Die BDP setzt auf bekanntes Fernsehgesicht

Die TeleBärn-Fernsehmoderatorin Michelle Renaud will für die BDP in den Nationalrat. Die Partei hofft auf den Promi-Bonus.

Michelle Renaud – mit Stapi Alec von Graffenried am Wahlabend 2016 – strebt einen Rollenwechsel an.

Michelle Renaud – mit Stapi Alec von Graffenried am Wahlabend 2016 – strebt einen Rollenwechsel an.

(Bild: Peter Schneider)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Jetzt muss die Fernsehprominenz ran: Die BDP hat in einer Medienmitteilung ihr «prominentes Neumitglied» vorgestellt. Es ist die TeleBärn-Moderatorin Michelle Renaud. «Sehr gerne reservieren wir ihr eine Linie für die Nationalratswahlen 2019», heisst es in der Mitteilung. Doch offiziell kann die Partei Renaud noch nicht als Nationalratskandidatin benennen, dafür muss sie zuerst das ordentliche Verfahren durchlaufen. «Doch das ist reine Formsache», sagt Enea Martinelli, Präsident der BDP des Kanton Berns.

Die neue Kandidatin kommt in der Partei gut an: Der Schweizer Parteipräsident Martin Landolt kündigt die Kandidatur über Twitter mit dem Zusatz «Rock ’n’ Roll . . .!» an. Auch Regierungsrätin Beatrice Simon freut sich auf Twitter, dass die «schon starke Truppe der BDP-Frauen (und -Männer) Zuwachs bekommt».

Dass Renaud als aktive Politikerin bisher gänzlich unerfahren ist und bisher nie auch nur in einer Partei Mitglied war, spielt keine grosse Rolle. Denn als Journalistin kenne Renaud die «Mechanismen der Politik bestens», heisst es bei der Partei. Renaud moderierte etwa die letzten Berner Gemeinderatswahlen direkt aus dem Berner Rathaus.

Als bekanntes Gesicht soll sie der serbelnden Partei Stimmen bringen, denn darauf ist die BDP besonders angewiesen. Bei den Nationalratswahlen von 2011 erlebte die Bürgerlich-Demokratische Partei ihren Höhenflug. Sie gewann zu den vier Sitzen fünf weitere Mandate hinzu. Vier Jahre später war der Höhenflug bereits wieder vorbei: Nur noch sieben Sitze konnte die BDP halten. Auch auf kantonaler Ebene erlebte sie 2014 ein Debakel: Der Wähleranteil sank von 16 auf 11 Prozent, fast die Hälfte der Grossratssitze büsste die BDP damals ein.

Auch regional ging es für die Partei in letzter Zeit vor allem abwärts. In Köniz verlor die BDP im September drei ihrer fünf Sitze im Parlament, bei den Berner Stadtratswahlen letztes Jahr waren es vier von sieben Sitzen. Zudem hat die BDP mit dem Rücktritt der Thunerin Ursula Haller, von Bundesrätin Widmer-Schlumpf und von Urs Gasche viele Zugpferde verloren. «Renauds Bekanntheitsgrad verschafft ihr sicherlich einen gewichtigen Vorteil», hofft Martinelli.

TV als politisches Sprungbrett

Der Sprung vom Fernsehen in den Nationalrat gelang auch Matthias Aebischer. Der «Kassensturz»- und «Club»-Moderator sitzt für die SP im Nationalrat, gewählt wurde er 2011 mit einem Glanzresultat. Am Tag nach der Bekanntgabe seiner Kandidatur kündigte er und war am Fernsehen fortan nicht mehr als Moderator tätig. Renaud hingegen will vorläufig weiterhin die Nachrichten auf TeleBärn präsentieren. Der Schritt erfolge in Absprache mit der Geschäftsleitung des Senders, teilt sie mit. Bei einer Wahl zur Nationalrätin würde sie aber nicht weiter moderieren, schrieb Renaud auf Anfrage – sie bestand darauf, die «Bund»-Fragen schriftlich zu beantworten.

Fühlen, wo der Schuh drückt

Die 42-jährige Renaud arbeitet seit 18 Jahren für den Lokalsender TeleBärn. In ihrer Sendung «Renaud Tour» fühlt sie gerne Politikern und Promis auf den Zahn. So ging sie etwa mit Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) ein «Bädli ga zwicke» oder setzte sich mit dem Rocker Jimy Hofer auf den Töff. Weshalb will sie in die Politik? «Für mich war schon seit einigen Jahren klar, dass ich irgendwann versuchen würde, diesen Schritt zu machen», teilt Renaud mit. Als Journalistin habe sie sich öfter die Frage gestellt, ob sie nicht auch selber Verantwortung übernehmen wolle.

Die BDP entspreche ziemlich genau ihrer politischen Einstellung, die Partei stehe in ihren Augen für eine moderne bürgerliche Politik. «Parteien rechts aussen sind mir zu extrem und zum Teil zu diktatorisch. Andere Parteien haben viele EU-Befürworter», schreibt sie. «Meine Aufgabe wird es jetzt sein, mit den Menschen aus dem Kanton Gespräche zu führen, um zu sehen, wo genau der Schuh drückt.» Danach werde sie Lösungen für diese Probleme ausarbeiten.

Der Bund

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