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«Thun bleibt ein sehr wichtiger Industriestandort»

Der Stellenabbau beim Solarzulieferer Meyer Burger stehe nicht exemplarisch für den Kanton Bern, sagt Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann.

Laut Christoph Ammann ist der Kanton Bern wirtschaftlich gut unterwegs.
Laut Christoph Ammann ist der Kanton Bern wirtschaftlich gut unterwegs.
Bruno Petroni

Erneut schlechte Nachrichten vom Standort Thun: Der Solarzulieferer Meyer Burger verlagert über 90 Stellen nach Asien. Ob dies der letzte Stellenabbau ist, ist unklar, auch wenn die Firma das betont. Auch andere Firmen verlagerten in den letzten Jahren ihre Produktion ins Ausland. Ist der bernische Industriestandort gefährdet? Ist Bern innovativ und attraktiv genug für Firmen? Der kantonale Volkswirtschaftsdirektor nimmt Stellung.

Christoph Ammann, Meyer Burger baut eneut über 100 Stellen ab. Bereits letztes Jahr verlagerte die Ammann Group über 130 Arbeitsplätze ins Ausland. Gerät der Industriekanton Bern ins Hintertreffen?

Nein. Auch wenn das eine Hiobsbotschaft für den Standort Thun ist, bleibt die kantonale Entwicklung positiv. Er ist quer durch alle Branchen gut unterwegs – auch im Maschinenbaubereich. Dieses Jahr hat sich der Kanton Bern mit 80’000 Beschäftigten zum grössten Industriekanton der Schweiz gemausert. Auch die Arbeitslosigkeit im Kanton Bern ist im schweizweiten Vergleich ebenfalls unterdurchschnittlich.

Was bedeutet das für den Standort Thun? Wird er entscheidend geschwächt?

Auf keinen Fall. Der Industriestandort Thun bleibt trotz dieses Rückschlags einer der bedeutendsten schweizweit.

Meyer Burger, galt als innovativer Player in der Solarindustrie. Eigentlich ein Wachstumsmarkt. Warum schwächelt ausgerechnet ein solches Unternehmen?

Das hat weniger mit der Solarbranche zu tun als mit den Produkten, die hergestellt werden. Genau wie im Rest der Schweiz ist auch der Kanton Bern nur für Firmen attraktiv, die Nischen- oder Luxusprodukte wie etwa die Uhrenindustrie herstellen. Es ist schliesslich nichts Neues, dass die rentable Herstellung von Massenprodukten in der Schweiz schwierig ist. Hier kann oft weder der Kanton noch die Schweiz mit dem günstigeren Ausland mithalten.

Der Steuersatz im Kanton Bern ist im schweizweiten Vergleich weiterhin hoch. Ist das nicht ein zusätzlich negativer Kostenfaktor für Unternehmen?

Ja. Wenn sich ein internationales Unternehmen dazu entschliesst, sich in der Schweiz anzusiedeln, betrachtet es auch die Unternehmenssteuersätze in den Kantonen. Andere Faktoren, wie Infrastruktur oder Fachkräfte werden bei einer Erstbeurteilung oft ausgeklammert. Deshalb ist die kantonale Steuerreform so wichtig, die die kantonalen Unternehmenssteuern senken möchte. Hier darf aber auch die eidgenössische Politik nicht schlafen und weiter dafür sorgen, dass die Schweiz für ausländische Unternehmen attraktiv bleibt.

Gibt es im Kanton Bern eine Verschiebung von der Maschinenindustrie zur Pharmaindustrie? So haben einige Unternehmen in den letzten Jahren kräftig investiert.

Bern ist ein Medizinalstandort und dieser wächst weiter. Dennoch bleiben auch die anderen Industriezweige wichtig.

Eines der grössten Herausforderungen der Industrie dürfte die Digitalisierung sein. Wie ist der Kanton Bern hier aufgestellt? Tut er genug, um diesen Wandel nicht zu verschlafen?

An dieser Entwicklung sind mehrere kantonale Direktionen beteiligt. Ich möchte betonen, wie wichtig der Switzerland Innovation Park in Biel in dem Zusammenhang ist. Es ist schweizweit eine einzigartige Einrichtung. Die neue Berner Fachhochschule kann dort zusammen mit Start-ups und etablierten Firmen die Möglichkeiten der Industrie 4.0 ausloten und anwenden. Diese Institution ist eine wichtige Antwort auf die Digitalisierung und ein zentraler Punkt in der kantonalen Innovationspolitik.

Hier sprechen Sie die Forschung und Entwicklung an. Was kann der Kanton ferner tun, dass Firmen ihre Forschungsstandorte im Kanton behalten und nicht abwandern?

Er hat für unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen zu sorgen, für Planungssicherheit, Fachkräfte und Infrastruktur zum Beispiel. Zudem muss er eine wirkungsvolle Innovationspolitik betreiben.

Die Unia fordert die Wiederaufnahme der Taskforce zu Meyer Burger. Unterstützen Sie dieses Vorhaben?

Ja, in der Art wie beim letzten Stellenabbau. Damals wurde keine Taske Force, sondern eine Informationsplattform ins Leben gerufen. Diese besteht weiterhin und wurde nicht aufgelöst. Sie wird parallell zum Konsultationsverfahren erneut zusammen kommen. Die Federführung liegt beim Arbeitsamt beco.

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