Vom Diakonissenhaus zur Aktiengesellschaft

Heute ist die ambulante Pflege professionell und gesetzlich klar geregelt. Das war früher anders.

Eine Pflegehausbewohnerin in einem Seniorenzentrum hält sich in ihrem Bett an einem Haltegriff fest.

Eine Pflegehausbewohnerin in einem Seniorenzentrum hält sich in ihrem Bett an einem Haltegriff fest.

(Bild: Angelika Warmuth)

Einst kümmerten sich in den kinderreichen Familien die Angehörigen um die Krankenpflege. Zudem gab es christliche Einrichtungen wie das Diakonissenhaus Bern. Im Zuge der Industrialisierung arbeiteten die Männer zunehmend ausser Haus, die Lebenserwartung stieg, die Familien schrumpften. Oft waren es gemeinnützige Frauenvereine, welche die Aufgaben der noch nicht existierenden Sozialversicherungen übernahmen.

Anfangs des 20. Jahrhunderts entstanden in Bern und Zürich erste Krankenpflegeschulen. Wurde in einer Arbeiterfamilie jemand krank, kam in vielen Gemeinden eine diplomierte Krankenpflegerin auf Hausbesuch. Oft waren diese Pflegerinnen bei gemeinnützigen Haus- und Krankenpflegevereinen angestellt, die von den Gemeinden unterstützt wurden. Die Arbeitsbedingen dieser Frauen waren hart: Sie verdienten wenig, hatten lange Arbeitstage und waren sozial schlecht abgesichert.

Es herrschte «Schwesternot»

Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlte es in der Schweiz überall an Arbeitskräften, so auch in der Pflege, wo man von der «Schwesternnot» sprach. Berufstätige Frauen arbeiteten lieber als Sekretärinnen oder Telefonistinnen. Um den Pflegenotstand zu beheben, investierten Bund und Kantone in die Ausbildung. Dabei entstand in vielen Kantonen der Beruf der Hauspflegerin, die sich in Abgrenzung zur Krankenpflegerin vor allem um Haushalt, Kinder und einfache Pflege kümmerte. Der Begriff Spitex, kurz für spitalexterne Pflege, tauchte erst in den 1960er-Jahren auf.

Schweizweite Zunahme

Die Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) von 1996 hatte für die Spitex tief greifende Folgen. Seither ist gesetzlich festgeschrieben, welche Leistungen von den Krankenversicherungen übernommen werden. Für die Restfinanzierung wurden mit den Gemeinden oder Kantonen Leistungsverträge geschlossen, Haus- und Krankenpflege fusionierten. 2016 zählte das Bundesamt für Statistik schweizweit 584 gemeinnützige und 386 gewinnorientierte Spitex-Unternehmen. 2011 waren es laut Statistik noch 627 Gemeinnützige und 226 Private.

Der Bund

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