Verzicht auf neue Freileitung

Die BKW will die alte Stromleitung zwischen Wattenwil und Mühleberg nur sanieren statt neu bauen. 
Anwohner befürchten aber, dass dickere Kabel mit höherer Strahlenbelastung montiert werden.

Eine Interessengruppe möchte, dass die Stromleitungen in die Erde verlegt werden.

Eine Interessengruppe möchte, dass die Stromleitungen in die Erde verlegt werden.

(Bild: Adrian Moser)

Hans Galli

Der Streit ist seit zehn Jahren im Gang und er wird weitergehen. Zwar wird keine Hochspannungsleitung mit 220 Kilovolt Spannung zwischen Wattenwil und Mühleberg gebaut: Die nationale Netzwerkgesellschaft Swissgrid hat gemäss ihrer gestrigen Mitteilung das Projekt aus ihrer Planung für das Jahr 2025 gestrichen.

Weil das alte Atomkraftwerk in Mühleberg 2019 abgeschaltet und kein neues gebaut wird, ist der Neubau offensichtlich nicht nötig. Für die Stromversorgung in der Region bleibt aber die alte, 1949 gebaute 132-Kilovolt-Leitung der BKW in Betrieb. Die BKW prüft, inwieweit diese saniert werden muss.

«Unsere Mitarbeiter marschieren jeden Meter entlang der Leitung ab und prüfen deren Zustand», sagte BKW-Sprecherin Murielle Clerc. «Die BKW nimmt die Anliegen der Bevölkerung ernst und informiert in regelmässigen Abständen über den Stand des Projekts», sagte Clerc.

Vom Ersatz einzelner Masten über eine umfassende Sanierung der Freileitung bis zur Erdverlegung werden laut Clerc alle Varianten geprüft. Die Erdverlegung wäre 1,5- bis 3,5-mal so teuer wie die Erneuerung der Freileitung auf dem bestehenden Trassee. Bei einer grösseren Sanierung und bei einer Erdverlegung wäre ein lange dauerndes Plan­genehmigungs­verfahren nötig.

Angst vor Strahlenverordnung

Fritz Ohnewein, Präsident der Interessengemeinschaft für eine umweltfreundliche Hochspannungsleitung, zeigte sich am Donnerstag erfreut, dass Swissgrid auf den Bau einer 220-Kilotvolt-Leitung verzichtet. «Ohne unseren Kampf hätte die BKW die Leitung längst gebaut», sagte er. Die IG sei ans Bundesgericht gelangt, und dieses habe vor zwei Jahren entschieden, die Erdverlegung müsse geprüft werden.

Das habe Swissgrid nun offenbar bewogen, das Neubauprojekt zu streichen. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh: Die BKW werde vermutlich bei der Sanierung der bestehenden 132-Kilovolt-Leitung dickere Kabel montieren. Dadurch könne bildlich gesprochen mehr Strom durchfliessen, was eine höhere Strombelastung zur Folge hätte.

Die Strahlung übersteige den Grenzwert schon heute an verschiedenen Stellen. Deshalb poche die IG auf die Verlegung der bestehenden Leitung in die Erde, sagt ihr technischer Berater, Hans­ueli Jakob. Wenn die Freileitung auf dem bestehenden Trassee saniert werde, müsse sie zumindest einen grösseren Bogen um die zwölf heute am stärksten belasteten Häuser machen.

Sorgen bereite der Interessengemeinschaft die vom Bundesrat geplante Revision der Verordnung über nichtionisierende Strahlung (NISV), sagt Jakob weiter. Die Mobilfunkunternehmen monieren seit Jahren, die Grenzwerte in der Schweiz seien viel tiefer als im Ausland. Das verteuere die Mobiltelefonie. Der Bundesrat will deshalb die Verordnung anpassen und die Grenzwerte erhöhen.

Aber nicht nur die ­Mobilfunkantennen dürften gemäss der neuen NISV künftig mehr strahlen, sondern auch die Stromleitungen. Die bereits heute bestehenden Überschreitungen würden legalisiert, und es wären stärkere Leitungen möglich, sagt Jakob.

«Wir werden bei National- und Ständeräten lobbyieren, um die Lockerung der NISV zu verhindern», sagt IG-Präsident Ohnewein. Er wehre sich nicht gegen die Sanierung der Leitung Wattenwil–Mühleberg, denn die Region brauche Strom, sagt er. Aber die Gesundheit der Bevölkerung dürfe nicht gefährdet werden. Deshalb komme letztlich nur die Erdverlegung auf einem neuen Trassee infrage.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt