«Unser Herz blutet»

Der beliebte TCS-Campingplatz in Gampelen muss 2024 dem Naturschutz weichen. Das stösst bei Campern und Betreibern auf Unverständnis.

Der Gampeler Campingplatz hat 2024 definitiv ausgedient.

Der Gampeler Campingplatz hat 2024 definitiv ausgedient. Bild: Franziska Rothenbühler

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Ende 2024 muss der Campingplatz in Gampelen definitiv schliessen. Das teilte der Kanton am Donnerstag mit. Damit wurde das drohende vorzeitige Ende dieses Jahr abgewendet. Der Camping steht im Fanel, dem bestgeschützten Naturschutzgebiet in der ganzen Schweiz.

Bereits bei der letzten Vertragsverlängerung 2003 stand eine baldige Schliessung des Campings im Raum. Damals erhielt der TCS, der den Camping mit fast 1000 Parzellen betreibt, jedoch erneut eine Bewilligung für 15 Jahre. Umweltverbände gingen davon aus, dass Ende 2018 dann die Renaturierung des Gebiets in Angriff genommen werden könne.

Gericht pfiff Kanton zurück

Dennoch wollte der Kanton Bern, dem das Gebiet gehört, letztes Jahr die Mietverträge mit dem TCS um weitere 35 Jahre verlängern. Dagegen reichten fünf Umweltverbände und das Bundesamt für Umwelt Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Diese wurden teilweise gutgeheissen. Der Regierungsratsbeschluss zur Vertragsverlängerung wurde aufgehoben. Für den TCS-Camping drohte das abrupte Ende dieses Jahr. Gestern kommunizierte der Kanton nun den Kompromiss, den man zusammen mit dem Betreiber und den Umweltverbänden ausmachen konnte. In einer sechsjährigen Übergangsphase wird der Camping stufenweise zurückgebaut, bevor er 2024 endgültig geschlossen wird.

Verena Wagner, Präsidentin von Pro Natura Bern, ist mit diesem Entscheid sehr zufrieden, wie sie auf Anfrage sagt. «Das wichtigste für uns ist, dass es nun einen verbindlichen Termin gibt, an dem der Camping abgebaut wird.»

Nicht erfreut ist hingegen der TCS. «Wir hätten den Campingplatz Gampelen sehr gerne weiterbetrieben», sagt Mediensprecher Daniel Graf. Am meisten treffe der Entscheid aber die Camper. «Sie haben den Campingplatz Gampelen in ihr Herz geschlossen und diesen fast als ihre zweite Heimat betrachtet», so Graf.

Camper sind enttäuscht

Gegen eine allfällige Schliessung des Campingplatzes wurde Hanspeter Mischler, regelmässiger Gast auf dem Camping in Gampelen seit 1995, zusammen mit anderen Campern bereits Anfang Jahr aktiv. Sie gründeten eine Interessengemeinschaft und lancierten eine Petition gegen die Schliessung, die bis im Sommer über 19’000-mal unterschrieben wurde. «Unser Herz blutet», sagte Mischler gestern, nachdem er über den Entscheid informiert worden war.

Für ihn und seine Familie sei der Camping am Neuenburgersee ein zweites Zuhause gewesen. «Mit der Schliessung reisst man Familien auseinander», so Mischler. Man nehme den Familien und vor allem den Kindern, die da unbeschwert in der Natur spielen könnten, alles weg. Enttäuscht ist Mischler auch, weil seine Interessengemeinschaft nicht in die Verhandlungen miteinbezogen wurde.

Verena Wagner kann den Widerstand und die Enttäuschung aufseiten der Camper verstehen. Der Schutz der Natur habe für sie in diesem Fall aber klar Priorität. Umgekehrt hat Mischler für das Bedürfnis der Umweltorganisationen kein Verständnis. «Die Natur hat unter den Campern nicht gelitten, im Gegenteil. Wir haben zu ihr geschaut», sagt Mischler.

Suche nach einem Ersatz

Trotz der Enttäuschung sind sowohl Betreiber als auch Camper froh darum, dass der Camping seine Tore nicht bereits Ende Jahr schliessen muss. «Die Übergangsphase bis 2024 gibt dem TCS und vor allem auch den Campern das nötige Zeitpolster für eine Neuorientierung und einen geordneten Rückbau», sagt Daniel Graf vom TCS. Ab 2019 dürfen keine neuen Saisonmietverträge für Stellplätze sowie für Bootsliegeplätze abgeschlossen werden. Bis Ende 2019 werden die Holzstege in den Neuenburgersee zurückgebaut und auf Ende 2022 dann auch die Sport- und Freizeitanlagen.

In der Zwischenzeit beginnt auch die Suche nach einem neuen Ort in der Region, an dem ein neuer Camping als Gampelen-Ersatz eröffnet werden könnte. Auch der Kanton Bern hat dem TCS und der Interessengemeinschaft rund um Hanspeter Mischler bei der Suche nach einem Ersatzstandort seine Unterstützung zugesichert. Gemäss Mischler ist bereits ein Standort im Gespräch. Es handle sich dabei erneut um ein Gebiet, das dem Kanton gehöre und in der Region liege. Der Standort werde nun geprüft. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2018, 09:44 Uhr

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