«Zu dominant» soll die Arena nicht werden

Eine überdachte Sportanlage hoch über Sense und Schwarzwasser – und unmittelbar an der Grenze zum Naturschutzgebiet: Diese Vision verfolgt die Schwarzburger Behörde. Frei von kniffligen Fragen ist das Vorhaben nicht.

Die Pläne beinhalten nicht bloss eine Überdachung des Eisfelds, ein ganzes Freizeitzentrum soll in Schwarzenburg entstehen.

Die Pläne beinhalten nicht bloss eine Überdachung des Eisfelds, ein ganzes Freizeitzentrum soll in Schwarzenburg entstehen. Bild: Adrian Moser

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Es ist ein eisiges Thema, das die Region nicht kaltlassen wird: Die Gemeinde Schwarzenburg will die planungsrechtliche Grundlage für eine veritable Eissportarena bei der Schwarzwasserbrücke legen. Sie will sehr bald vorlegen, welche neuen Sonderbauvorschriften sie für das unmittelbar ans Naturschutzgebiet grenzende Gebiet vorschlägt. Das bestätigte dem «Bund» der Schwarzenburger Gemeinderat Andreas Kehrli (FDP). Kehrli betont, noch gehe es keineswegs ums konkrete Projekt, sondern um raumplanerische Vorarbeiten. Gleichwohl habe die ganze Sache auch den Charakter eines «Rettungsankers».

Der Ort ist tatsächlich schon heute eine Adresse für jene, die sich gern aufs Glatteis begeben. Nur ist die im Winter betriebene Freilufteisbahn nicht frei vom Flair des Improvisierten. Sie hat ihre technischen Tücken. So gab der Eismeister letzten Herbst zu Protokoll, die Eisproduktion verzögere sich, und der Saisonbeginn werde hinausgeschoben. Auf der Eisbodenplatte wurden im Oktober Temperaturen von 20 bis 30 Grad gemessen. Entstehe eine Halle, vermöge dies die beliebte, aber permanent gefährdete Anlage zu retten, sagt Kehrli.

Mehr als Halle: Eine Arena

Für die Zukunft denkt Schwarzenburg zumindest punkto Namensgebung in grösseren Dimensionen: Auf Stätten wie Postfinance-Arena (Bern) und Tissot-Arena (Biel) soll nun hoch über Sense und Schwarzwasser die Gantrisch-Arena folgen. Das macht klar, dass mehr angedacht ist als die blosse Überdachung des heutigen Eisfelds: Auf dem Boden der beiden Gemeinden Schwarzenburg und Köniz soll der Bau einer übers ganze Jahr nutzbaren Sportstätte ermöglicht werden. Ohne Sommernutzung sei der Bau der Arena «aus wirtschaftlichen Gründen undenkbar», unterstreicht Kehrli. Angedacht ist etwa, die Gantrisch-Arena mit einer Unterkunft zu versehen – als Ort für Sportlager. Seitens der Eishockeyaner wird der Wunsch nach sommerlichem Inline-Skating geäussert. Und diskutiert wird, die Arena als sommerliche «Eventlocation» zu planen. Es fallen Stichworte wie Ausstellungen, Feste und Bankgeneralversammlungen.

Die Bauruine im Grünen

Die Debatte wäre banal, wäre der Ort des Geschehens nicht eine Insel im Grünen, direkt angrenzend ans Naturschutzgebiet Sense/Schwarzwasser, ein Auenschutzgebiet von nationaler Bedeutung. Auch der gesetzliche Waldabstand ist Thema. Kehrli bestätigt, dies führe zu besonderen Herausforderungen: «Die Arena darf nicht zu dominant werden. Man muss in die Tiefe bauen.» Neue Parkplätze werde man «so weit wie möglich ins Bauvolumen integrieren». Deshalb sei eine Tiefgarage unter der Halle geplant. Wegen der kniffligen Lage des Orts haben die Behörden bei der Erarbeitung des Richtprojekts die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz beigezogen, sagt Kehrli.

