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Tanne bringt Berner auf die Palme

Berner Politiker und Passanten frotzeln über den mageren Tannenschmuck auf dem Bundesplatz. Wegen der Kritik ergreift der Sponsor nun Sofortmassnahmen

Der Baumschmuck auf dem Bundesplatz erhitzt trotz eisigen Temperaturen die Gemüter.
Der Baumschmuck auf dem Bundesplatz erhitzt trotz eisigen Temperaturen die Gemüter.
Adrian Moser
Berner Politiker und Passanten frotzeln über den mageren Tannenschmuck.
Berner Politiker und Passanten frotzeln über den mageren Tannenschmuck.
Adrian Moser
Und dort schliesslich in Position gebracht und in dem Sockel befestigt.
Und dort schliesslich in Position gebracht und in dem Sockel befestigt.
Adrian Moser
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Der Baumschmuck auf dem Bundesplatz erhitzt trotz eisigen Temperaturen die Gemüter: Am Dienstag versammelte sich nach dem Mittagsschmaus im Café Fédéral eine Gruppe Frauen vor dem Lokal. «Das ist die Schande von Bern», sagte die Wortführerin ohne Schalk und zeigte auf die Tanne vor dem Parlamentsgebäude, die erst vergangenen Donnerstag mit dem «Anzündfest» eingeweiht worden war. Im Vergleich zu früheren Varianten ist der diesjährige Baumschmuck äusserst mager ausgefallen: Neben diversen Kugeln hängt bloss eine Handvoll farbige Lichterketten am 13 Meter hohen Baum. Einen Stern oder eine Spitze sucht man vergebens.

Berner Politiker von links bis rechts frotzeln nicht nur auf sozialen Medien über die «hässlichste Weihnachtsdeko» oder «die rote Zwiebel» auf dem Bundesplatz: «Schrecklich peinlich», als einen «Affront für Touristen» hält SVP-Stadträtin Nathalie D’Addezio den übergrossen Christbaum. Während sie im Parlament sonst die Klingen kreuzen, sind sich Politiker punkto Weihnachtsbaum vor dem Bundeshaus einig: «Diese pinkfarbenen Lichterketten sind völlig lieblos angebracht und passen nicht zu Weihnachten. Auf den Baum könnte man ganz verzichten», meint auch die grüne Stadträtin Regula Tschanz.

Gar keine Adventsstimmung auf kommt auch bei Stadtratskollege Alexandre Feuz (SVP) ob der Tanne auf: «Das hat mit Weihnachtsdekoration nichts zu tun. Ich frage mich, wer auf die Idee kommt, einen Christbaum so unmöglich zu schmücken.»

Sofortmassnahme für verschmähten Baum

Statt mit Applaus werden sie mit viel Häme überschüttet. So haben sich die Verantwortlichen von Sponsor Bernexpo Groupe die Wirkung ihres 25?000 Franken teuren Weihnachtsbaumes bestimmt nicht vorgestellt – dank ihres Engagements steht nach zweijähriger Pause überhaupt ein Weihnachtsbaum auf dem Bundesplatz. Nach den zahlreichen negativen Reaktionen hat Bernexpo nun in einer Hauruckübung einen externen Dekorateur angeheuert, der bis am Samstag den Baum mit zusätzlichem Schmuck aufpeppen und weihnächtlicher machen soll. «Unser Ansatz war wohl zu innovativ», so Bernexpo-Sprecher André Caradonna.

Via Facebook können die Leute jede Woche bestimmen, welche Farbe die Lichterketten am nächsten Advent annehmen sollen. Das Schmuck-Konzept für den Baum haben man innerhalb der Firma erarbeitet. «Trotz vorgängiger Visualisierung gibt es aber immer eine gewisse Unsicherheit, wie die Realität dann tatsächlich aussieht und es auf die Zuschauer wirkt. Insbesondere bei einem so emotionalen Objekt wie einem Weihnachtsbaum.»

Bern wenig «glitzrig»

Zurück auf dem Bundesplatz: George Thome, gebürtiger Libanese, setzt mit seiner Begleitung gerade zu einem Selfie vor dem Tannenbaum an. Ob in Paris oder dem Rockefeller Center in New York – der weitgereiste Mann hat schon viele repräsentative Weihnachtsbäume gesehen. «Diesem Christbaum hier fehlt die typische rote Farbe – und natürlich die Spitze.» Unweigerlich denke man, die Stadt könne sich wohl nichts Besseres leisten. Caroline Heussi aus Dübendorf schaut ebenfalls etwas ungläubig auf die Tanne. «Dilettantisch», sehe der Christbaum nicht nur auf den ersten Blick aus. «Jedes Kind» hätte den Baum schöner gestalten können. «Es gibt ja genug Vorlagen im Internet.» Bern solle sich ein Beispiel am «glitzrigen» Swarovski-Weihnachtsbaum nehmen, der im Zürcher HB steht.

SVP-Stadträtin D’Adezzio ist ob dem tristen Berner Baum buchstäblich ein Licht aufgegangen. «Man sollte die Leuchtketten abstellen und damit Energie sparen.» Wer den Weihnachtsbaum übrigens noch nicht gesehen hat, dem bleibt noch viel Zeit: Der Christbaum bleibt bis Anfang 2015 stehen. Fragt sich nur, in welchem Gewand.

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