Sternwarte lässt auf sich warten

Als Ersatz für die alte Sternwarte Uecht ist ein Neubau von Stararchitekt Mario Botta geplant. Doch es fehlt noch Geld und eine Baubewilligung.

Mario Botta zeigt der Astrophysikerin Kathrin Altwegg das Modell.

Mario Botta zeigt der Astrophysikerin Kathrin Altwegg das Modell. Bild: Franziska Rothenbühler (Archiv)

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Auf dem Längenberg wird es in der Nacht so richtig dunkel. Auf dem Höhenzug oberhalb des Gürbetals treffen sich Sterngucker, um der in der Stadt Bern intensiven Lichtverschmutzung zu entkommen und das Himmelsgewölbe zu untersuchen. Dafür wurden in den Fünfzigerjahren zwei Sternwarten auf dem Hügel errichtet: das Observatorium Zimmerwald und die Sternwarte Uecht in Niedermuhlern.

Letztere hat Denkmalstatus, ist aber ein wenig in die Jahre gekommen. «Man hat sich dagegen entschieden, bei einer Modernisierung dieses Gebäude zu vergrössern», sagt Andreas Blaser, Präsident des Stiftungsrats der Sternwarte und IT-Unternehmer. Stattdessen hat der Tessiner Stararchitekt und Hobbyastronom Mario Botta einen schraubenähnlichen Neubau entworfen. Mit einer grösseren Anlage und neuen Instrumenten will man die akademische Himmelskunde einem breiteren Publikum vermitteln. «Dank der Neuerung wird die Sternwarte auch bei Tag besucht werden können», sagt Blaser. In der alten Sternwarte hätten nur am Abend bei gutem Wetter Führungen durchgeführt werden können.

Die Projektleiter hatten gehofft, dass Besucher bereits ab Sommer in einem elektrischen Shuttlebus zum Observatorium fahren würden. Das Projekt ist jedoch ins Stocken geraten. «Es dauert länger als ursprünglich geplant», gibt Blaser zu. Nun wird auf einen Baubeginn im Dezember 2018 und eine Betriebsaufnahme im Frühling 2020 hingearbeitet.

So wird der Neubau aussehen, doch noch ist er nicht voll finanziert. Visualisierung: zvg

Auch die Kosten des Projekts mussten wegen des erweiterten Bauumfangs nach oben korrigiert werden: Zuerst wurden fünf, dann etwa sieben Millionen Franken als erforderliche Summe genannt. Heute rechnet man mit Ausgaben von neun Millionen Franken. Gemäss Blaser wird noch gesammelt: «Aktuell haben wir gut die Hälfte des Betrags konkret in Aussicht.» Von der öffentlichen Hand erhoffe man sich rund einen Drittel der Finanzierung, den Rest sollen private Sponsoren übernehmen.

«Optimistischer Zeitplan»

Nicht nur die Mittelbeschaffung ist für die Verzögerung verantwortlich. «Der Planungsprozess und die Abklärungen mit allen Beteiligten erfordern viel Zeit.» So musste etwa die Angst der Anwohner vor einem wegen der grossen Besucherzahl höheren Verkehrsaufkommen zerstreut werden. Das Baugesuch ist bereits eingereicht, die Bewilligung wird für Frühling 2018 erwartet.

Hansruedi Schweizer, Gemeindepräsident von Niedermuhlern, hat die Verschiebung kommen sehen: «Wir waren von Anfang an der Ansicht, dass der Zeitplan der Stiftung etwas optimistisch war.» Die Erwartung, die Baubewilligung und die nötigen Mittel in so kurzer Zeit zu erhalten, sei ambitioniert gewesen. «Trotzdem ist die Gemeinde zuversichtlich, dass das Projekt zustande kommt.» Sie erhoffe sich von der neuen Attraktion eine grössere Bekanntheit und höhere Besucherzahlen für die Gemeinde und den gesamten Längenberg.

Sternwarte passt gut ins Konzept

Nicole Dahinden, Projektleiterin Nachtlandschaft im Naturpark Gantrisch, hat bereits Pläne. Die neue Sternwarte solle dazu beitragen, das Naturschutzgebiet als Destination für Nachtaktive hervorzuheben. «Wir wollen uns für das Zertifikat ‹Dark Sky Park› der International Dark Sky Association bewerben.» Dazu gehöre das Engagement gegen Lichtverschmutzung und das Schaffen von nächtlichen Freizeitangeboten, etwa Dämmerungswanderungen oder Fondueessen mit anschliessendem Sternebeobachten. «Die Verzögerung beeinflusst unsere Planung nicht so sehr», sagt Dahinden.

Umgekehrt hätte eine frühere Ernennung des Gantrischgebiets zum «Sternenpark» dem Botta-Projekt Rückenwind gegeben. «Mit der internationalen Auszeichnung hätten sie Sponsoren zeigen können, dass die Region dahinter steht.»

Stiftungspräsident Andreas Blaser bleibt gelassen. Nach Eingang der Baubewilligung wolle man die Suche nach weiteren finanziellen Partnern in Angriff nehmen. Mario Botta, der seine Skizzen gratis lieferte, sei schon lange für das Projekt gewonnen. «Die Zusammenarbeit mit ihm ist nach wie vor hervorragend.» Dass der berühmte Architekt noch ein wenig warten muss, störe ihn nicht. «Seine Begeisterung für unser Projekt ist gross, aber er ist trotz der Verzögerung nicht unterbeschäftigt.» (Der Bund)

Erstellt: 28.12.2017, 07:14 Uhr

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