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Vergleich der Französischlehrmittel wird knapp abgelehnt

Der bernische Grosse Rat will keinen Vergleich des alten und des neuen Lehrmittels, weil diese unterschiedliche Ansätze verfolgten.

Der bernische Grosse Rat hat sich gegen den Vergleich des alten und des neuen Französischlehrmittels ausgesprochen.
Der bernische Grosse Rat hat sich gegen den Vergleich des alten und des neuen Französischlehrmittels ausgesprochen.
Manu Friederich

Beim Französischunterricht in den Berner Schulen gibt es keine Kehrtwende. Der bernische Grosse Rat hat am Mittwoch Forderungen aus den Reihen der Bürgerlichen abgelehnt, die direkt oder indirekt auf eine Rückkehr zu alten Lehrmethoden und Lehrmitteln abzielten.

Ganz knapp sprach sich der Grosse Rat gegen einen wissenschaftlichen Vergleich des alten und des neuen Französischlehrmittels im Kanton Bern aus. Gefordert hatten ihn Grossrätinnen und Grossräte aus SVP und FDP.

Ein solcher Vergleich wäre schwierig, da die beiden Lehrmittel unterschiedliche Ansätze verfolgten, befand letztlich der Rat mit einer Stimme Differenz.

Hemmungen abbauen

Warum denn die Grossrätinnen und Grossräte nicht mehr Französisch sprechen würden, obschon sie es in der Schule ja gelernt hätten, stellte Bruno Vanoni von den Grünen die Gretchenfrage. Mit dem Berner Chansonnier Mani Matter vermutete er: «Wil si Hemmige hei».

Die alten Lehrmittel hätten zwar mehr Kompetenzen in Grammatik und Wortschatz vermittelt, doch getrauten sich die meisten aus Angst vor Fehlern nicht zu sprechen. Mit der neuen Didaktik und den dazugehörigen Lehrmitteln soll genau das verhindert werden.

Doch Kompetenzen wie ein freudvoller Umgang mit Sprache seien eben nur schwer zu messen. Man würde Äpfel mit Birnen oder eben «pommes et poires» vergleichen, wie es der bernjurassische Grossrat und Lehrer Pierre Gasser (PSA) formulierte.

Kurskorrekturen

Auch Erziehungsdirektor Bernhard Pulver riet von einem Vergleich ab. Ein solcher würde wohl kein klares Resultat liefern. In manchen Kompetenzen wären die Schülerinnen und Schüler besser, in anderen schlechter als vorher.

Pulver verwies ausserdem auf geplante Evaluationen. Der Kanton Bern hat sich 2006 mit weiteren fünf Kantonen entlang der deutsch-französischen Sprachgrenze im Projekt Passepartout zusammengeschlossen. Dieses hat die Vorverlegung und Erneuerung des Französisch- und Englischunterrichts zum Ziel.

Im Rahmen von Passepartout sind verschiedene Evaluationen geplant. Wenn nötig, würden am eingeschlagenen Kurs Korrekturen vorgenommen, versprach Pulver.

Der Erziehungsdirektor warnte das Parlament vor einer «Hüst- und-Hott-Politik». Es wäre politisch heikel, wenn der zweisprachige Kanton Bern die Sprachenstrategie des Bundes und das Harmos-Konkordat durchkreuzen würde.

Neben positiven habe es auch kritische Rückmeldungen zur neuen Methode und den neuen Lehrmitteln gegeben, räumte der Regierungsrat in seiner schriftlichen Antwort auf den Vorstoss ein.

Ende Juni hatten die Passepartout-Kanton angekündigt, dass sie nachsitzen wollen. Künftig soll die Grammatik wieder mehr Stellenwert erhalten im Französischunterricht.

Vorwärts in die Vergangenheit?

Er wolle nicht zwei verschiedene Systeme vergleichen, sondern nur die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler nach sieben statt fünf Jahren Französischunterricht. Das sei nicht zu viel verlangt nach einer solch teuren Übung, verteidigte hingegen Donat Schneider den Vorstoss.

Die Forderungen seien geprägt von einem grundsätzlichen Misstrauen und wollten das Frühfranzösisch in Frage stellen, vermutete Christine Grogg von der EVP. Ein Rückschritt in die Vergangenheit sei nicht zwingend ein Schritt in die Zukunft, gab BDP-Grossrat Daniel Schwaar zu bedenken.

Ein Schritt in die Vergangenheit sei eben manchmal durchaus ein Schritt in die Zukunft, befand hingegen Hans-Peter Kohler von der FDP.

Er verlangte in seinem Vorstoss, dass der Französischunterricht wieder vermehrt auf Wortschatz und Grammatik setzen soll, statt den Kindern das Erlernen einer Fremdsprache selbstorganisiert und spielerisch zu überlassen. Zudem müsse der Kanton die aktuellen Lehrmittel ersetzen, allenfalls durch das ausrangierte «Bonne Chance».

Mit der neuen Lernmethode wiesen Schülerinnen und Schüler einen «massiv tieferen Ausbildungsstand» auf als in den vorigen Jahren, kritisierte Kohler. Er forderte ausserdem, dass der Kanton ein Gutachten an universitäre Sprachwissenschaftler in Auftrag gibt, um die aktuellen Unterrichtsformen zu beurteilen.

Die Forderung nach mehr Grammatik und Wortschatz schrieb das Parlament als erfüllt ab. Die Kritik sei angekommen und Massnahmen eingeleitet. Die übrigen Forderungen, namentlich eine Rückkehr zum alten Lehrmittel, lehnte der Rat ab.

SDA/msl

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