Stadt Bern setzt Zeichen für Grossbern

Der Verein «Bern neu gründen» hat ein neues Mitglied: Die Stadt Bern. Damit will man sich für einen starken Grossraum Bern einsetzen.

Die Stadt Bern will ein Zeichen setzen für eine starke Region: Grenzstein zwischen Ostermundigen und Bern.

Die Stadt Bern will ein Zeichen setzen für eine starke Region: Grenzstein zwischen Ostermundigen und Bern. Bild: Franziska Rothenbühler

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Seit die Gemeinde Ostermundigen laut über eine Fusion mit der Stadt Bern nachdenkt, hat das Thema im Grossraum Bern an Bedeutung gewonnen. Die Stadt Bern sieht daher den Zeitpunkt gekommen, mit einem Beitritt zum Verein «Bern neu gründen» ein Zeichen zu setzen.

Der Verein setzt sich seit 2009 für eine starke Stadtregion Bern ein. Er will eine gemeinsame Identität fördern und die Gemeinden zu neuen Formen der Zusammenarbeit ermuntern. Die Hauptbotschaften des Vereins deckten sich mit der Haltung der Berner Stadtregierung, wie diese weiter schreibt.

Zeit ist reif für Debatte

Der Schritt des Ostermundiger Gemeindeparlaments zeige, dass eine mögliche Erweiterung der Stadt Bern heute kein Tabu mehr sei, schreibt die Berner Stadtregierung in einer Mitteilung vom Freitag. Breite Kreise seien bereit, eine offene und konstruktive Debatte anzustreben.

Der Verein «Bern neu gründen» möchte Bern insbesondere im Vergleich mit anderen urbanen Ballungsräumen wie Zürich, Basel oder dem Genferseebogen stärken.

Ein wiederkehrendes Thema

Gemeindefusionen sind im Kanton Bern seit über hundert Jahren ein Thema. Eine erste grössere Fusionswelle setzte ein, als die Städte gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen grossen Aufschwung erlebten. In den Fabriken gab es Arbeit, viele zogen vom Land in die Stadt oder zumindest in stadtnahe Gemeinden. So entstanden Agglomerationen. Da man damals aber noch am Arbeitsort und nicht am Wohnort Steuern zahlte, hatten viele Agglomerationsgemeinden bald einmal finanzielle Probleme. Die Lösung hiess Eingemeindung.

So kam es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu zahlreichen Eingemeindungen. Zur Stadt Thun stiesse damals beispielsweise die mausarme aber an Landreserven reiche Gemeinde Strättligen. Auf deren Land entstanden in der Folge ganze Thuner Stadtquartiere.

Zu Bern stiess damals Bümpliz. Dass es im Raum Bern nicht zu weiteren Eingemeindungen kam, hatte unter anderem damit zu tun, dass die Stadt nicht nur arme Umlandgemeinden aufnehmen wollte, sondern auch die wohlhabenden wie Muri. Das Gesamtpaket scheiterte indessen.

Gemeindeverbände

Während beispielsweise Zürich stark auf Eingemeindungen setzt, verfolgte man in Bern einen anderen Weg. Für Bereiche, wo ein Zusammenspannen sinnvoll war, wurden Gemeindeverbände gegründet. Häufig waren beispielsweise Gemeindeverbände für die Abwasserreinigung oder für Sozialdienste. So musste nicht jede kleine Gemeinde alle Leistungen anbieten.

Dazu kommt, dass der Kanton damals Eingemeindungen nicht überall gerne sah. So lehnte der bernische Grosse Rat Anfang der 1920-er Jahre den Zusammenschluss der beiden links dominierten Gemeinden Biel und Nidau ab - wohl aus Angst vor einem«roten» Grossbiel.

In der heutigen Zeit sind Gemeindefusionen längst wieder ein Thema geworden, da vielen kleinen Gemeinden oft die Ressourcen und die Leute fehlen, um ihre Aufgaben zu erledigen. Mit den Regionalkonferenzen und ähnlichen Organisationen verfügt der Kanton Bern zudem über eine Plattform für gemeindeübergreifende Themen. Mit einer Grossfusion wartete jüngst das Tessin auf. Bellinzona wuchs von einem Städtchen mit 18'000 Einwohnern dank dem Zusammenschluss mit 12 Nachbargemeinden zu einem urbanen Zentrum mit 43'000 Einwohnern. (zec/sda)

Erstellt: 08.11.2018, 11:25 Uhr

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