Umstrittene Zusätze sind im Kanton Bern verboten

Zusatzstoffe wie Snomax werden bei der künstlichen Beschneiung in der Schweiz nicht flächendeckend ­eingesetzt.

Die Verwendung von Snomax, einer Substanz, die die Schneeherstellung fördert, ist im Kanton Bern rückläufig.

Die Verwendung von Snomax, einer Substanz, die die Schneeherstellung fördert, ist im Kanton Bern rückläufig. Bild: Keystone

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Seit 2009 sagt die Bauverordnung des Kantons Bern klipp und klar: «Für die technische Beschneiung darf nur Wasser verwendet werden. Jegliche Zusätze von Stoffen oder Organismen sind verboten.» Im Kanton Bern ist also die Verwendung von Snomax, einem aus abgetöteten Bakterien hergestellten Pulver, anders als in anderen Kantonen schon seit Jahren kein Thema mehr.

Snomax funktioniert dank der Proteine eines Bakteriums, das auch in der freien Natur vorkommt: Diese dienen bei der Schneeerzeugung als Keime, um die das Wasser zu Körnern gefriert. Dadurch wird der Kristallationsvorgang nach Angaben des Herstellers effizienter: Weil die Tropfen früher, das heisst bereits bei Temperaturen von –2 bis –3 Grad gefrieren, lassen sich Strom und Wasser einsparen. Bei einer Befragung der Seilbahnunternehmen im Jahr 2007 gaben rund 14 Prozent der Gebiete, die künstlichen Schnee herstellen, an, dass sie Zusätze wie Snomax verwenden.

In der Schweiz dürfte die Verwendung von Snomax laut Branchenkennern jedoch im Rückgang begriffen sein. Es wird nicht flächendeckend eingesetzt. Bei nationalen Treffen seien Zusatzstoffe jedenfalls kein Thema, sagt Markus Hostettler, Direktor der Bergbahnen Adelboden AG.

Relativ teures Produkt

Welche Menge genau verkauft wird, gibt die Firma SMI Snow Makers AG aus Thun nicht bekannt. Sie vertreibt die Substanz in der Schweiz und in ganz Europa. In Deutschland und in Österreich ist die Verwendung jedoch wie im Kanton Bern verboten. Marco Bieri von SMI Snow ­Makers ist aber überzeugt vom Produkt. «Weil sich Strom und Wasser sparen lassen, sollte es aus ökologischen Gründen eigentlich für obligatorisch erklärt werden.» Mit einem Kubikmeter Wasser könnten zwei Kubikmeter Schnee produziert werden. Dafür werden 0,6 Gramm der Substanz beigemischt. Ein Anschauungsbeispiel: Stellt man sich eine Piste mit einer Länge von einem Kilometer, einer Breite von 50 Metern und einer Schneedecke von 50 Zentimetern vor, so wurden bei der Herstellung etwa 12,5 Millionen Liter Wasser und rund 7,5 Kilogramm Snomax verwendet. Das Kilo kostet etwa 125 Franken.

Für den Hersteller ist Snomax gesundheitlich völlig unbedenklich. Die Wirkung von Snomax auf Flora und Fauna sei vernachlässigbar, befand auch das zuständige Bundesamt bereits 1997 bei der Zulassung. In wissenschaftlichen Studien konnten keine schädlichen Auswirkungen festgestellt werden. Auch Ratten, die man mit sehr hohen Dosen bestäubte, wurden nicht krank. Bei der Sektion wurden jedoch vergrösserte Lungen festgestellt. Die Dosen lagen allerdings um das Tausendfache über denen, die bei der Herstellung von Kunstschnee mit Snomax nachweisbar sind. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.12.2015, 08:06 Uhr

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