Die kritische Nähe zum Auenschutzgebiet erfordert eine Geschichtslektion: Möglich sind die Gantrisch-Arena-Visionen letztlich nur wegen einer raumplanerischen Sünde des Bundes. Vor Jahrzehnten hatte sich dieser dort den Bau und Betrieb eines Erdölpflichtlagers erlaubt. Kehrli: «Das war ein unschöner Anblick.» In den 1990er-Jahren wurden die mächtigen Tanks zurückgebaut. Nur die Betriebsgebäude und die gewaltige Auffangwanne aus Beton blieben übrig: Auf deren Boden wird die heutige Eisbahn betrieben.

Die grauen Tanks hinten im Bild galten als «raumplanerische Sünde». (Bild: Archiv)

Mathias Rickli sitzt als Vertreter der Blackwater Rangers im Betriebsverein der heutigen Eisbahn – und als Grüner im Könizer Gemeindeparlament. Er zählt dort zu den Supportern der Sportstätte und verweist aufs ökologische Argument für die Überdachung der Anlage: In einer Halle lasse sich viel energieeffizienter Eis erzeugen. Erst so könnten Clubs über die ganze Saison auf heimischem Eis spielen. Zudem sei es «durchaus richtig, nicht immer alles in der Stadt zu konzentrieren, zumal die Anlage so direkt mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen ist wie kaum eine andere Eisbahn».

Tatsächlich liegt die Bahnstation Schwarzwasserbrücke gleich neben der Eisbahn. Wie hält es der grüne Politiker mit der kritischen Nähe zum Naturschutzgebiet? Rickli sieht es pragmatisch: Selbstverständlich sei der Ort keiner, wo man aus heutiger Sicht den Bau einer Sportanlage in Erwägung ziehen würde. Nur liege der konkrete Fall – wegen des einstigen Tanklagers – anders. In den Ruinen der fragwürdigen Bauten von damals etwas Zukunftsträchtiges zu planen, erachtet er als «sicher nicht falsch». Nicht alle sehen das so. Der Grundtenor der Kritiker: Es bestehe keine Notwendigkeit, auf den Fauxpas von damals – dem Bau der Tanklager – nun einen neuen raumplanerischen Fauxpas folgen zu lassen.

Transporteur profitiert mit

Doch auf dem ehemaligen Tanklagerareal verkehren nicht nur Hockeyaner. Auch das aus zonenrechtlicher Sicht nur provisorisch geduldete Transportunternehmen Zbinden Transporte AG hat dort einen seiner Standorte und nutzt die Betriebsgebäude des ehemaligen Tanklagers. Die Firma ist beteiligte Grundeigentümerin und muss fürs Eishallenprojekt ins Boot geholt werden, sagt Kehrli. Schwarzenburg will deshalb mit der aufgegleisten Zonenplanänderung auch diesem Betrieb die Zukunft sichern und ihn zonenrechtlich legitimieren. Bei den Eishallenbefürwortern hält sich die Begeisterung darüber in Grenzen. Kommentieren mag etwa Rickli diese Verquickung nicht: «Unser Anliegen ist einzig, die Entwicklung und somit die Zukunft der beliebten Sport- und Freizeitanlage zu sichern.»

Der Einbezug der Transportfirma mit ihrem derzeit prekären zonenrechtlichen Status lässt gleichzeitig die Enthusiasten träumen. Sie denken sich die Gantrisch-Arena gross, sehr gross, und beziehen das Areal der Transportfirma in ihre Überlegungen ein: Werde genügend gross angerichtet, gebe es nebst dem regulären Hockeybetrieb auch stets genug Eis fürs freie Eislaufen. Den wesentlichen limitierenden Faktor benennt aber Kehrli: «Noch ist die Finanzierung nicht gesichert.» (Der Bund)

Erstellt: 12.07.2018, 06:24 Uhr

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