Teure Strassen liegen schief in der Landschaft

Die Verkehrssanierungen Emmental und Oberaargau kann sich der Kanton eigentlich gar nicht leisten.

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Mit dem Doppelpack der Verkehrssanierungen Emmental und Oberaargau hat der Grosse Rat Strassenprojekte vorgespurt, die zu den teuersten im Kanton Bern gehören. Dies entspricht durchaus den regionalen Wünschen. Man kann der federführenden Verkehrsdirektorin Barbara Egger (SP) nicht vorwerfen, dass sie über die Köpfe der betroffenen Bevölkerung geplant hat. Sie hat im Gegenteil jeder Ortschaft gegeben, was sie im Mitwirkungsverfahren wünschte.

Im Oberaargau ist dies die Umfahrung von Aarwangen. Im Emmental sind es ebenfalls Umfahrungen – nicht aber um Burgdorf, wo man eine sanftere und billigere Verkehrslösung wünschte, welche die Landschaft schont. Die Lösung im Emmental gilt deshalb auch für die Umweltverbände eher als Kompromiss. Zumindest gegen die Umfahrung von Aarwangen steht das Referendum der Umweltverbände und der Grünen dagegen faktisch fest. Gerade wegen der breiten regionalen Abstützung wird es für die Gegner aber nicht einfach sein, die Volksabstimmung zu gewinnen.

Dennoch stehen die zwei Mega-Strassenprojekte schief in der Landschaft. Natürlich leiden die betroffenen Ortschaften unter der Autoverkehr, der sich seit langem mitten durch ihre Ortskerne wälzt. Doch mit den Umfahrungsstrassen wird, das zeigt die Erfahrung, der Autoverkehr weiter anwachsen. In der Tendenz wird auch das gefördert, was Kanton und Bund mit einer zunehmend griffigeren Raumplanung verhindern wollen: Die Zersiedelung der Landschaft. Für die Umfahrung Aarwangen wird zudem Kulturland überbaut. Klar, dies ist auch andernorts der Preis für neue Strassen.

Schief in der Landschaft stehen die über eine halbe Milliarde Franken teuren Strassenpakete vor allem angesichts der knappen Kantonsfinanzen. Nicht ohne Grund wollte der Kanton die Kosten für den grössten Teil der nun beschlossenen Umfahrungsstrassen einst komplett dem Bund aufhalsen – mit dem Argument, es handle sich um Autobahnzubringer. Das Manöver scheiterte. Doch die Erkenntnis, die ihm zugrunde lag, gilt immer noch: Der Kanton kann sich diese Strassen finanziell eigentlich gar nicht leisten.

Nun werden die Umfahrungen als einzig mögliche Lösung dargestellt, um die verkehrsgeplagten Anwohner zu entlasten. In und um Burgdorf allerdings versucht der Kanton, dasselbe Ziel mit gezielten und billigeren Eingriffen zu erreichen. Solche Lösungen hat man auch für den Oberaargau geprüft – und sie schnitten in Expertisen, die der Kanton selber in Auftrag gegeben hatte, sogar eher besser ab als die Umfahrungsstrasse.

Erstellt: 08.09.2016, 18:28 Uhr

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