SVP zurückgeworfen, SP mit grösstem Zuwachs

Die SVP hat bei den Stimmenanteilen die 30-Prozent-Marke klar verfehlt und nach Prozentpunkten gleich viel verloren wie die BDP. Die SP macht den grössten Schritt nach vorne.

Die Sitzverteilung im Grossen Rat nach den Wahlen vom 26 März 2018.

Die Sitzverteilung im Grossen Rat nach den Wahlen vom 26 März 2018.

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Stabilität – zu Recht war davon in den ersten Kommentaren zu den Resultaten der Grossratswahlen 2018 immer wieder die Rede. Wenn es Überraschungen gab, dann vor allem in Bezug auf zwei nicht eingetroffene Erwartungen: Der weitere Abstieg der BDP fand nur in kleinem Ausmass statt. Und die GLP, die vor vier Jahren mit einigem Proporzglück auf 11 Mandate kam, hat sich auf diesem Niveau halten können.

SVP unter 30 %, SP über 20 %

Wie die nebenstehende Grafik zeigt, haben sich die Erwartungen der SVP insofern nicht erfüllt, als sie den Stimmenanteil von mindestens 30 Prozent, den sie bis 2002 vorweisen konnte, wiederum nicht erreicht hat. Im Gegenteil, sie fiel auf 26,8 Prozent zurück und verlor dadurch drei Sitze, je einen in den Wahlkreisen Biel-Seeland, Mittelland-Süd und Thun. Am deutlichsten (minus 3 Prozentpunkte) verlor die SVP Stimmenanteile im Wahlkreis Biel-Seeland.

Über alles gesehen ist dagegen die SP die grösste Gewinnerin dieser Wahlen: Sie gewann bei den Stimmenanteilen rund drei Prozentpunkte dazu, überschritt damit wie früher die 20-Prozent-Marke und holte fünf zusätzliche Sitze, je einen in den Wahlkreisen Bern, Biel-Seeland, Mittelland-Süd und zwei im Mittelland-Nord. In diesem Agglomerations-Wahlkreis konnte die SP ihren Stimmenanteil um beachtliche 3,4 Punkte auf 23,2 Prozent steigern. Von Proporzpech wie vor vier Jahren, als die SP ihren Stimmenanteil gut halten konnte und dennoch zwei Sitze verlor, kann nach diesen Wahlen keine Rede sein.

FDP: Mit wenig viel gewonnen

Nachdem die Freisinnigen in jüngster Zeit in einigen Kantonen zu den Wahlsiegern gehörten, hätte die Berner Parteiführung allen Grund, nach diesem Wahlgang etwas enttäuscht zu sein: Was die Stimmenanteile betrifft, hat sich die FDP nur gerade um einen Prozentpunkt von 10,7 auf 11,7 Prozent verbessert. Die früheren Ergebnisse von deutlich über 15 Prozent (bis 2006) liegen nach wie vor ausser Reichweite. Der unspektakuläre Vormarsch wurde aber mit dem Gewinn von drei Sitzen belohnt, je einen in den Wahlkreisen Berner Jura, Biel und Thun. Auch in Bern und den beiden Agglomerations-Wahlkreisen Mittelland-Nord und Mittelland-Süd hat sich die FDP verbessern können, was sich aber nicht in Sitzgewinnen niederschlug.

Grüne stagnieren, Premiere für AL

Eher enttäuschend sind diese Wahlen für die Grünen verlaufen: Sie haben in der Stadt Bern das Mandat der mit ihr verbundenen Grün-Alternativen Partei (GAP) verloren und ihre Sitzzahl in keinem der anderen Wahlkreise steigern können. Ihr Wähleranteil stieg nur leicht von 9,8 auf 9,9 Prozent. In einigen Wahlkreisen haben die Grünen Stimmenanteile gewonnen (z. B. 2,5 Prozentpunkte in Thun), in einigen andern verloren, am deutlichsten in der Stadt Bern (minus 2,3 Prozentpunkte), was den Sitzverlust zur Folge hatte. Vermutlich sind die Verluste der Grünen hier auf den Zuwachs der Alternativen Linken zurückzuführen, die sich im Vergleich mit 2014 von einem Stimmenanteil von 1,8 auf 3,5 Prozent verbesserte und damit erstmals in den Grossen Rat einziehen wird.

BDP mit Glück gehalten

Der rasante Abstieg der BDP vor vier Jahren ist zwar nicht gestoppt – der Stimmenanteil reduzierte sich von 11,2 auf 9,0 Prozent –, hat sich aber so weit reduziert, dass daraus nur ein einziger Sitzverlust im Wahlkreis Mittelland-Nord resultierte. Dort ging der Stimmenanteil der BDP bloss um 1,7 Punkte auf 11,5 Prozent zurück. Stimmenanteile verloren hat die BDP in allen Wahlkreisen, am deutlichsten im Mittelland-Süd, wo sie im Vergleich zu 2014 (13,2 %) auf einen Anteil von 8,8 Prozent zurückfiel.

GLP und EVP treten an Ort

Die Grünliberalen, die 2014 einen deutlichen Vormarsch hinlegten, haben sich nur um 0,2 Punkte auf einen Stimmenanteil von 6,9 Prozent verbessern können. Etwas überraschend ist deshalb, dass sie nach dem Proporzglück vor vier Jahren, das Listenverbindungen geschuldet war, auch unter den in diesem Jahr geltenden Vorzeichen alle 11 Mandate verteidigen konnten. In fast allen Wahlkreisen hat die GLP ihren Stimmenanteil etwas erhöhen können, aber nirgendwo um mehr als 1,1 Prozentpunkte.

Mit einem Stimmenanteil von 6,2 Prozent liegt die EVP nur leicht hinter der GLP zurück und ist damit fast auf dem gleichen Niveau wie 2014 (6,4 %). Dennoch büsste die EVP in den Wahlkreisen Biel-Seeland und Mittelland-Nord je ein Mandat ein. Beschäftigen wird die Partei auch die Tatsache, dass sie in 7 der 9 Wahlkreise (Ausnahmen Mittelland-Süd, wo ihr Regierungskandidat antrat, und Oberland) Stimmenanteile einbüsste.

EDU: Listenverbindungen sei Dank

Seit 2006 gehen die Stimmenanteile der EDU leicht zurück, jetzt sind es noch 3,6 Prozent. Das reichte aber, um die vier Mandate in den Wahlkreisen Emmental, Mittelland-Süd, Thun und Oberland zu verteidigen, in den beiden erstgenannten Wahlkreisen allerdings nur dank Listenverbindungen mit anderen Parteien. PSA: Höherer Anteil, Sitz verloren

Der Parti Socialiste Autonome hat im Berner Jura 13,9 Prozent der Stimmen geholt gegenüber 13,1 Prozent vor vier Jahren. Dass der PSA dennoch eines seiner drei Mandate hergeben musste, ist auch der Tatsache geschuldet, dass diesmal FDP und SVP – wie auch SP und Grüne – mit einer Listenverbindung angetreten waren. Dem PSA seinerseits brachte die Listenverbindung mit der CVP zu wenig zusätzliche Stimmen, um die drei Mandate zu verteidigen.

CVP am Ende?

Wie 2014 konnte die CVP auch am vergangenen Wochenende kein Mandat gewinnen. Die Partei trat nur noch in vier Wahlkreisen an und kam auch im Jura (Anteil 3,9 %) und der Stadt Bern (2,0 %) nicht auf einen grünen Zweig. Die Frage stellt sich, ob ihr Auftritt 2018 nicht der letzte bei Berner Grossratswahlen war. (Der Bund)

Erstellt: 27.03.2018, 07:00 Uhr

Stimmbeteiligung so tief wie fast noch nie

Nur einmal bisher war die Stimmbeteiligung noch geringer als am letzten Wochenende: 29,5 Prozent für 2002 im Vergleich zu 30,5 Prozent für 2018. Damit setzt sich der Trend fort, dass Wahlen auf Kantonsebene für eine deutlich tiefere Beteiligung sorgen als National- und Ständeratswahlen, für die 2015 ein Wert von immerhin 49,1 Prozent ausgewiesen wurde. Auch bei Gemeindewahlen ist die Beteiligung in der Regel deutlich höher als bei kantonalen Wahlen.

So resultierte etwa bei den Berner Stadtratswahlen 2016 eine Stimmbeteiligung von 49,0 Prozent. Der Grund für den tiefen Wert in diesem Jahr könnte sein, dass der Streitwert bei den Regierungsratswahlen – trotz dem Angriff der Linken auf Pierre Alain Schnegg – nicht sehr hoch war, was möglicherweise auch eine geringere Attraktivität der Grossratswahlen zur Folge hatte.

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