Unbekannter Wolf streift durchs Diemtigtal

Bei dem neuen Wolf könnte es sich um ein Jungtier handeln, das sich im Kanton Bern sein eigenes Revier sichern will. Der Gemeindepräsident von Diemtigen zeigt sich besorgt.

Ein Wolf aus dem Kanton Tessin zerlegt seine Beute.

Ein Wolf aus dem Kanton Tessin zerlegt seine Beute. Bild: Keystone

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Eine Speichelprobe zeigt: Ein bisher unbekannter Wolf ist im Kanton Bern aufgetaucht, wie aus einer Medienmitteilung des Kantons Bern hervorgeht. Im Diemtigtal wurde am 12. Januar ein gerissenes Reh gefunden und daraufhin im Labor untersucht. An dem toten Tier sei unbekannte Wolfs-DNA gefunden worden, bestätigt Jagdinspektor Niklaus Blatter. Der neue Wolf, bei dem es sich um ein männliches Tier handelt, ist das bisher dritte identifizierte Tier im Kanton Bern in den letzten zwei Jahren.

Auf der Suche nach eigenem Territorium

«Im Diemtigtal gab es bisher keine Hinweise auf Wölfe», sagt Florin Kunz vom Schweizer Zentrum für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora) . Die DNA-Probe an dem gerissenen Reh decke sich zudem mit keinem bekannten DNA-Material eines Wolfs in der Schweiz. «Es könnte sein, dass es sich bei dem Wolf um ein jüngeres Tier handelt, das Ausschau hält nach einem eigenen Territorium», so Kunz.

Ob der unbekannte Wolf jedoch noch durch bernische Gefilde streift, ist laut Kunz fraglich. «Wölfe legen während der Nacht bis zu dreissig Kilometer zurück.»

Kein Junges des Wolfspärchens vom Jaunpass

Im Oktober 2016 wurde im Kanton Bern erstmals ein Wolfspärchen zwischen Jaunpass und Schwarzsee gesichtet («Der Bund» berichtete). Der Wolfsexperte David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz sagte damals gegenüber dem «Bund», er könne sich gut vorstellen, dass die beiden Wölfe Familie gründeten. Dieser Meinung ist er auch heute noch: «Erst vor einer Woche wurden die beiden gemeinsam fotografiert», so Gerke.

Dass es sich bei dem neu identifizierten Wolf um ein Junges der beiden handeln könnte, sei jedoch auszuschliessen: «Normalerweise beginnt im Februar und März die Fortpflanzungszeit der Wölfe. Geboren werden kleine Wölfe dann zwischen April und Mai», sagt Gerke.

Der Wolfsexperte vermutet, dass es sich um ein etwa zweijähriges Jungtier handelt, das aus dem Kanton Graubünden, Italien oder Frankreich kommt. Eine spannende Frage bleibt jedoch: Handelt es sich um den gleichen Wolf, der vergangene Woche in Bulle im Kanton Freiburg gesichtet wurde? «Rein von der Entfernung wäre es möglich. Die Laborergebnisse aus Freiburg sind jedoch noch nicht ausgewertet», so Gerke.

«Es könnte eine schwierige Situation werden»

Der Gemeinderatspräsident von Diemtigen, Martin Wiedmer, zeigt sich über die Neusichtung in der Region beunruhigt: «Diemtigen ist die grösste alpwirtschaftliche Gemeinde der Schweiz. Künftig könne die Situation durch den Wolf schwierig werden», so Wiedmer.

Die Nachricht wird auch andernorts nicht nur positiv aufgenommen. Ob es sich bei dem Wolf um ein bekanntes oder unbekanntes Tier handelt, interessiert den Präsidenten des Schafzuchtverbands Oberwil, Arthur Kauer, nicht. Er lässt seine Schafe im Sommer unweit des Diemtigtals weiden. «Jeder Wolf ist zu viel», so Kauer.

Seit Jahren habe man «Wolfsdruck» von der Westschweiz her. Herdenschutzmassnahmen seien sehr aufwendig und nicht überall machbar, sagt Kauer. «Wir können und wollen auf Dauer nicht mit dem Wolf zusammenleben.»

Drei Wolfsrudel in der Schweiz

Laut Kunz gibt es in der Schweiz zurzeit drei registrierte Wolfsrudel. «Bis vor zwei Jahren war das Rudel im Kanton Graubünden das einzige. Dann siedelten sich im Tessin und letztes Jahr im Wallis zwei weitere Rudel an», so Kunz. Zusammen mit den einzelgängerischen Wölfen konnten in der Schweiz in den letzten zwei Jahren insgesamt 34 Wölfe nachgewiesen werden.

Viele Jungwölfe wandern nach dem Erreichen ihrer Geschlechtsreife, zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahr, vom Rudel ab, um einen anderen Wolf zu finden und eine Familie zu gründen. So könnte es auch der nun im Diemtigtal entdeckte Wolf getan haben. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.02.2017, 14:04 Uhr

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