Stadt Bern zahlt für Gaskessel weiterhin alleine

Die Kantonsregierung will aus Spargründen die Gaskessel in Bern und Biel weiterhin nicht unterstützen.

Nicht nur beim Berner Gaskessel (Bild), auch bei seinem Bieler Pendant stehen die Gelder auf der Kippe.

Nicht nur beim Berner Gaskessel (Bild), auch bei seinem Bieler Pendant stehen die Gelder auf der Kippe.

(Bild: Adrian Moser)

Matthias Raaflaub

Jedes Wort, das aus dem Gemeinderat zum Berner Gaskessel kommt, wird derzeit auf die Goldwaage gelegt. Die Zukunft des Jugendkulturzentrums ist wegen den Überbauungsplänen auf dem Gaswerkareal und der geplanten Jugendräume an der Nägeligasse mal sicherer, dann wieder weniger. Auch bei den Finanzen kann sich der «Chessu» bis auf weiteres nur auf Gelder der Stadt verlassen. Der Kanton wird nicht bei der Finanzierung des Jugend- und Kulturzentrums mitmachen, wenn es nach der Meinung des Regierungsrats geht. Er lehnt zwei parlamentarische Forderungen von Stadtberner Grossrätinnen und Grossräten der Grünen, SP, CVP und GLP ab, wie gestern bekannt wurde.

Die Parlamentarier wollen erreichen, dass der Gaskessel als überregionale Jugendeinrichtung vom Kanton langfristig direkt mitfinanziert wird. Dies wäre über den Lastenausgleich möglich. Das ist unbestritten. 2012 schon standen Gaskessel und Regierungsrat kurz vor einem Vertragsausschluss. Dann brach der Kanton Bern dieses Projekt kurzfristig ab. Aus Spargründen. Auch jetzt noch begründet der Regierungsrat sein Nein gegen eine Mitfinanzierung mit den klammen Kantonsfinanzen. Die Regierung setzt ihre Schwerpunkte anderswo.

Bis Ende 2015 finanziert

Für den «Chessu» ist diese Absage nicht akut bedrohlich. Das Berner Stadtparlament hat Anfang Monat den Gemeinderat verpflichtet, eine zweijährige Leistungsvereinbarung mit dem Gaskessel abzuschliessen. Damit ist die Finanzierung bis Ende 2015 gesichert. Für die Kessel-Betreiber ist das ein wichtiges Signal. «Mit diesem langfristigen Bekenntnis zum Gaskessel ist klar, dass er nicht einfach einer Überbauung weichen muss», sagt auf Anfrage Francisco Droguett vom Leitungsteam. Dennoch werde man sich nach dem Stadtratsentscheid nicht zurücklehnen und die Suche nach weiteren Finanzquellen unterstützen. Droguett ist trotz der abschlägigen Antwort der Regierung und des Spardrucks im Kanton zuversichtlich, dass die Forderung im Grossen Rat auf Rückhalt stossen wird. Im Vorfeld seien von Grossräten positive Signale zu vernehmen gewesen.

Hat sich nun die Befürchtung bestätigt, dass die Zusage des Stadtparlaments zu einem Zweijahresvertrag die Absage des Kantons provozierte? Stadtrat Manuel C. Widmer (GFL) hält diese Argumentation für falsch. Der Gemeinderat müsse nun trotz der Absage des Kantons weiter nach Geldgebern suchen. «Die Stadt müsste jetzt auch mit der Regionalkonferenz diskutieren», sagt er.

Eine praktisch gleichlautende Absage hat gestern auch der Bieler «Chessu» des Autonomen Jugendzentrums Biel (AJZ) erhalten. In Biel hat die Stadt ihren Anteil an der Direktfinanzierung erhöht. Im jüngsten Sparbeschluss kam das AJZ relativ glimpflich davon. Dennoch muss das AJZ insgesamt mit einem Viertel tieferen Subventionen auskommen.

Der Bund

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