Zum Hauptinhalt springen

Umweltverbände sind gegen eine dritte Juragewässerkorrektion

Umweltverbände kritisieren eine dritte Juragewässerkorrektion. Der Bau von Bewässerungstunnels und neuen Kanälen sei nicht nachhaltig.

Bernhard Ott
Während der zweiten Juragewässerkorrektur 1862-1873 wird der Zihlkanal verbreitert (Archivbild).
Während der zweiten Juragewässerkorrektur 1862-1873 wird der Zihlkanal verbreitert (Archivbild).
zvg

Ein neuer Kanal im Grossen Moos, ein Bewässerungstunnel vom Neuenburgersee in die Broye-Ebene sowie Terrainanpassungen im Grossen Moos: Ein Komitee mit Persönlichkeiten aus fünf Kantonen hat im Drei-Seen-LandGrosses vor, um den Gemüseanbau auch in Zukunft zu sichern. So soll auf Bundes- und Kantonsebene lobbyiert werden, um insgesamt eine Milliarde Franken lockerzumachen. Auftaktanlass ist eine Landsgemeinde Mitte November in Murten, zu der auch die Umweltverbände eingeladen sind.

Diese haben zwar Verständnis für die Nöte der Gemüsebauern in Zeiten zunehmender Trockenperioden. Sie stehen dem Vorhaben jedoch kritisch gegenüber. «Man muss zum Gemüseanbau Sorge tragen», sagt Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung für Landschaftsschutz. In der Schweiz stelle der Gemüseanbau eine wichtige Alternative zur «fleischhaltigen Landwirtschaft» dar. Zur Sicherstellung der Bewässerung gebe es aber keine rein ingenieurstechnische Lösung. «Der Bau von Bewässerungstunnels und neuen Kanälen ist nicht nachhaltig.» In diesem Sinn sei der Begriff Juragewässerkorrektion unangebracht, und die geforderte Investition von einer Milliarde Franken sei «völlig übertrieben», sagt der Landschaftsschützer.

«Wir sind nicht im Jahr 1951»

Rodewald bestreitet nicht, dass angesichts trockener Sommer und absinkender Torfböden etwas unternommen werden muss. Ansonsten drohe der Bau neuer Treibhausanlagen oder ein «zweites Galmiz», wie der Landschaftsschützer unter Anspielung auf die einstigen Pläne zur Ansiedlung eines amerikanischen Pharma-Unternehmens in der Region sagt. Massnahmen zur Sicherstellung der Bewässerung müssten aber auf vorhandenen Ressourcen aufbauen. Hinweise darauf enthalte das nationale Forschungsprogramm «nachhaltige Wassernutzung», worin etwa der Anbau neuer Kulturen oder die Entwicklung wassersparenderer Bewässerungssysteme empfohlen werde, wie sie zurzeit von der Berner Fachhochschule entwickelt würden (siehe Haupttext). «Der Weg zu einem klimagerechten Gemüseanbau ist noch weit», sagt Rodewald.

Radikaler ist die Haltung von Pro Natura Bern. Sie habe zwar Verständnis für die Nöte der Gemüsebauer im Drei-Seen-Land, sagt Präsidentin Verena Wagner. Die Landwirtschaft dürfe aber nicht nur die Produktion, sie müsse auch den Erhalt der Artenvielfalt zum Ziel haben, wie dies im Aktionsplan Biodiversität des Bundes festgelegt sei. Die Biodiversität werde in den Plänen für eine neue Juragewässerkorrektion bisher aber nicht explizit erwähnt. «Wir sind im Jahr 2018 und nicht im Jahr 1951», sagt Wagner unter Anspielung auf die zweite Juragewässerkorrektion.

Auch die Berner Regierung steht einer dritten Auflage eher zurückhaltend gegenüber. Auf einen Vorstoss von Jakob Etter (BDP) antwortete sie jüngst, dass die kantonsübergreifende Realisierung eines Grossprojekts in Abstimmung mit dem Bund «nicht in jedem Fall zweckmässig und zielführend» sei, auch aus Sicht der Kantonsfinanzen. Christian Hofer, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft und Natur, weist in einem Referat auf laufende Projekte des Kantons zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und des Wassermanagements in der Region hin. Dabei gehe es etwa um die Kartierung von 6000 Hektaren Boden. «Solide wissenschaftliche Grundlagen» seien zentral, um allfällige Massnahmen zu definieren, sagt Hofer.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch