SVP setzt auf «gesunden Menschenverstand»

Die Berner SVP will am 20. Oktober ihre neun Nationalratssitze verteidigen und ins Stöckli zurückkehren. Um dies zu erreichen, positioniert sie sich als «Partei gesunden Menschenverstands».

Mit Werner Salzmann zurück ins Stöckli? Die Berner SVP will für die Ständeratswahl 150'000 bis 200'000 Franken ausgeben.

Mit Werner Salzmann zurück ins Stöckli? Die Berner SVP will für die Ständeratswahl 150'000 bis 200'000 Franken ausgeben.

(Bild: Adrian Moser)

Nach dem Rücktritt von Werner Luginbühl (BDP) will die bernische SVP den freiwerdenden bürgerlichen Sitz im Ständerat mit Werner Salzmann erobern. Der Nationalrat und Präsident der Kantonalpartei setzt dafür mindestens 75'000 Franken aus eigenen Mitteln ein, wie er am Mittwoch vor den Medien in Bern sagte. Dazu kommen Spenden; insgesamt sollen für die Ständeratswahl 150'000 bis 200'000 Franken bereitstehen.

Die SVP hatte ihren langjährigen Sitz im Ständerat 2008 verloren. Damals wechselte der zuvor als SVP-Politiker gewählte Werner Luginbühl in die neu gegründete BDP. Seither versucht die SVP vergeblich, diesen Sitz im Stöckli dauerhaft zurückzuerobern. Adrian Amstutz wurde 2011 bei der Ersatzwahl für die neu gewählte Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) zwar gewählt. Den Sitz verlor die SVP aber im gleichen Jahr bei den ordentlichen Ständeratswahlen bereits wieder an Hans Stöckli (SP).

Ländliche Wählerschaft «ausgegrenzt»

Die grösste Partei des Kantons gehöre in die kleine Kammer, sagte Salzmann am Mittwoch dazu. Nicht zuletzt gehe es um eine starke Stimme für den ländlichen Raum, der immer mehr ausgegrenzt und von den städtischen Stimmen zum Naturpark degradiert werde. «Ich will Gegensteuer geben.»

Als Salzmanns Hauptkonkurrentin sehen Beobachter die BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon. Salzmann gab zu bedenken, dass die Wahl Simons in den Ständerat die bürgerliche Mehrheit in der Kantonsregierung gefährden könnte. Denn bei einer Ersatzwahl könne Rotgrün gefährlich werden.

«Gegen Kontroll- und Konsummaximierung»

Für den Nationalrats-Wahlkampf im Vorfeld der eidgenössischen Wahlen vom 20. Oktober setzt die SVP nach eigenen Angaben 100'000 Franken ein. «Wir müssen die Politik wieder konkret machen», sagte Geschäftsführerin Aliki Panayides. Nur eine Politik des gesunden Menschenverstandes sorge dafür, «dass wir auch morgen noch frei und sicher leben können und nicht an die Wand fahren vor lauter Kontroll- und Konsummaximierung».

Den Wahlkampf will die Partei auch in den sozialen Medien führen. Um in alle «Filterblasen» zu gelangen, in denen sich Menschen bewegen, will die SVP zudem Whatsapp nutzen. Bild-Text-Botschaften zu aktuellen Themen sollen sich nach dem Schneeballsystem verbreiten und ein Publikum weit über die klassische Wählerschaft hinaus finden.

Listenverbindungen denkbar

Die Verteidigung der neun Sitze sei kein Selbstläufer, räumte Co-Wahlleiter Hansruedi Wandfluh ein. Schliesslich sei im Kanton Bern ein Sitz weniger zu vergeben. Das Ziel sei aber realistisch. Hilfreich wären Listenverbindungen. Die Gespräche mit der FDP und der EDU sind aber noch nicht abgeschlossen, wie Kantonalpräsident Salzmann sagte.

SDA/lok

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