht aufstocken.

Es gebe keinen Bedarf für den Ausbau des Diensthundewesens, sagte auch Polizeidirektor Philippe Müller (FDP).
Es gebe keinen Bedarf für den Ausbau des Diensthundewesens, sagte auch Polizeidirektor Philippe Müller (FDP).
Iris Andermatt (Archiv)

Wir leben in so dramatischen Zeiten, dass nur noch Polizeihunde ein akzeptables Mass an Sicherheit garantieren können. Diese Schlussfolgerung ergibt sich aus einer Motion von Erich Hess. Der SVP-Grossrat forderte mehr Hundeführereinheiten im Kanton Bern und deren Einsatz an «latent gefährlichen Brennpunkten» sowie bei Grossveranstaltungen.

Hess geizte nicht mit Reizwörtern: Hooligan-Mob, bandenmässig, Massenzusammenrottung, Randalierer, Reithalle, Saubannerzüge, Extremismus, Kölner-Silvesternacht. Das alles packte der Parlamentarier in den Vorstoss, der am Mittwoch im Grossen Rat diskutiert wurde. Hundeführer könnten in ernsten Lagen wichtige Funktionen übernehmen, so lautete die Argumentation. Waldi, Sultan, Chili, Blade und Zico sollen Präsenz markieren, wenn es hart auf hart geht. Hess attestierte zähnefletschenden Diensthunden «ein hohes Abschreckungspotenzial», wodurch Straftaten gar nicht erst begangen würden. Alleine die Präsenz eines Schäferhundes, etwa der für solche Zwecke beliebten Rasse Malinois, triebe den Chaoten also den Angstschweiss auf die Stirne.

Doch das Parlament sah keinen Handlungsbedarf. Zwar musste auch Andreas Hegg (FDP) zugeben, dass Polizeihunde «wertvolle Büez» leisteten, eine Erhöhung des Bestandes sei aber nicht notwendig. Bei den Grünen befürchtete man aufgrund der Aggressivität der Tiere eine Selbstzerfleischung, weil die Hunde auf ihresgleichen statt auf Randalierer und Hooligans losgehen könnten. Andere gaben zu bedenken, dass die Hunde bei Kundgebungen durch Wurfgegenstände verletzt werden könnten. (Gibt es Hundehelme?) Wieder andere warnten davor, zu stark in das operative Geschäft der Polizei einzugreifen.

Hunde erzielten unbestritten eine gute Wirkung. Er habe «chli, chli» Erfahrung damit, sagte Werner Moser (SVP). Ein Schwager und dessen Hund schützten nämlich die Schweizer Grenze. Das Training der Hunde sei mit einem grossen Aufwand verbunden, das dürfe man nicht unterschätzen. Hannes Zaugg-Graf seinerseits kündete sich als «Wadenbeisser» von der GLP an. Hunde alleine reichten nicht, um Eindruck zu machen, meinte er. Es brauche auch immer einen Polizisten daneben. Auch wegen der Ausbildung sei eine Aufstockung alles andere als billig. Es gebe keinen Bedarf für den Ausbau des Diensthundewesens, sagte auch Polizeidirektor Philippe Müller (FDP). Man werde die Situation aber laufend überprüfen.

Viele Wadenbeisser sind des Hasen Tod: So wurde der Vorstoss als nicht bindendes Postulat angenommen und gleich als erfüllt ins Archiv gespült. 60 Diensthunde zählt die bernische Polizei übrigens, die Hälfte sind Schutzhunde, die anderen schnüffeln mit einigem Erfolg nach Drogen, Sprengstoff, lebenden Personen, Leichen oder Geldnoten. Und: In jeder Polizeiregion steht rund um die Uhr jeweils ein Schutzhund zumindest auf Pikett. Sobald auf dem Smartphone von Blade eine Wurst aufleuchtet, geht es los.

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