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Trotz Handlungsbedarf kein Geld für schwangere Flüchtlinge

Der Regierungsrat will nicht mehr Geld für schwangere Flüchtlingsfrauen ausgeben. Der grüne Grossrat Hasim Sancar findet das «empörend».

Im Kanton Bern leben 100 Säuglinge und 200 Kinder in Asylzentren. Pro Jahr kommen rund 200 Babys in den Zentren zur Welt.
Im Kanton Bern leben 100 Säuglinge und 200 Kinder in Asylzentren. Pro Jahr kommen rund 200 Babys in den Zentren zur Welt.
Franziska Scheidegger

Der bernische Regierungsrat sieht zwar Handlungsbedarf bei der Betreuung von schwangeren Asylsuchenden, doch will er diese aus «finanzpolitischen Überlegungen» nicht finanzieren. Dies geht aus der Antwort des Regierungsrats auf die Motion der beiden grünen Grossräte Hasim Sancar und Natalie Imboden hervor. Sancar und Imboden verlangten letzten Herbst, dass der Regierungsrat ein Konzept zur integrierten Gesundheitsversorgung von asylsuchenden Frauen nach waadtländischem Vorbild erarbeite und Dolmetscherdienste finanziere. («Der Bund» berichtete.)

Die Berner Fachhochschule untersuchte in einer Studie die Gesundheitsversorgung von schwangeren Frauen in Asylzentren. Dabei stellte sie Mängel im Kanton Bern fest. Hingegen erwies sich laut der Studie das System des Kantons Waadt als vorbildlich. In seiner Antwort auf Sancars Vorstoss räumt der Regierungsrat ein, er sei sich bewusst, dass Handlungsbedarf bestehe. Denn er habe die Studie zur Kenntnis genommen. Er glaube aber, dass die Frauen besser versorgt werden könnten, ohne dass dazu ein zentralisiertes Gesundheitssystem im Asylwesen aufgebaut werden müsse. Der Kanton Waadt betreibt sieben Gesundheitszentren eigens für asylsuchende Menschen. Das Personal in den Zentren ist spezialisiert und für die spezifischen Probleme von Menschen mit Fluchterfahrung sensibilisiert. Zudem stehen sowohl Ärzten als auch anderen Fachleuten aus dem Gesundheitsbereich Dolmetscher zur Verfügung, die der Kanton Waadt finanziert.

Solche Dolmetscher könnten mit der Pauschale, die pro asylsuchender Person zur Verfügung stehe, nicht finanziert werden, schreibt der Regierungsrat. Eine andere Finanzquelle gebe es nicht. Darum empfiehlt er, vermehrt «bildliche Informationen» einzusetzen, und die Gesundheitsverantwortlichen in den Asylzentren sollten sich über bewährte Praktiken austauschen. Doch genau das war einer der Kritikpunkte der Studie am bernischen System. Die Betreuung der Schwangeren hängt stark vom persönlichen Engagement der Gesundheitsverantwortlichen ab. Zudem sind die Ärzte und Hebammen diesen gegenüber an das Berufsgeheimnis gebunden.

«Argument stimmt nicht»

Die Motionäre sind mit der Antwort nicht zufrieden. «Dass man einen Handlungsbedarf im Gesundheitswesen aus finanzpolitischen Überlegungen nicht wahrnimmt, finde ich empörend», sagt Hasim Sancar. Der Gesundheitsschutz sei eine Aufgabe des Rechtsstaats und dürfe nicht vernachlässigt werden. Dies umso mehr, als der Kanton in seinem Finanzhaushalt immer wieder Überschüsse ausweise. «Das finanzielle Argument stimmt nicht», sagt Sancar.

Doris Wyssmüller ist Hebamme und Co-Geschäftsführerin von Mamamundo. Sie bietet Geburtsvorbereitungskurse für Migrantinnen an. Dabei arbeitet sie oft mit interkulturellen Dolmetschern zusammen. Der Vorschlag der Regierungsrates mit bildlicher Information zu arbeiten, sei in einfachen Gesprächssituationen durchaus umsetzbar. «Aber wie soll man einer Frau mit Bildern erklären, wenn sie ins Spital eintreten soll, oder dass ihr Kind vielleicht krank zur Welt kommt?», fragt sie rhetorisch. Auch die Anwendung komplexer Medikamente wie etwa die Insulinspritzen bei einer Schwangerschaftsdiabetes lasse sich nicht mit Bildern vermitteln. «Das könnte für die Frau gefährlich werden», sagt Wyssmüller.

In Asylzentren im Kanton Bern leben laut Angaben der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) rund 500 Frauen im gebärfähigen Alter sowie 100 Säuglinge und 200 Kinder. Pro Jahr rechnet die GEF mit 200 Geburten.

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