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Tramstreit um Alleen – und Umwelt

Für den ehemaligen WWF-Chef Philippe Roch ist es ein zu hoher Preis, wenn für das Tram Bern–Ostermundigen Bäume gefällt werden. Ohne Tram nehme der Autoverkehr zu, entgegnet der Berner WWF.

Support aus Genf für Berner Gegner des Ostermundigen-Trams: Philippe Roch.
Support aus Genf für Berner Gegner des Ostermundigen-Trams: Philippe Roch.
Franziska Rothenbühler

Gleich zwei Komitees gegen das Tram Bern–Ostermundigen traten gestern kurz nacheinander vor die Medien. Neben dem eigentlichen Referendumskomitee Nein zum Luxustram auch ein Grün-Mitte-Liberales Bürgerkomitee (siehe Text rechts). Beim Referendumskomitee fehlte allerdings die Hauptperson. SVP-Grossrat Stefan Hofer, der aus eigenen Mitteln einen grossen Teil der Nein-Kampagne finanziert, sei landesabwesend, hiess es.

Dafür erhielten die Gegner der Tramvorlage, über die das bernische Volk am 4. März abstimmt, Unterstützung von weit jenseits der Kantonsgrenzen. Der Genfer Philippe Roch, einstiger WWF-Chef und früherer Direktor des Bundesamts für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal), stört sich daran, «dass im Namen der Ökologie für das Tramprojekt viele Bäume gefällt werden sollen». Dies sei ein zu hoher Preis für die Natur (siehe nebenstehendes Interview). Rund ein Drittel der Alleebäume entlang der Strecke müssten für die Bauarbeiten gefällt werden. Später würden – insgesamt sogar mehr – neue Bäume gepflanzt.

Berner WWF für Tramvorlage

Die Berner Sektion des WWF allerdings unterstützt die Tramvorlage. «Bei allem Respekt vor dem langjährigen Engagement von Philippe Roch können wir seiner Argumentation nicht folgen», sagt die Co-Präsidentin des Berner WWF, SP-Nationalrätin Nadine Masshardt. «Zwar tut es natürlich auch mir weh, dass alte Bäume gefällt werden müssen», sagt sie. Die bernischen Umweltorganisationen hätten aber «in intensiven Diskussionen eine Gesamtbeurteilung vorgenommen». Im Ergebnis überwögen die Vorteile für die Umwelt deutlich. «Ohne das Tram wird es mehr Autoverkehr und mehr Treibhausgase geben, welche das Klima aufheizen», sagt Masshardt.

Die Gegner hingegen werfen der Stadt Bern und Ostermundigen vor, sie wollten «ein Luxus-Tram bauen, das es so gar nicht braucht», wie Hans-Martin Bürki-Spycher sich ausdrückte. So sind der Anwohnerin Vicenta Guadalupe Garcia Busse, die im 3-Minuten-Takt verkehren, lieber als ein Tram, das alle sechs Minuten kommt. Für sie sei es kein Problem, zu stehen, wenn der Bus überfüllt sei, «und wenn alte Leute einsteigen, kann man für sie ja Sitze frei machen». Weil die Trams nur halb so oft verkehren wie die Busse, sei ihre Kapazität gar nicht grösser, sagen die Gegner.

Der «Bund» hatte dies allerdings schon 2014 exakt nachgerechnet: Trams im 6-Minuten-Takt haben demnach 17 Prozent mehr Kapazität als heutige Busse. Falls man bei Bedarf in Stosszeiten auf den 5-Minuten-Takt wechselt, haben Trams 40 Prozent mehr Kapazität.

Das insgesamt 264 Millionen Franken teure Tramprojekt für Bern und Ostermundigen geht aus Sicht der Gegner auf Kosten der Randregionen. So werde etwa der Bahnhof in Ferenbalm-Gurbrü geschlossen. Die Befürworter verweisen dagegen auf ihrer Internetseite auf Verkehrsprojekte in allen Regionen des Kantons und appellieren an die Solidarität zwischen Stadt und Land.

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