Versteuern oder nicht? Berns SP in Wahlkampfpanik

Alt-SP-Parteichef Helmut Hubacher kritisiert Margret Kiener Nellens Steuergeschichte scharf. Nun profiliert sich Matthias Aebischer dafür als Supersteuerzahler.

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Marcello Odermatt@cellmob

«Wer viel Geld hat, macht Dummheiten», sagte am Wochenende in der «SonntagsZeitung» der ehemalige, langjährige Präsident der SP Schweiz, Helmut Hubacher. Und meinte damit ausgerechnet seine Parteikollegen im Bundeshaus. Nicht nur die in der letzten Woche wieder aktuell gewordene Zweitwohnung von SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer (BL) bringt den 88-jährigen Sozialdemokraten in Rage, sondern auch die im letzten Jahr bekannt gewordene Steuergeschichte der Berner Nationalrätin Margret Kiener Nellen. Hubacher: «Es ist keine Glanzleistung, wenn man privat das Gegenteil von dem macht, was man politisch fordert. Ich ärgere mich gottlos über solche Fehler und Dummheiten. Das gilt übrigens auch für die Steueroptimierung von Margret Kiener Nellen.» Für Hubacher ist klar, dass die Berner SP die Konsequenzen hätte ziehen müssen. Bekanntlich ist Kiener Nellen trotz parteiinternem Widerstand bereits für die nächsten Nationalratswahlen vom Herbst wieder nominiert worden. Hubacher dazu: «Ich hätte sie nicht mehr aufgestellt», sagt er, immerhin habe sie «bereits einmal für negative Schlagzeilen» gesorgt, so der Parteidoyen mit Bezug auf die Mietaffäre von 2006. Die hubachersche Schelte dürfte wohl weder Kiener Nellen noch die SP Bern gross freuen, der Wahlkampf hat begonnen. Einfach wird das nicht.

Aebischers Sorge um die Moral

Kein Wunder, geht da ein anderer Berner Nationalrat lieber auf Nummer sicher und legt sogar noch was drauf, um sein Image für den Wahlkampf aufzupolieren. Wie der «Blick» am Samstag berichtete, verzichtet der Ex-TV-Moderator auf legale Steuerabzüge in der Höhe von mehreren Tausend Franken, weil er Moral-Angriffe wie bei Kiener Nellen befürchtet. «Ich dürfte fürs Jahr 2014 einen grösseren Umbau geltend machen», sagte er. Doch er habe seinen Steuerberater angewiesen, nur einen Teil des Abzugs geltend zu machen. Denn sonst hätte er dem Staat fast nichts mehr abliefern müssen – ganz legal.

Nun, obs Aebischer nützt, wird sich am 18. Oktober zeigen. Die Konkurrenz bei FDP und SVP zumindest applaudiert. Für manche Berner Wähler und Wählerinnen dürfte der Entscheid, die Steuern zu optimieren oder sie gratis dem Staat zu schenken, ohnehin eine gänzlich abwegige Frage sein. Erst kürzlich flatterte die erste Steuerrate wieder ins Haus. Aufgrund der Sparbeschlüsse des bernischen Kantonsparlaments sind neuerdings ja für all diejenigen, die sich nicht gerade einen Hausumbau gönnen oder sich mit einem hohen Betrag in eine Pensionskasse einkaufen wollen, grundsätzlich weniger Steuerabzüge möglich.

Der Bund

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