Tötung in Rapperswil: Verteidiger verlangt Freispruch

Das Berner Obergericht beugt sich seit Dienstag über den Fall des Mannes, der 2013 vor einem Sexclub in Lätti bei Rapperswil einen Mann mit einem Messer tödlich verletzte.

Die Tat geschah beim Club 3000 in der Gemeinde Rapperswil.

Die Tat geschah beim Club 3000 in der Gemeinde Rapperswil. Bild: Archiv/Keystone

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Wie schon vor der ersten Instanz beantragte der Verteidiger einen Freispruch vom Hauptvorwurf der vorsätzlichen Tötung. Berufung erhoben hatte der Anwalt des Beschuldigten. Er sagte am Dienstag vor Obergericht, niemand habe seinen Mandanten zustechen sehen. Vielmehr sei das Opfer bei seinem Angriff dem Angeklagten ins Messer gerannt. Falls das Obergericht doch ein aktives Zustechen annehmen sollte, habe es sich um Notwehr gehandelt.

Staatsanwalt beantragt Erhöhung

Die Staatsanwaltschaft hatte Anschlussberufung erklärt. Dies erlaubte ihr, wie schon in erster Instanz geltend zu machen, der Täter habe den Tod des Opfers nicht nur in Kauf genommen, sondern gewollt. Das Motiv sei Eifersucht gewesen. Dafür spreche auch der anschliessende Fusstritt an den hingestreckten Körper. Wegen des direkten Vorsatzes sei die Freiheitsstrafe der Vorinstanz von zehn auf zwölf Jahre zu erhöhen, beantragte der Staatsanwalt. Notwehr könne es nicht gewesen sein, weil der Angeschuldigte mit dem Messer in der Hand nach dem späteren Opfer gefragt und somit einen Angriff provoziert habe.

Der Stich mit dem Taschenmesser sei offenbar mit Wucht ausgeführt worden, sagte der Vertreter der Anklage weiter. Sonst wäre die 11,6 Zentimeter lange Klinge nicht bis zum Griff in die Augenhöhle eingedrungen, so dass es zu einer tödlichen Gehirnblutung kam. Ähnlich argumentierte der Anwalt der Privatkläger - Bruder und Witwe des Getöteten. Es gebe eine SMS eines Augenzeugen, wonach der Täter dem Opfer «das Messer ins Gesicht gerammt» habe. Die Aufnahmen der Überwachungskamera zeigten, dass das Opfer langsam in Richtung des Täters gegangen und nicht gerannt sei.

Nochmals Notwehr?

Beim Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung beantragte der Verteidiger ebenfalls Freispruch. Auch hier habe es sich um Notwehr gehandelt. Bei einem vorangehenden Gerangel mit einem anderen Beteiligten habe sich sein Mandant erfolglos mit Kopfnüssen gewehrt. Erst dann habe er ihn mit dem Messer an der Schulter verletzt.

Auch Raufhandel liege keiner vor, befand der Verteidiger, da nie mehr als zwei Personen gleichzeitig an den tätlichen Auseinandersetzungen beteiligt gewesen seien. Konsequenz der Freisprüche müsse die sofortige Freilassung des Beschuldigten sein. Dieser befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug auf dem Thorberg. Einen Teilerfolg konnte der Verteidiger bereits verbuchen: Auf seinen Antrag hin liess das Obergericht das Protokoll der ersten polizeilichen Einvernahme aus den Akten entfernen, weil entgegen dem Wunsch des Befragten sein Anwalt nicht zugegen war.

Auf dem Heimweg umgekehrt

Das Obergericht hat ein Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland in Biel von Oktober 2015 zu überprüfen. Das erstinstanzliche Gericht verurteilte damals den heute 44-jährigen Mazedonier wegen vorsätzlicher Tötung und weiterer Straftaten zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Das Opfer war ein Kosovare. Er besuchte im September 2013 zusammen mit zwei Kollegen den Sexclub in der Ortschaft Lätti bei Rapperswil. Bei diesem Besuch kam es in der Bar des Etablissements zuerst zu einem Streit zwischen dem Kosovaren und dem Mazedonier.

Die beiden Schweizer Kollegen des Kosovaren und die Damen des Etablissements vermochten zwar den Streit zu schlichten. Doch dann beschlossen die drei Kollegen schon auf dem Heimweg, umzukehren und den Mazedonier zur Rede zu stellen. Auf dem Parkplatz des Sexclubs eskalierte dann die Situation. Vor dem Regionalgericht in Biel gab der Mazedonier vor einem Jahr zu, ein Messer auf sich getragen zu haben. Er wisse aber nicht, wer die Messerstiche ausgeführt habe, sagte er damals. Das Obergericht will sein Urteil am Freitag bekanntgeben. (net/sda)

Erstellt: 08.11.2016, 13:35 Uhr

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