Unia befürchtet Ausschreitungen in Gstaad

Die Gewerkschaft hat den geplanten Protest im Saanenland gegen die Pauschalbesteuerung abgesagt.

Die Unia sagte ihr Protestpicknick in Gstaad am Freitag ab – nach Drohungen von Seiten der Initiativgegner, wie die Unia behauptet. (Archivaufnahme)

Die Unia sagte ihr Protestpicknick in Gstaad am Freitag ab – nach Drohungen von Seiten der Initiativgegner, wie die Unia behauptet. (Archivaufnahme)

(Bild: Franziska Scheidegger)

Im Abstimmungskampf um die Initiative «Faire Steuern – für Familien», welche unter anderem die Abschaffung der Pauschalbesteuerung verlangt, verhärten sich die Fronten im Saanenland. Am Freitag sagte die Unia ihr Protestpicknick ab, nachdem es zu Drohungen gekommen sei. Das schreibt sie in einer Medienmitteilung. Die Unia wolle damit verhindern, dass es durch die von «Chaletkönig» Marcel Bach lancierte Gegenveranstaltung zu Auseinandersetzungen komme.

Ursprünglich hatte die Unia eine Demonstration durch Gstaad geplant, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Die lokalen Behörden bewilligten diese nicht in der gewünschten Form, worauf die Unia ihr Demonstrationsgesuch zurückzog und zu einem Protestpicknick aufrief. Die von der Gemeinde alternativ vorgeschlagene Demonstrationsroute mitten durchs Dorf lehnte die Gewerkschaft ab, da sie nicht ihren Vorstellungen entsprach. Inzwischen hatte der Saaner Immobilienhändler Marcel Bach in einem Leserbrief im «Anzeiger von Saanen» zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Gestern widerrief er diese und lud Einheimische und Pauschalbesteuerte zu einem Apéro in ein Restaurant ein. Laut Veranstalter werden zwischen 500 und 1000 Gäste erwartet.

Schwere Vorwürfe

Die Anschuldigungen, welche die Unia nun gegen die Initiativgegner aus Saanen erhebt, sind heftig: «De facto unter Androhung von Repression gegen die Teilnehmenden» würden die Wanderung und das Picknick in Gstaad «verunmöglicht», schreibt die Unia in einer Medienmitteilung. Unter anderem bezieht sie sich dabei auf Bachs Aussage im gestrigen «Bund», wo er sich laut Unia «nicht explizit von Gewalt distanziert». Bach hatte dem «Bund» gesagt, falls Demonstranten Sachbeschädigungen begingen oder Leute angriffen, werde man das nicht dulden. Wenn das eintrete, «müsse man spontan schauen». «Ich habe dabei nie von Gewalt gesprochen», wehrt sich Bach gegen den Vorwurf der Unia.

«Eine Reihe von Vorkommnissen» hat laut Udo Michel, Regioleiter der Unia Berner Oberland, schliesslich zur Absage der Protestaktion geführt. In einem an die Unia gerichteten Mail, das dem «Bund» vorliegt, schreibt ein Initiativgegner, dass die Unia in Gstaad mit der «nötigen Verachtung» empfangen werde. «Mit dieser gesamten Stimmung kommt gefühlter Hass entgegen, wie ich ihn in meinen 25 Jahren als Gewerkschaftssekretär nie erlebt habe», erklärt Michel.

In Saanen nicht willkommen

Dass die Gewerkschaft in Saanen zurzeit mit ihren Anliegen zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung nicht willkommen ist, bestätigt auch Bach, der Organisator der Gegenveranstaltung: «Wir finden, die Unia hat hier oben nichts verloren.» Der Immobilienhändler kämpft an vorderster Front für die Beibehaltung der Pauschalbesteuerung und gegen die Initiative. «Wir suchen keine Burschen, die Radau machen und die Leute verunsichern.» Mit anonymen Drohungen habe er aber nichts am Hut. In Saanen habe man grundsätzlich ein gutes Verhältnis zwischen Arm und Reich, Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Deshalb sei man nicht begeistert, wenn die Unia nach Saanen komme. «Ich finde, sie können ihre Standpunkte vertreten, ohne unsere Gäste zu stören.»

Aldo Kropf, der Gemeindepräsident von Saanen, hat durch die Medien von der Absage des Unia-Picknicks erfahren. Trotz der Absage werde man in Saanen aber ein wachsames Auge haben, auch wegen eventueller Splittergruppen, sagte Kropf auf Anfrage. Die Kantonspolizei sei informiert.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt