Über tausend Asylplätze mehr sind noch nicht genug

In den letzten Monaten wurden im Kanton Bern viele zusätzliche Asylunterkünfte eröffnet. Die Kapazitäten reichen aber noch nicht aus.

Plätze für Asylsuchende (wie hier in Ringgenberg) sind im Kanton Bern durch die aktuelle Lage immer noch sehr Begrenzt.

Plätze für Asylsuchende (wie hier in Ringgenberg) sind im Kanton Bern durch die aktuelle Lage immer noch sehr Begrenzt. Bild: Valérie Chételat

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Lange Zeit schien das Asylwesen im Kanton Bern blockiert. Obwohl sich bereits im Frühling abzeichnete, dass im Sommer deutlich mehr Flüchtlinge nach Europa drängen würden als im Vorjahr, bewegte sich hier nichts.

Im Mai betrieben die Partnerorganisationen im Auftrag des Kantons 24 Asylunterkünfte mit 2299 Plätzen, was ungefähr dem Stand von Herbst 2014 entsprach. Wiedereröffnet wurde danach lediglich noch die Zivilschutzanlage in Hindelbank, und in Ringgenberg wurde eine Unterkunft mit 80 Plätzen in Betrieb genommen. Im Hochsommer herrschte dann Alarmstufe Rot.

Ausquartiert oder obdachlos

Jetzt gibt es im Kanton Bern 39 Asylunterkünfte mit 3462 Plätzen. Die meisten zusätzlichen Unterkünfte wurden aber erst in den letzten Monaten in Betrieb genommen. Allein im Dezember gingen die Notunterkünfte Münchenbuchsee, Tramelan, Rubigen und Bern (im Renferhaus auf dem Areal des Berner Zieglerspitals) in Betrieb sowie die Kollektivunterkunft in Zweisimmen.

Tramelan wurde allerdings als Ersatz für die Plätze in den Armeezelten in Lyss eröffnet, und auch in Riggisberg ist in dieser Zeit eine Asylunterkunft geschlossen worden.

Denn erst nachdem sich die Situation zwischen den Gemeinden und der kantonalen Polizei- und Militärdirektion wieder entspannt hatte und somit ein Rechtsstreit vermieden werden konnte, liessen sich weitere Unterkünfte finden. Doch der Rückstand konnte nicht mehr aufgeholt werden, so dass im September in Lyss Armeezelte für 250 Personen aufgestellt werden mussten.

Zwar konnte der Kanton Bern die Anzahl Plätze in seinen Asylunterkünften um 50 Prozent steigern. Aber die Asylzahlen sind gegenüber dem Vorjahr ebenso deutlich gestiegen. Im November 2015 beispielsweise wurden mit 5691 mehr als drei Mal so viele Asylgesuche eingereicht wie im selben Monat 2014.

Deshalb platzen die Asylunterkünfte seit Monaten aus allen Nähten. Gemäss dem Migrationsdienst des Kantons Bern (Midi) liegt die aktuelle Belegung bei 111 Prozent. Mehrere Hundert Asylsuchende wurden zudem in Hotels und Ferienwohnungen einquartiert oder auch in Passantenheimen der Heilsarmee untergebracht.

Trotz all diesen Anstrengungen kam es im November zu den ersten obdachlosen Asylbewerbern im Kanton Bern. Etwas zur Entschärfung der Situation trägt nun der Bund bei, indem er seine Kapazitäten erhöht.

So hat er im Dezember auch in Thun eine Bundesasylunterkunft mit 600 Plätzen in Betrieb genommen. Dem Kanton Bern werden diese Plätze bei der Zuteilung von Asylsuchenden angerechnet. Weitere Gemeinden haben zudem ihre Zusammenarbeit zugesichert.

Im Januar sollen in Schwarzenburg und Bremgarten weitere Unterkünfte in Betrieb genommen werden. Selbst die Gemeinde Ostermundigen, welche sich bisher geweigert hatte, bietet dem Kanton nun eine Anlage an. Im Ostermundiger Parlament wurde ein entsprechender Vorstoss überwiesen.

Auf Anfrage heisst es beim Midi, dass darüber hinaus noch weitere Unterkünfte benötigt würden. (Der Bund)

Erstellt: 05.01.2016, 06:55 Uhr

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