Umstrittenes Comeback in der SVP

Die Rückkehr des einstigen Fraktionschefs Roland Jakob löst in der SVP Stadt Bern Unmut aus. Jakob sorgte in seinem Beruf als Malermeister mit finanziellen Unregelmässigkeiten für Schlagzeilen.

Roland Jakobs erneute politische Ambitionen sorgen bei seinen SVP-Parteikollegen für Unruhe.

Roland Jakobs erneute politische Ambitionen sorgen bei seinen SVP-Parteikollegen für Unruhe. Bild: Franziska Scheidegger (Archiv)

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In der SVP Stadt Bern ist Feuer im Dach. Grund dafür ist das Nachrutschen von Ex-Fraktionschef Roland Jakob ins Stadtparlament. «Für die SVP ist es nicht gut, wenn Jakob das Amt annimmt», sagt Fraktionskollege Henri-Charles Beuchat. Jakob habe viele ungelöste Probleme, sagt Beuchat unter Anspielung auf die Negativschlagzeilen, für die Jakob in seiner beruflichen Tätigkeit als Malermeister gesorgt hatte. «Wie will einer glaubhaft Politik betreiben, wenn er selber im Sumpf steht?», fragt Beuchat. Jakob sei in den letzten Wahlen aus dem Stadtrat abgewählt worden. «Das ist ein klares Signal der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. An Jakobs Stelle würde ich auf das Mandat verzichten.» Jakob rutscht für Stadtrat Roland Iseli nach, der aus der Stadt Bern wegzieht, weil er in der unteren Gantrischhütte wirten möchte.

Firma aus Register gelöscht

Jakob verweist darauf, dass die Wählenden und nicht die Journalisten bestimmen könnten, wer im Berner Stadtparlament Einsitz nehme. Im Übrigen wolle er zu den alten Geschichten nicht mehr Stellung nehmen.

Malermeister Jakob geriet erstmals vor sieben Jahren in die Schlagzeilen, als die Gewerkschaft Unia ihm vorwarf, AHV-, Suva- und Pensionskassengelder unterschlagen und einem Angestellten zu wenig Lohn ausbezahlt zu haben. Jakob stritt die Anschuldigungen weitgehend ab, gab aber Ausstände zu und beteuerte, diese begleichen zu wollen.

Vor zwei Jahren schliesslich stand die Malerei Jakob GmbH im Fokus einer «Kassensturz»-Sendung. Drei Stockwerkeigentümer einer Liegenschaft in Herrenschwanden warfen dem Malermeister «Pfusch» vor und machten einen Schaden von 50'000 Franken geltend. Gegenüber dem «Bund» sagte Jakob, dass er sich mit den Eigentümern auf einen Vergleich geeinigt habe, der nun zu Unrecht wieder aufgerollt werde. Er habe sämtliche Forderungen aus dem Vergleich erfüllt. Ebenfalls 2016 machte die «Berner Zeitung» publik, dass Jakob einem Lehrling monatelang den Lohn vorenthalten habe.

«Wie will einer glaubhaft Politik betreiben, wenn er selber im Sumpf steckt?»Henri-Charles Beuchat
SVP-Stadtrat

Er habe ihn erst wieder ausbezahlt, nachdem der Lehrling sich bei der Lehraufsichtsbehörde beschwert habe. Gegenüber der Zeitung nahm Jakob damals nicht Stellung. Die Malerei Jakob GmbH ist mittlerweile Geschichte: Sie ist am 13. März 2017 aus dem Handelsregister gelöscht worden, «weil die Gesellschaft keine Geschäftstätigkeit mehr aufweist und keine verwertbaren Aktiven mehr hat», wie im «Handelsamtsblatt» zu lesen ist. Als im Jahre 2011 erstmals Vorwürfe zu Jakobs Geschäftstätigkeit publik wurden, sagte dieser gegenüber der «Berner Zeitung»: «Andere lassen in einer solchen Situation ihre GmbH hopsgehen und fangen neu an, ich nicht.»

Zu einem gerichtlichen Urteil gegen die Malerei Jakob GmbH oder Jakob selber ist es in all den Jahren nie gekommen. Im Stadtrat war Jakob einer der härtesten Kritiker der rot-grünen Ausgaben- und Sozialpolitik – und ein Kämpfer für Ruhe und Ordnung.

Von seiner Partei ist er trotz der wiederholten Negativschlagzeilen denn auch stets gestützt worden. Frühere Parteipräsidenten betonten jeweils, dass man zwischen dem Unternehmer und dem Politiker Jakob unterscheiden müsse. «Solange nicht etwas Strafrechtliches oder moralisch Verwerfliches vorliegt, sind die Vorwürfe nicht von Interesse», sagte der einstige SVP-Parteipräsident Rudolf Friedli vor zwei Jahren.

Der aktuelle Präsident Thomas Fuchs sagt, dass er mit Jakob über die Übernahme des Mandates gesprochen habe. Jakob sei aber entschlossen, wieder im Stadtrat Einsitz zu nehmen. «Es ist unschön, ein Amt unter diesen Voraussetzungen anzutreten», sagt Fuchs. Bei den letzten Stadtratswahlen sei Jakob vom Volk auf den zweiten Ersatzplatz gewählt worden und habe daher das Recht, bei der aktuellen Vakanz wieder in den Rat nachzurutschen, sagt Fuchs. (Der Bund)

Erstellt: 11.10.2018, 07:01 Uhr

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