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Uneinigkeit in der Pestizid-Frage

Welche Folgen die Gifte auf die Umwelt haben, ist umstritten – sogar innerhalb der Bundesverwaltung.

Schweizer Fliessgewässer sind anhaltend von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden belastet. Welcher Schaden dabei angerichtet wird, ist aber auch in der Wissenschaft umstritten.
Schweizer Fliessgewässer sind anhaltend von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden belastet. Welcher Schaden dabei angerichtet wird, ist aber auch in der Wissenschaft umstritten.
Franziska Rothenbühler

Schweizer Fliessgewässer sind anhaltend von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden belastet, welche die Artenvielfalt im Wasser gefährden. Das zeigt eine im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (Bafu) erstellte und am 4. April 2017 veröffentlichte Studie zu fünf Schweizer Bächen. Die gesetzlichen Anforderungen an die Wasserqualität werden nicht eingehalten.

Eine der Autorinnen, Marion Junghans vom Oekotoxzentrum Eawag-EPFL, sagt: Die Biodiversität gehe zurück, weil die Gewässer mit Pestizid belastetet seien. «Die meisten Schädlinge sind keine Wirbeltiere so wie wir, sondern Pflanzen, wirbellose Tiere und Pilze.» Fische sind als Wirbeltiere von Pflanzenschutzmitteln zwar nicht direkt betroffen, aber gemäss Junghans indirekt, «weil ihre Nahrungsquelle, die Kleinstlebewesen, die im Wasser leben, durch die Belastung aussterben».

Seriöse Beurteilung unmöglich?

Auch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bestätigt das Problem, dass Gewässer durch die Abschwemmung von Pestiziden verunreinigt werden. Wie giftig die einzelnen Wirkstoffe in ihrer Konzentration für Wasserorganismen jedoch sind, beurteilt das BLW anders.

Das BLW findet die vom Bafu ermittelten Messwerte nicht gänzlich nachvollziehbar, wie es in einer Stellungnahme zur Studie schreibt. «Um ein mögliches Risiko für aquatische Lebewesen zu erkennen, müssen die gemessenen Konzentrationen mit wirkstoffspezifischen Eigenschaften verglichen werden», fordert das BLW weiter.

Auch die alternative Landwirtschaftsorganisation Vision Landwirtschaft hält in einer Studie fest: Die Wissenschaft sei «weit davon entfernt, seriös beurteilen zu können», welche Gefahren und Schäden «vom hohen und permanenten (. . .) Einsatz unzähliger Pestizidwirkstoffe ausgehen».

Dies zeigten auch verschiedene Beispiele. So würden regelmässig Pestizide, die jahrelang zugelassen und als unproblematisch angesehen wurden, plötzlich vom Markt genommen – wie Atrazin. Dieses ist schon lange verboten, aber noch immer in Bächen und Böden zu finden. Ein weiteres Beispiel ist der Wirkstoff Glyphosat, bei dem die Wissenschaft sich immer noch streitet, ob er krebserregend ist oder nicht.

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